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Attrappe gegen Raser: Verboten?

Pohle (bab). Von Anliegern und Politikern wird seit längerem die Verkehrssituation an Pohles südwestlichem Ortsausgang bemängelt. Mit zu hohem Tempo sollen die Autos dort unterwegs sein. Von zuständigen Behörden kam bisher keine Hilfe. Jetzt haben sich die Anwohner selber geholfen. Zur Abschreckung stellte die Familie Tilgner auf ihrem privaten Gelände einen sogenannten Starenkasten auf. Die Familie registriert seit Installation der Attrappe eine positive Wirkung. Der Landkreis prüft die Zulässigkeit.

Der Kasten, der bei der Familie Tilgner auf dem Grundstück steht, wirkt nicht nur täuschend echt, er ist es auch. Denn er stammt aus ausrangierten Beständen. Es ist das Gehäuse einer im Bürokratiejargon als stationäre Geschwindigkeitsmessanlage bezeichneten Einrichtung. Der Volksmund sagt Blitzer oder Starenkasten. Geblitzt wird in Pohle allerdings nicht. Der Kasten ist nur Attrappe. Aber bereits das zeigt Wirkung, meinen Roland Tilgner und seine Frau Weiyi Tilgner-Chang. Das Ehepaar, das direkt an der Ortsdurchfahrt wohnt, hat eine sechsjährige Tochter und einen neunjährigen Sohn um die es sich Sorgen macht. Da es dort keinen Bürgersteig gibt, müssen die Kinder am Straßenrand entlang zum Bus und ins Dorf gehen. Besonders bei Dunkelheit im Winter sei die Situation sehr gefährlich. Die Gemeinde hat den Bau eines Bürgersteigs verschoben, weil das Land die L 439 mittelfristig sanieren will. Doch bis dahin gebe es keine Maßnahmen der zuständigen Behörden, um die Verkehrssicherheit zu verbessern, meint das Ehepaar. Durch Baustellen und Staus auf der A 2 erhöhe sich noch die Frequenz der Autos und Lastwagen, die zu schnell fahren. Roland Tilgner kann von haarsträubenden Situationen berichten, die sich an der Straße abgespielten. "Die Fußgänger sind hier schon in den Graben gesprungen", erzählt er davon, dass Menschen den Autos nicht anders ausweichen konnten. Heinrich Schaper aus Pohle, Bekannter der Tilgners, hat ebenfalls eine Menge Raser registriert. "Der Effekt ist 100-prozentig positiv", beurteilt Schaper die Wirkung des Starenkastens. "Die Anlieger sind zufriedener geworden." Tilgners bestätigen das. "Wir haben auf formalem Weg nichts erreicht, also mussten wir tätig werden", begründet Weiyi Tilgner-Chang die drastische Maßnahme. Polizei und Landkreis haben von der List, zu der die Pohler Familie gegriffen hat, bereits Wind bekommen. "Wir prüfen jetzt die Rechtslage", sagt die zuständige Dezernentin Ursula Müller-Krahtz. Der Kreis wolle zwar "nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen", müsse aber herausfinden, ob die Aufstellung des Kastens eine Gefahr für Autofahrer birgt. "Wir tun das ja nicht nur für uns", sagen die Tilgners. Sie wären sogar bereit, dem Landkreis den Strom zu spendieren, wenn dieser zustimmen würde, die Attrappe in eine funktionstüchtige Anlage umzuwandeln. Zumindest wollten sie die Behörden aufrütteln, gegen die kritische Situation am Ortsrand Maßnahmen zu ergreifen.




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