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Ulrich Zech sorgt mit seinen Vorschlägen zum Schulzentrum Nord für Konsens in der Politik

Architekt als Brückenbauer

Hameln. „Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Den Kostenrahmen für das Schulzentrum Nord außer Kraft zu setzen, oder zu behalten, und das Raumprogramm zu ändern.“ Mit diesen Worten hat Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese gestern Abend gleich zu Beginn der gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Stadtentwicklung sowie für Kindertagesstätten, Schulen und Sport auf die Dramatik der drohenden Kostenexplosion hingewiesen. Die Verwaltung habe bei ihren Vorschlägen auf Reduzierung des Raumangebotes und auch der Zügigkeit die Finanzpolitik im Auge gehabt, betonte der Christdemokrat. Die Schulpädagogik zu diskutieren, sei eine andere Aufgabe. „Ein Weitermachen geht allerdings nicht, weil sich die Parameter verändert haben“, stellte Griese klar. Isabella Gifhorn, Fachbereichsleiterin Planen und Bauen im Hamelner Rathaus, sprach von einer möglichen Kostensteigerung von bis zu 30 Prozent. Als Gründe nannte sie

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Hans-Joachim Weiß Reporter zur Autorenseite

die Novellierung der Honorare, die allgemeinen Baupreissteigerungen,

konstant steigende Anforderungen beim Brandschutz,

Instandsetzungsstau und

die Gestaltung des Außengeländes.

„Es ist nichts vergessen worden“, erklärte Gifhorn und trat damit wiederholter Kritik der Oppositionsfraktionen von SPD und FDP an der städtischen Bauverwaltung entgegen. Sozialdemokraten und Liberale hatten Stadtbaurat Hermann Aden unterstellt, die Kosten für die Gestaltung des Außengeländes „vergessen“ zu haben. Gifhorn kündigte an, dass noch einmal der Bestand überprüft werden solle. „Auch, ob wirklich jedes Fenster erneuert werden muss“, sagte sie. Auch die energetische Ertüchtigung stünde auf dem Prüfstand. Gifhorn: „Es geht um eine Entwurfsplanung mit dem Ziel der Kostenberechnung.“ Dann sei allenfalls noch mit einer Kostenabweichung von höchstens zehn Prozent zu rechnen, meinte die Fachbereichsleiterin.

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  • Stadtbaurat Hermann Aden bezifferte die Konsens-Kosten mit 70 000 Euro. Foto: Dana
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  • Oberbürgermeister Claudio Griese appellierte an die Politik, eine Kostenexplosion zu verhindern. Foto: Dana

„Das alles

funktioniert nur mit den Schulen“

„Uns geht es darum, Sie aus dem Dilemma herauszuholen“, sagte Architekt Ulrich Zech. Die Kostensteigerungen seien „Kriterien, die mit Zeit zu tun haben“. Wäre das Schulzentrum Nord vor drei Jahren gebaut worden, wäre es heute nicht so teuer. Auch nicht umgesetzte Instandsetzungen trügen zur Verteuerung bei. Der Hamelner schlug vor, gemeinsam mit den Schulleitungen von IGS und Albert-Einstein-Gymnasium nach wirtschaftlichen Lösungen zu suchen. „Das alles funktioniert nur mit den Schulen“, betonte Zech unter lautem Beifall der Zuhörer in der gut besetzten Mensa des Schiller-Gymnasiums. Ziel sei, die Entwürfe zu optimieren und ein „ganzheitliches Paket“ zu schnüren. „Das bedeutet, auf die Trennung von Bestand und Entwurf zu verzichten“, erläuterte der Architekt. Stünden die Gesamtkosten fest, fiele es leicht, über eine Verringerung der Bausubstanz nachzudenken. „Es geht nicht nur um das Sparen von Euros, sondern was Sie pädagogisch, wirtschaftlich oder funktional anrichten“, sagte Zech in Richtung Politik. Die Kostenberechnung könne sein Büro bis Ende des Jahres vorlegen. „Dann sind Sie kompetent in der Lage, Entscheidungen zu treffen“, fügte der Architekt an. Und dann ließe sich auch klären, ob so schwerwiegende Entscheidungen wie eine Verringerung der Zügigkeit notwendig seien. Zech wolle mit seinem Konzept „durchmarschieren“, gebe der Politik aber auch die Möglichkeit, auf Basis fundierter Informationen die Notbremse ziehen zu können. Das dafür erforderliche Geld bezifferte Aden mit „70 000 Euro plus Nebenkosten und Mehrwertsteuer“.

Kurt Meyer-Bergmann (SPD), Vorsitzender des Schulausschusses, zeigte sich von den Vorschlägen des Architekten als Erster angetan. Er stellte jedoch noch einmal unmissverständlich klar, dass für die Sozialdemokraten an der Zügigkeit nicht zu rütteln sei. Zudem verwies Meyer-Bergmann auf hohe Anmeldezahlen für die IGS und entsprechende Erwartungen der Eltern. „Wir verschließen uns keinen neuen Überlegungen, wir verschließen uns dagegen, das Schulzentrum Nord auszuhungern“, sagte er und sah den Antrag der SPD auf Mitspracherecht der Schulleitungen erfüllt: „Die Schulleiter werden mitgehen und sparen – da bin ich mir sicher.“

Auch Herbert Habenicht sprach nach dem Vortrag des Architekten von einer Neuheit. „Wir sind in Hektik geraten, weil wir uns nicht vor drei Jahren Gedanken über die Kosten gemacht haben“, übte der Liberale Selbstkritik. Es ginge jetzt darum, für 21 Millionen Euro ein „vernünftiges Schulzentrum Nord zu bauen, das den Aufgaben gerecht wird.“ Pflicht solle es geben, „aber keine Kür“, bestätigte Grünen-Fraktionschefin Ursula Wehrmann. Schließlich habe Hameln auch andere Schulen zu versorgen: „Und Bedarf gibt es überall.“

Am Ende dann der Konsens: Schwarz-Grün und SPD zogen ihre Anträge zurück und schlossen sich dem Zech-Konzept an. Griese versprach, dass die Verwaltung bis zum morgigen Freitag ein Papier erarbeiten wolle, das dann als Beschlussvorlage zunächst im Verwaltungsausschuss und dann im Rat diskutiert und beschlossen werden soll.

Oberbürgermeister Claudio Griese (li) appellierte an die Politik, eine Kostenexplosion zu verhindern. Schulausschussvorsitzender Kurt Meyer-Bergmann (Mi) sah die Forderung der SPD erfüllt und Stadtbaurat Hermann Aden befifferte die Konsens-Kosten mit 70 000 Euro.Dana (3)



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