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25 JahreÄrztehaus an der Obernstraße / Gesundheitsreform wird zur Fessel

Arbeit macht trotzdem noch Spaß

Stadthagen (jl). Die Doppeladresse Obernstraße 54/55 beherbergt Stadthagens erstes Ärztehaus. Die Gründer, Michael Schnabel und Wolfgang Soergel, blicken jetzt mit später dazugestoßenen Kollegen auf 25 Jahre unter einem Dach zurück. Der Rückblick fällt angesichts der aktuellen Entwicklung in der Gesundheitspolitik nicht nur rosig aus.

Die Wiege des ersten Stadthäger Ärztehauses stand sinnbildlich ausgedrückt im Kreiskrankenhaus. Dort hatten der Frauenarzt Schnabel, der Kinder- und Jugendarzt Soergel sowie der Chirurg Ahmed Asfahani bis in die frühen achtziger Jahre gearbeitet. Schnabel sollte der erste Mieter des Hauses an der Obernstraße werden, das sein guter Bekannter und inzwischen verstorbener Likörfabrikant Wolfgang Meyer eigens für die Praxis und ein Ladengeschäft anstelle eines nicht mehr zu rettenden Fachwerkhauses baute. "Das Haus wurde immer größer, beschreibt Meyers Ehefrau Rosemarie die weitere Entwicklung, weil Schnabel und Soergel sich auf der Praxissuche kreuzten und auch Asfahani sich entschloss, auf eigene Rechnung zu arbeiten. Dessen Praxis hat vor rund fünf Jahren Karl-Heinz Beckert übernommen. Das Ladenlokal übernahm gleich vom Start weg Apotheker Wolf-Dieter Kühne mit der Martini-Apotheke. Für den Düsseldorfer Kühne war die Obernstraße das Ende einer umfangreichen Suche nach einem neuen Aktionsfeld. Kühnes Ehefrau Margit ist seit langemPraxispartnerin von Gründer Schnabel. Später sind im Nachbarhaus eine allgemeinmedizinische und eine zahnärztliche Praxis dazu gekommen. Die drei Gründerpraxen haben ein großes Einzugsgebiet, das weit in den Nordkreis und in anderer Ausdehnung bis nach Rehburg-Loccum reicht. Wenn Schnabel seine Bilanz mit Menschen darstellen müsste, bräuchte er rund 25 000 Frauen und bei Beckert sowie Vorgänger wären es sogar 32 000 Patienten. 30 Beschäftigte arbeiten auf allen Etagen an der Obernstraße. Guter Standort, trotz einiger Widrigkeiten wegen der Fußgängerzone und "die Arbeit macht Spaß" lautet stellvertretend Schnabels 25-Jahres-Bilanz. Nur ein paar Sätze weiter wird bei Beckert, Soergel und Apotheker Kühne deutlich, dass der Spaß an der Arbeit sich unter dem Vorzeichen Gesundheitsreform in Grenzen hält. "Als wir angefangen haben, konnten wir uns um unsere Patienten kümmern und nicht fragen, ob etwas verschrieben werden kann, ob eine Behandlung im Budget enthalten ist, ob uns Regress droht oder wir selber bezahlen müssen", bringt Schnabel das große Gegenwartsproblem auf den Punkt. Beckert empfindet das Arbeiten unter der Gesundheitsreform wie "eine Stahlschlinge, die zugezogen wird". Er hat mehrere Fälle, bei denen die Kassenärztliche Vereinigung von ihm Geld für Leistungen verlangt, die durch das Budget von 35 Euro pro Patient und Quartal nicht gedeckt sind. Von Soergel möchte die Verrechnungsstelle Geld für physiotherapeutische Anwendungen, die das Budget nicht deckt, der Mediziner aber für unbedingt notwendig gehalten hat. "Es ist pervers, dass wir nicht das machen können, was wir für nötig halten", kommentiert Hausnachbar Michael Schnabel und weist darauf hin, dass das Quartalsbudget gilt, "egal wie oft der Patient in die Praxis kommt."




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