×
Sonntagsausflug: Drei-Berge-Wanderung rund um Gellersen / Früchte nach Bad Pyrmont gebracht

Auf den Spuren des alten Kirschenweges

Als „Kirschendorf“ wird das Dorf Gellersen, ein Ortsteil des nordwestlich davon gelegenen Fleckens Aerzen, gern bezeichnet. Denn klimatisch begünstigt durch die Lage im Kranz der Berge, vor allem im Schutz des Schierholzberges, der die kalten Nordwinde zur Blütezeit abhält, gedeihen hier die süßen Früchte besonders gut. Sie prägen das Ortsbild seit jeher, sodass Gellersen sogar im Gemeindewappen einen Kirschbaum trägt.

Autor:

Ingeborg Müller

Als jenseits des Pyrmonter Berges unweit der Pyrmonter Heilquellen die ersten Logierhäuser für die Kurgäste entstanden, wurde der Kirschensegen für die Gellerser Bauern finanziell interessant. Denn dort waren die Kirschen hoch begehrt, sie mussten allerdings möglichst schnell dahin gelangen. Eine entsprechende Straßenverbindung gab es nicht, ohnehin waren die zu transportierenden Mengen zu gering für ein Pferdefuhrwerk. So wurden die Kirschen zu Fuß durch den Gellerser Forst hinunter ins Hessental und über Friedensthal nach Bad Pyrmont gebracht, eine Wegstrecke von gut 13 Kilometern für Hin- und Rückweg.

Kräftige Männer trugen schon mal 60 Pfund

Als Transportmittel dienten sogenannte Schannen, handgeflochtene Weidenkörbe, die an einem auf der Schulter liegenden Trageholz hingen. Dafür wurde die ganze Familie eingespannt; Kinder trugen mindestens 10, kräftige Männer schon mal 60 Pfund der süßen Last. Bis zum Zweiten Weltkrieg soll das so gegangen sein. Während der schlechten Zeit danach benutzten die Pyrmonter Hausfrauen den selben Weg in umgekehrter Richtung, um die begehrten Früchte zu erwerben.

Noch heute heißt nicht nur die Gellerser Hauptstraße „Kirschenstraße“, sondern auch der Weg über den Pyrmonter Berg, der hinunter ins Hessental führt, „Kirschenweg“. Wir werden ihn kurz berühren auf einem vielseitigen Rundweg, der uns zum Pyrmonter Berg, zum Schierholzberg und zu dem Höhenzug des Schwarzebruchs führen soll.

2 Bilder
Das schmiedeeiserne Wappen am Rathaus des Kirschendorfes Gellersen zeigt einen Früchte tragenden Baum

Im Ort Gellersen starten nur die Benutzer des Öffentlichen Nahverkehrs, die das Kirschendorf mit der Buslinie 30 Hameln – Bad Pyrmont des Nahverkehrs Hameln- Pyrmont erreichen. Autofahrer beginnen unsere Wanderung jenseits des Passes in Richtung Aerzen. An der Kreisstraße von Aerzen nach Amelgatzen liegt an der linken Straßenseite in Waldrandnähe unweit der Grillhütte ein Wanderparkplatz mit dem schönen Namen „Hühnerbusch“. Der Sage nach soll hier ein bunt schillernder, ja sogar Funken sprühender Hahn sein Unwesen treiben, und das nicht nur zur mitternächtlichen, sondern auch zur mittäglichen Stunde!

Unser Rundweg beginnt auf dem mit mehreren Aerzener Rundwege-Zahlen markierten Weg hinein in den Wald. Wir lassen uns zunächst von der 3 leiten. Es geht bergauf bis zu einer Kreuzung, bei der uns die Markierung nach links ziemlich steil hinauf führt. Bei der Gabelung geht es dann nach rechts bergab. Zunächst vorbei an einem Eichenwäldchen, später durch Mischwald wandern wir am südlichen Berghang des Schierholzberges entlang. Bei der nächsten Gabelung bleiben wir auf dem nach links ansteigenden Hauptweg. Allerlei Blumen erfreuen uns hier. Dann stoßen wir auf eine markante Kreuzung auf der Passhöhe zwischen dem Schierholzberg und dem östlich davon gelegenen Schwarzebruch, dem nördlichen Teil der Waldau, die im Südosten zwischen Hämelschenburg und Amelgatzen steil zur Emmer hin abfällt. Vor jener Kreuzung liegt eine kleine Anlage der Forstinteressen-Gemeinschaft Groß Berkel mit vier Gedenksteinen.

Wir verlassen jetzt unsere bisherige Markierung und folgen dem Aerzener Rundweg 10 nach rechts bergab. Wenn das Laub der Bäume nicht allzu dicht ist, können wir hinüber zum Pyrmonter Berg schauen. Es geht weiter leicht bergab, bis wir nach einer Haarnadelkurve zu einer hoch in den Wald vorgeschobenen Koppel gelangen. Hier folgen wir nicht dem Hauptweg, der rechts der Wiese verläuft, sondern wandern an deren linker Seite hinunter, weiter der 10 folgend. Am Waldrand entlang – ein kurzes Stück verläuft der Weg allerdings im Wald – werden wir zum Ende der Koppel geführt, halten uns bei der Gabelung links und gehen, wieder am Waldrand, hinunter nach Gellersen.

Am Ortsanfang liegt links das schöne Fachwerkhaus der Revierförsterei Gellersen. Vorbei an Bauernhöfen und Kirschplantagen kommen wir über Grant und Kirschenstraße zur Neuen Straße. An der Kirschenstraße befindet sich die Haltestelle, bei der die Busbenutzer in die Rundwanderung einsteigen. Wenn wir auf der Neuen Straße den Ort durchqueren und jenseits ansteigen, begleitet uns weiter die 10 – und Kirschbäume, beispielsweise jene, die am Waldrand die Wasserversorgungsanlage umgeben. Wunderschön ist der Blick von oben zurück auf Gellersen und auf Amelgatzen vor dem lang gezogenen Kamm des Scharfenberges weiter östlich. Auch die Waldau mit dem vorgelagerten Bergsporn der Hünenburg, Vorgängerin der heutigen Hämelschenburg, liegt in der Blickrichtung.

Am Waldrand können wir dann an die Kirschenträger denken, denn hier zweigt nach links der Kirschenweg ab. Wir folgen ihm nicht, sondern unserer Markierung, die uns hinein in den Wald führt, vorbei an einer rechts des Weges stehenden Schutzhütte. Wir wandern bergauf und verlassen beim zweiten hinunter führenden Abzweig unseren bisherigen Weg, um jetzt der Markierung 4 nach rechts bergab zu folgen. Auf diesem sehr abwechslungsreichen Wanderweg erreichen wir den Standort „Alter Postweg Aerzen“ und dann eine Kreuzung mit dem Hinweis auf eine Wassergewinnungsanlage.

Hier gibt es zahlreiche schöne Wanderziele

Hier halten wir uns rechts und gehen nun auf dem schnurgerade verlaufenden Weg zügig bergab. Beim Standort „Spitze Tanne“ erreichen wir den Waldrand und staunen über die zahlreichen hier angegebenen Wanderziele. Außerdem freuen wir uns an dem großartigen Panorama, jetzt nach Norden über das Grießebachtal zum Lünings- und Ahornberg und weiter in das Lippische Bergland bis hin zur Wesergebirgskette. Diesen Blick können wir noch genießen, wenn wir auf dem Waldrandweg nach rechts zur Fahrstraße und auf dieser noch gut 250 Meter zurück zum „Hühnerbusch“ wandern.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt