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Vor Gericht: Jugendstrafe für Bauhelfer

Auetaler 96-Fan von Hooligans brutal verprügelt

Haste/Bückeburg (ly). Todesangst muss ein friedfertiger Anhänger von Hannover 96 ausgestanden haben, der auf dem Bahnhof Haste an Hooligans geraten war, gewalttätige Fußballfans. Mehrere Männer aus einer etwa 15-köpfigen Gruppe hatten noch auf den Wehrlosen eingetreten, als dieser bereits zwischen Bahnsteigkante und Zug lag. Einen der Schläger, einenBauhelfer (21) aus Münster, hat die Berufungskammer des Bückeburger Landgerichts jetzt zu neun Monaten Jugendstrafe mit Bewährung verurteilt.

Zu den Auflagen gehören 600 Euro Geldbuße. Richter Friedrich von Oertzen nannte die Tat "wirklich das Allerletzte'' und sah eine "Demonstration von Macht", zugleich "gockelhaftes Verhalten". In einem vorausgegangenen Prozess in Stadthagen war ein zweiter Hooligan ebenfalls zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die übrigen Männer konnten bis heute nicht identifiziert werden. Sonnabend, 14. Mai 2005. Das spätere Opfer, ein Dachdeckermeister (39) aus dem Auetal, sitzt mit einem Freund (19) im ersten Waggon des Regionalexpresses von Hannover nach Stadthagen. Die Männer kommen vom Spiel Hannover 96 gegen den HSV (2:1) und sind gut gelaunt. Plötzlich taucht ein Fremder im Abteil auf, reißt dem Auetaler den 96-Schal vom Hals und verschwindet wieder. Es ist der Bauhelfer aus Münster. Der Dachdecker nimmt die Verfolgung auf, trifft aber auf mehrere Männer, die ihm den Weg versperren. "An uns kommst Du nicht vorbei." Später stellt sichheraus, dass die Hooligans Fans von Preußen Münster sind, das bei Union Berlin 0:1 verloren hat. In Haste geht die nächste Konfrontation dann nicht mehr so glimpflich aus. Als der Handwerker, ein eher besonnener Mann, aus dem Zug steigen will, wird er von hinten angesprungen. Trotz seiner kräftigen Statur von fast zwei Metern Größe hat der 39-Jährige gegen diese Übermacht, die ihn mit Tritten und Hieben eindeckt, keine Chance. Unter den Schlägern ist der jetzt verurteilte Münsteraner, ein kleiner (1,70 Meter), stämmiger Bursche. Das Opfer rutscht zwischen Bahnsteig und Waggon, wo es sich vor weiteren Attacken zu schützen versucht, so gut es geht. An Flucht ist kaum zu denken. "Man kommt da nicht mehr raus, wenn so eine Meute um einen herum steht." Und dann ist da "die Angst, dass der Zug anfährt". Ein Freund rennt zum Lokführer, um dies zu verhindern. Schließlich kommt die Polizei mit drei Streifenwagen und beendet die Ausschreitungen. Der Dachdecker erleidet diverse Prellungen sowie eine Risswunde am Bein, die schlecht verheilt. Er ist 13 Wochen arbeitsunfähig und froh, mit dem Leben davongekommen zu sein. Mit ihrer Entscheidung ist die Jugendkammer dem Antrag von Oberstaatsanwalt Bodo Becker gefolgt. In erster Instanz hatte das Amtsgericht Stadthagen den Mann wegen gefährlicher Körperverletzung, Diebstahls und uneidlicher Falschaussage zu einem Freizeitarrest verurteilt, der übers Wochenende im Gerichtsgebäude verbüßt wird. In Münster war der 21-Jährige schon durch eine ähnliche Tat aufgefallen. Von einer Verfolgung wurde damals abgesehen. "Da muss man sich nicht wundern", sagt Staatsanwalt Becker, "wenn solche Exzesse überhand nehmen."



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