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Auf gute Nachbarschaft

Flegessen. Nachbarschaft. Wenn sie funktioniert, ist sie ein Garant für gutes und harmonisches Zusammenleben, vielleicht sogar wichtiger Baustein für die Zukunft eines Ortes. In Flegessen hat sich in den vergangenen Monaten ein Kreis sehr engagierter Nachbarn gefunden, die gemeinsam etwas für ihren Ort tun wollen – und die jetzt einen ersten Teilerfolg verbuchen können. Ihr Projekt „Ideenwerkstatt Dorfzukunft“ hat es im Wettbewerb „Neue Nachbarschaft“ in die Gruppe der letzten 22 geschafft. 623 Vorhaben aus dem gesamten Bundesgebiet waren in dem mit 100 000 Euro Preisgeld dotierten Wettbewerb eingesandt worden.

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Für die „Ideenwerkstatt Dorfzukunft“ bedeutet die Jury-Entscheidung, das Vorhaben in die Finalrunde aufzunehmen, bereits Bestätigung der Arbeit. Die hatte – nicht ausschließlich, aber doch zum großen Teil – mit einer im Ort als bedrohlich empfundenen Entwicklung deutlich an Fahrt aufgenommen: der möglichen Schließung der Grundschule in Flegessen und der Erkenntnis, sich nicht nur auf das Wohlwollen und die Unterstützung des Stadtrates verlassen zu können. Aus einer anfänglich kleinen Gruppe wurde eine Ideenwerkstatt mit mehr als 100 Teilnehmern, die sich in einer Erkenntnis wiederfanden: Ein Dorf zukunftsfähig zu machen geht das ganze Dorf an. Wesentlicher Aspekt dabei war die Überlegung, dass über die reine Infrastruktur hinaus gedacht werden müsse. „Es gibt viele Bereiche, wo ein Dorf viel zu verlieren hat, wenn es nicht aufpasst“, sagt Marion Hecht in Flegessen, Mit-Verfasserin des Antrags.

Auf die Entscheidung der Jury reagierten sie und ihre Mitstreiter mit purer Begeisterung: „Großartig. Das ehrt uns sehr“, sagt sie. Natürlich habe man vor Ort auf eine positive Reaktion gehofft, allerdings auch nicht mehr jede Minute an den Antrag gedacht: „Hier ist gerade eine dermaßen gute Stimmung, hier passiert so viel, dass man sich schnell um das nächste Vorhaben kümmert.“

In der kommenden Woche werden Juroren des Wettbewerbs „Neue Nachbarschaft“ Flegessen besuchen und sich vor Ort umschauen. „Die Menschen kennenlernen, die dahinter stehen. Ein Gefühl für das in der Bewerbung skizzierte Projekt bekommen“, sagt Robert Ambrée von der Montag Stiftung Urbane Räume, die den Wettbewerb ausgelobt hat. Zum ersten Mal, wie Ambrée erläutert – die Resonanz auf den Wettbewerb sei überwältigend. Die Jury habe sich die Auswahl der Projekte für die Finalrunde nicht leicht gemacht, zeigen doch alle Vorhaben eindrucksvoll, dass Bürger bereit sind, Verantwortung für ihre Nachbarschaft zu übernehmen. Die Wahl unter die letzten 22 Teilnehmer sieht Ambrée auf jeden Fall schon als Erfolg für ein Projekt: „Nicht nur die Quantität der Einsendungen ist hoch, auch die Qualität“, erklärt er.

Tatsächlich scheint die „Ideenwerkstatt Dorfzukunft“ in Flegessen einen Nerv getroffen zu haben: In den ersten vier Monaten haben sich 150 Einwohner in die Teilnehmerliste eingetragen, 60 Projektideen sind bislang entstanden, 35 Projektgruppen kümmern sich darum, dass sie umgesetzt werden können. Vom Dorfladen und der „Dorfhochschule“ mit Seminarangeboten bis hin zu Selbstversorgergärten und zum Gründerstammtisch reichen die Ideen. Einen großen Teil davon wollen die Mitglieder der „Ideenwerkstatt Dorfzukunft“ nun den Juroren nun gerne vorstellen.

Die Zukunft ihrer Ideenwerkstatt ist aber nicht von der endgültigen Platzierung im Wettbewerb abhängig. „Wir hoffen, dass wir die Jury überzeugen können, machen aber auf jeden Fall weiter“, erklärt Hecht. Ein Preisgeld wäre aber, so die Flegesserin, eine „unglaubliche Erleichterung“ für die Umsetzung geplanter Projekte. „Wie hoch sollte ihr Preisgeld sein“ hatte die Stiftung in den Wettbewerbsunterlagen gefragt – die Mitstreiter der Ideenwerkstatt legten sich nicht konkret fest, verwiesen auf Mittel, die zur internen Kommunikation benötigt werden, etwa für einen Internet-Blog und einen gedruckten „Dorfboten“. „Flagschiff-Projekt“ sei ein gemeinsam betriebener Dorfladen, der mit einer Förderung in Höhe von rund 20 000 Euro vom Stapel gelassen werden könnte.

Heute Abend steht für die „Ideenwerkstatt Dorfzukunft“ ein weiterer Termin an, ein eigener Verein soll gegründet werden. Drei Monate haben die Mitglieder die Gründung vorbereitet. Der Verein soll einen rechtlichen Rahmen bilden, aber nicht als Hürde für eine Beteiligung an der Ideenwerkstatt gesehen werden, sagt Hecht. Herzstück der Ideenwerkstatt ist die sogenannte „Küchentischrunde“, die weiterhin bestehen bleibt und die weiterhin dem ganzen Dorf offen steht. „Dort trifft man sich ganz ungezwungen, unterhält sich, entwickelt Ideen.“jhr



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