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Kirchengemeinde bekommt vor Gericht Recht / Unterlassungsklage gegen Frau mit Vierbeiner

Auf den Friedhof nur ohne Hund

Lauenhagen/Stadthagen (ly). Im Zivilstreit um den Friedhof von Lauenhagen, ausgetragen vor dem Stadthäger Amtsgericht, hat Richter Jens Vehling zugunsten der Kirchengemeinde entschieden. Mit Hunden oder anderen Tieren darf eine Frau den Friedhof fortan nicht mehr betreten. Es sei denn, sie möchte ein Ordnungsgeld riskieren, zumindest auf dem Papier bis zu 250 000 Euro.

Die Kosten des Verfahrens werden der beklagten Tierfreundin so oder so auferlegt. Gegnerische Anwaltskosten, die vor dem Rechtsstreit entstanden sind, muss sie ebenfalls übernehmen, wie die zuständige Pressestelle des Landgerichts Bückeburg auf Anfrage weiter mitteilt. Die Kirchengemeinde, zugleich Betreiberin des Friedhofs, hatte auf Unterlassung geklagt.

Am 3. Oktober 2010 soll die Frau mit einem Hund auf der gepflegten Anlage gewesen sein (wir berichteten). Ein klarer Verstoß gegen die Satzung, nach der lediglich Blindenhunde erlaubt sind. Beobachtet hatte die Besucherin ein Ehepaar, im Prozess die Zeugen der Kirchengemeinde. Beiden hat das Gericht geglaubt.

Wegen eines einzigen Vorfalls hätte die Kirche vermutlich nicht geklagt. Pastor Norbert Kubba hatte jedoch zu Protokoll gegeben, dass er die Frau bereits im September desselben Jahres zweimal mit einem Vierbeiner auf dem Friedhof angetroffen habe. Beim ersten Mal sprach er die Hundebesitzerin nur darauf an, nach der Wiederholung ging er dann einen Schritt weiter und schrieb einen persönlichen Brief. Richter Vehling hält die Aussage des Pastors für „schlüssig, nachvollziehbar und glaubhaft“, wie es im Urteil heißt.

Völlig anders beurteilt das Gericht die Darstellung eines Angehörigen der Frau. Dem Zeugen zufolge soll diese am fraglichen Tag allein zum Grab gegangen sein, ohne Hund also. An das Datum will sich der Angehörige deshalb so gut erinnern können, weil er für den vorausgegangenen gemeinsamen Spaziergang durch die Feldmark auf ein Fußballspiel von Hannover 96 verzichtet habe.

Nur hat 96 an dem Tag überhaupt nicht gespielt, so das Ergebnis von Internet-Recherchen Vehlings. Der Richter geht von einem offenbar unwahren Sachverhalt aus. Dem Zeugen droht nun ein Strafverfahren wegen uneidlicher Falschaussage. Darauf stehen mindestens drei Monate Freiheitsstrafe, im äußersten Fall bis zu fünf Jahre Haft. Weitere Bekannte der Frau könnten vor Gericht ebenfalls bewusst die Unwahrheit gesagt haben. Sie selbst hatte bestritten, jemals in Begleitung eines Hundes auf dem Friedhof gewesen zu sein.

Ob das Verfahren jetzt in die Berufung geht, ist noch offen.



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