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Auf den Straßen lauert der Tod auf sie

Im Bereich der kreisregional bedeutsamen Amphibienwanderwege kreuzen bei günstiger Witterung Tausende von Tieren unsere Straßen, um zu den angestammten Laichbiotopen zu gelangen. Hauptwanderzeit der Amphibien ist zwischen Mitte Februar und Ende April. Sobald die erste milde Witterung einsetzt, erwachen Grasfrosch, Erdkröte und Bergmolch in ihren Winterquartieren und beginnen mit der Wanderung zum Laichplatz.

Autor:

Marina Fuchs

Im Bereich der kreisregional bedeutsamen Amphibienwanderwege kreuzen bei günstiger Witterung Tausende von Tieren unsere Straßen, um zu den angestammten Laichbiotopen zu gelangen. Hauptwanderzeit der Amphibien ist zwischen Mitte Februar und Ende April. Sobald die erste milde Witterung einsetzt, erwachen Grasfrosch, Erdkröte und Bergmolch in ihren Winterquartieren und beginnen mit der Wanderung zum Laichplatz. Regnerisches Wetter, Bodentemperaturen von mehr als 5 Grad Celsius und einsetzende Dämmerung lösen das Wanderverhalten aus. Oft werden dabei in mehrtägigen Etappen große Strecken zurückgelegt. Die Tiere sind am häufigsten zwischen 19 und 23 Uhr unterwegs.

Mit zu den ersten bei der Frühjahrswanderung zählen die Erdkröten. Wie alle Amphibien, versuchen Erdkröten zum Laichen, zum Ablegen ihrer Eier, immer wieder zu dem Gewässer zurückzukehren, in dem sie selbst geschlüpft sind. Denn sie wollen ihren Nachwuchs dort in die Welt setzen, wo sie selbst schon als kleine Kröte gute Lebensbedingungen hatten. Erdkröten gehören deshalb zu den ortsgebundenen Amphibien.

Um zu ihren ursprünglichen Laichgewässern zurückzufinden, haben die Erdkröten in ihrem Gehirn ein besonderes Organ. Damit können sie die verschiedenen Himmelsrichtungen feststellen. Außerdem können sie sich sehr gut an Waldwegen und Waldrändern orientieren. Und wenn sie in der Nähe ihres Gewässers angekommen sind, erkennen sie es sogar am Geruch.

3 Bilder
An den Wanderrouten der Amphibien werden derzeit wieder Fangzäune aufgestellt. Fotos: mafu

Wenn Erdkröten im Frühling kein geeignetes Gewässer zum Ablaichen finden, dann können sie in Notfällen sogar ihren Laich im Körper wieder zurückbilden und aufs nächste Jahr warten.

Während die Krötenweibchen teilweise bis zu fünf Kilometer Weg zum Tümpel auf sich nehmen, lassen sich die Krötenmännchen einfach tragen – huckepack. Es kann sogar passieren, dass eine Erdkröten-Dame bis zu zehn Männchen auf dem Rücken spazieren trägt.

Der von einem inneren Trieb gesteuerte Wanderdrang endet oft mit dem Tod, weil viel zu viele Vierbeiner den Wettlauf gegen die modernen Verkehrsmittel verlieren. Aus diesen Gründen sind die kreisregional bedeutsamen Amphibien-Wanderwege während der Frühjahrswanderung durch entsprechende Hinweisschilder gekennzeichnet. Diese Schilder dienen allerdings nicht nur dem Schutz der Fahrzeugführer, sondern fordern auch eine besondere Berücksichtigung des Verkehrsteilnehmers „Kröte“ und der an Krötenschutzaktionen beteiligten Personen. Letztere können sich zuweilen nur durch einen beherzten Sprung in den Graben vor der heranrasenden Gefahr retten. Alle Verkehrsteilnehmer sollten deshalb in diesen Bereichen besonders langsam und umsichtig fahren!

Als besondere Schutzvorkehrungen sind in den ausgeschilderten Bereichen Amphibienschutzzäune aufgestellt beziehungsweise fest installierte Schutzeinrichtungen aktiviert. Die K 76 Nienstedt – Messenkamp wird zur Amphibienwanderzeit nachts voll gesperrt. Gleiches gilt für einige Straßen im Bereich der Stadt Bad Münder.

Im Gebiet der Stadt Hameln werden ab sofort für die Dauer der Amphibienwanderungen zeitweise folgende Straßenabschnitte gesperrt: Klütwald im Bereich der Wiengrund- und Riepenteiche in der Zeit von 19 Uhr bis 7 Uhr (die Zufahrt zum Finkenborn sowie zur Riepenburg ist über den Finkenborner Weg möglich) und die Straße „Zum Schweineberg“ entlang der Krummen Beeke zwischen Holtensen und Rohrsen / Hottenbergsfeld in der Zeit von 19 Uhr bis 6 Uhr (die Zufahrt zur Heisenküche über die Holtenser Landstraße bleibt frei).

Geschwindigkeitsbeschränkungen gelten für Streckenabschnitte an der Klütstraße stadtauswärts in Höhe des Tierheims (50 km/h), an der K 1 zwischen Holtensen und Welliehausen (50 km/h) und am Ortsausgang Rohrsen Alte Mühle / Düth (30 km/h).

Kurioserweise kommt es bei Amphibien immer wieder auch zu Spontanwanderungen: Oft gibt es aber die Teiche, in denen die Erdkröten aufgewachsen sind, gar nicht mehr. Entweder sind sie vertrocknet oder durch Straßen verbaut. Dann machen sich die Erdkröten auf die Suche nach neuen Gewässern zum Ablaichen. So wurden im März vorigen Jahres Mitarbeiter des Nabu Hessisch Oldendorf/Hameln aus der Bevölkerung darauf aufmerksam gemacht, dass im Bereich des Waldbades Unsen an der Pötzer Landstraße zahlreiche Amphibien auf ihrem Weg zum Laichgewässer die stark befahrene Landesstraße L 423 überqueren. Diesen Hinweisen wurde sofort nachgegangen. Die Beobachtungen bestätigten, dass vom Wald des Süntels kommend zahlreiche Erdkröten und Molche im Bereich des Waldbades Unsen die Landesstraße überquerten. Binnen drei Tagen wurden knapp 500 Tiere gesammelt. Viele Amphibien wurden überfahren. Es kam zu Massenverlusten.

Diese Spontanwanderung in Richtung der Herksbachniederung war so stark, das noch am selben Abend aufgrund der „besonderen Lage“ die Polizei und anschließend auch die Untere Naturschutzbehörde Hameln als zuständige Fachbehörde eingeschaltet wurden. Daraufhin wurde im Zuge einer verkehrsrechtlichen Anordnung eine Geschwindigkeitsbegrenzung angeordnet, damit die Helfer die bedrohten Tiere auf der Fahrbahn einsammeln und sicher auf die gegenüberliegende Straßenseite transportieren konnten, ohne selbst in Gefahr zu geraten. In der Wandersaison konnten auf diese Weise mehrere hundert Individuen vor dem Verkehrstod gerettet werden.

In Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Hameln wurde mittlerweile ein Amphibienschutzkonzept erarbeitet. Schnell kam man zu dem Ergebnis, dass spontan trotz des großen Betreuungsaufwandes ein sicherer Schutz der Amphibien nur über eine Amphibiensperreinrichtung/Krötenzaun erreicht werden kann, der am Fahrbahnrand der Nordseite der L 423 installiert wird.

In Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde versucht die Nabu-Gruppe Hessisch Oldendorf/Hameln eine Amphibiengruppe ins Leben zur rufen, wenn sich genügend Teilnehmer und Helfer für dieses Projekt finden. Denn was jetzt noch fehlt, sind die Helfer selber. Da der Nabu Hessisch Oldendorf/Hameln mehrere solcher Amphibienprojekte durchführt, kann mit der Anzahl der vorhandenen Mitarbeiter diese Arbeit allein nicht bewältigt werden.

Ansprechpartner bei der Stadt Hameln ist Christian Wiemeyer von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Hameln Tel. 05151/202-1471

Ansprechpartner beim Nabu ist Dietmar Meier, Tel. 05152/51243 (falls nicht erreichbar, ist AB durchgehend geschaltet).

Für die Amphibien steht die Laichzeit bevor – die Frühjahrswanderung 2011 wird bald beginnen. In der Dämmerung der Morgen- und Abendstunden sind bei milden Temperaturen und gerade bei regnerischem Wetter Frösche, Kröten, Lurche und Salamander auf Wanderschaft. Um sicher ans Ziel zu kommen, benötigen die Tiere unseren besonderen Schutz und unsere Aufmerksamkeit.




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