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Neujahrsempfang begeistert mit Kabarett und positiven Tendenzen / Jubiläumsprogramm vorgestellt

Aufbruchstimmung beim Stadtmarketing

Hameln (kar). Wenn das Stadtmarketing zum Neujahrsempfang einlädt, dann ist da auch Platz für einen aberwitzigen Schuss Wehmut, Wahn und Widersinn, Mysterien und Mumpitz: Platz für die „Gebrüder Podewitz“. Die Verbal-Pantomimen mit der Lizenz zur autoritären Unterhaltung rissen gestern Abend im Auftrag des Stadtmarketing- und Verkehrsvereins mit Börsenmärchen und Staumeldungen der etwas anderen Art und einer herrlich verqueren Neuinterpretation der Rattenfängersage die über 500 Gäste im Hamelner Theater zu Begeisterungsstürmen hin. Skurriler Auftakt und Schluss-Act eines Stadtmarketing-Abends, der viele positive Tendenzen aufzeigte und Aufbruchstimmung signalisierte.

Zukunftsgerichtete

Marketing-Arbeit

Einen knappen Rückblick auf das Jahr 2008 gab Michael Kolzuniak, Vorsitzender des Stadtmarketing- und Verkehrsvereins. „Wir haben Neues versucht, ausprobiert und umgesetzt“, so Kolzuniak in seinem Plädoyer für eine Bündelung der Kräfte im Stadtmarketing: „Es ist das Instrument, dem drohenden Verlust der Konkurrenzfähigkeit im Städtewettbewerb und andererseits dem Planungsnotstand im Inneren entgegenzuwirken.“ Das Stadtmarketing sei schon lange keine Randerscheinung mehr, bestätigte Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann: „Es ist eine feste Größe in Hameln, auch im Kontext kommunaler Politik“, stellte die OB fest und betonte: „Es ist von existenzieller Bedeutung für unsere Stadt.“ Das werde sich auch deutlich im Rattenfänger-Jubiläumsjahr zeigen.

Im Brennpunkt des Abends stand Stefan Schlichtes Präsentation einer zukunftsgerichteten Arbeit, die Früchte trägt: Das heimische Stadtmarketing sei mit über 300 Mitgliedern und einem 2008 erwirtschafteten Jahres-Budget von 220 000 Euro eine der stärksten Werbegemeinschaften Niedersachsens, stellte der Stadtmarketing-Geschäftsführer heraus. Er belegte dies mit Zahlen, die die IHK Niedersachsen und Prof. Günter Hirth von der FH Hannover bei der Befragung von 300 vergleichbaren Organisationen ermittelte und dabei für Hameln eine Spitzenposition bei den Stadtmarketinggesellschaften ausmachte.

Die steile Erfolgskurve des erst fünf Jahre jungen Vereins führte Schlichte auf die klar gestaltete Kommunikation und intensive Werbemaßnahmen zurück, auf aktive Partner wie Einzelhandel, Dehoga und engagierte Teile der Wirtschaft. Auf einen Rückblick verzichtete der Stadtmanager, legte das Schwergewicht vielmehr auf den Ausblick und führte dabei vier „Zielhäfen“ als Säulen der Arbeit ins Feld:

Eine konsequente Basis- und Lobbyarbeit: Sie konzentriert sich auf das „Networking“, soll heißen: auf strategische Kooperationen, die sich nicht mehr nur auf Hameln beschränken, sondern die Position der Rattenfängerstadt als Regionszentrum stärken.

Die überregionale Etablierung Hamelns als Einkaufsadresse: Hier werde weiter an Ideen für die überregionale Vermarktung des Einkaufserlebnisses Hameln gefeilt, sagte Schlichte und hob als erfolgreiches Beispiel den „Strahlemann“-Einkaufsgutschein hervor, der im vergangenen Jahr 38 000 Euro Umsatz in Hameln gehalten habe. Er soll in diesem Jahr zusätzlich in touristische Angebote eingebettet werden.

Hameln als interessanter Wirtschaftsstandort: In den Fokus rücken dabei sowohl klein- und mittelständische Unternehmen als auch die Industrie. „Erste Gehversuche wurden mit dem Job-Portal unternommen“, erklärte Schlichte und nannte als Ziel, „die Akquise von Fach- und Führungskräften zu unterstützen.“ Im Bereich Flächenmanagement arbeite das Stadtmarketing weiter konsequent an der Wiederbesetzung von Leerständen.

Die Sicherung Hamelns als beliebter Kultur- und Lebensraum: Lebensqualität sei ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung für einen Wohnort, sagte Schlichte, listete dabei „Beschilderung, Information, Begrünung und Kulturangebot“ auf und versprach: „Wir möchten uns auch selbst aktiv an der Ausgestaltung des Angebotes in Hameln beteiligen:“ Mit Veranstaltungen, Shoppingaktionen und Schwerpunktthemen.

Veranstaltungsreigen

im Jubiläumsjahr

Was auf Einheimische und Besucher der Stadt zukommt, verdeutlichte Schlichte mit einem Vorgeschmack auf die Jubiläums-Veranstaltungen des Stadtmarketings. Ein theatralischer „Urknall“: die Präsentation der 14 düsteren Rattenfänger-Kostüme, die von Studentinnen der Fachhochschule für Design in Hannover erarbeitet wurden und beim Neujahrsempfang des Stadtmarketing erstmals öffentlich präsentiert wurden. Im März wird mehr von der mystischen Seite des Pfeifers zu sehen sein, wenn die Rattenfänger Brian Boyer und Claus Lindner in ihre dunklen Gewänder schlüpfen. Dann lockt das Stadtmarketing unter dem Motto „Mystica Hamelon“ mit gebündelten Aktionen in der Region Bahnhof, Hefehof und Bahnhofstraße: Nostalgischer Mittelaltermarkt, Bogenschießwettbewerb, Konzerte, Illuminationen und ein mystisches Filmfestival im Maxx-Kino sind nur einige der Attraktionen.

Im Mai wird das Thema „Verführung“ im Herzen von Hameln aufgegriffen, gibt’s einen venezianischen Maskenball, alte Liebesfilme open-air auf Großleinwand, „Candle Light Dinner“ an der Weserpromenade, Kleinkunst, Skulpturenwettbewerb und vieles mehr.

Unter dem Motto „Zwielicht“ soll im September das größte Theaterfestival der Region stattfinden. Eine spektakuläre Fassaden-Illumination, Theaterparaden durch die Altstadt und ein Theaterfest im Bürgergarten bescheren weitere Höhepunkte.

Außerdem geplant: „Der Tag der Leseratten“ am 2. Oktober unter magisch-mystischen Vorzeichen und ein Dichterwettbewerb „Poetry Slam“.

Stoff genug für viele anregende Gespräche beim geselligen Ausklang des Neujahrsempfangs, den Helge Adam am Klavier einfühlsam musikalisch umrahmte.

Kommentar:

Weichen gestellt

Von Karin Rohr

Aufbruchstimmung beim Hamelner Stadtmarketing. Und das in einer Zeit, in der die wirtschaftlichen Zeichen in Richtung Krise deuten und kollektives Jammern zum Grundtenor deutscher Befindlichkeiten gehört. Beim Neujahrsempfang des Stadtmarketings aber gab’s statt warnender, pessimistischer Töne hoffnungsvolle Blicke in eine Zukunft, die in Hameln natürlich auch mit großen Erwartungen an das Rattenfänger-Jubiläumsjahr verknüpft sind.

Erwartungen, die vom Stadtmarketing fantasievoll bedient werden. Denn was hier zu den Themen „Geheimnis“, „Magie“ und „Verführung“ mit einer Bündelung von Attraktionen, Aktivitäten und Mitmach-Aktionen auf die Beine gestellt wird, macht neugierig. Das lockt nicht nur auswärtige Besucher, sondern fraglos auch viele Einheimische und beschert ihnen jene Lebensqualität, die sich das Stadtmarketing ohnehin auf die Fahnen geschrieben hat. Nicht nur im Jubiläumsjahr.

Am Ende dürften alle davon profitieren: Bürger, Kaufmannschaft, Gastwirte, Kulturschaffende, Wirtschafts- und Dienstleister. Der eigentliche Gewinner aber wäre die Stadt: Ein lebendiges Image, das Hameln mit den Attributen „fantastisch“, „aufregend“, „spannend“ und „außergewöhnlich“ verknüpft, zahlt sich über das Jubiläumsjahr hinaus auch langfristig aus. Voraussetzung ist, dass das Stadtmarketing am Ball bleibt. Die Weichen dafür hat es gestellt.

Theatralischer „Urknall“ mit Kostümen: Beim Neujahrsempfang des Stadtmarketings im Hamelner Theater wurden erstmals die 14 düsteren Rattenfänger-Outfits fürs Jubiläumsjahr präsentiert. Zwischen die fantastischen Roben mischen sich hier Stadtmanager Stefan Schlichte (Mitte) sowie Michael Kolzuniak (re.) und Alois Drube (li.) vom Vorstand des Stadtmarketing- und Verkehrsvereins.

Fotos: Wal




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