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Vortrag beim Kunst- und Kulturkreis / Tafelrunde mit den Großen der Geistesgeschichte

Anna Amalia: Kosmopolitin und Schöngeist

Bad Münder (hzs). Die Geschichte der Welfen und der Frauen habe sie immer besonders gereizt, sagt Sibylle Weitkamp. Bereits zum dritten Mal war die Diplom-Bibliothekarin am Niedersächsischen Landesmuseum auf Einladung des Kunst- und Kulturkreises (KuK) mit einem Vortrag zu Gast in Bad Münder. Nach der „Affäre Königsmarck“ widmete sich Weitkamp diesmal einer der „faszinierendsten“ Frauengestalten des 18. Jahrhunderts, der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach (1739-1807). „Die Veranstaltung war sehr gut besucht“, freute sich Organisatorin Ingeborg Salzmann über 60 Zuhörer.

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Als braunschweigsche Prinzessin und fünftes Kind der insgesamt 13 Kinder des Herzogs Karl I. geboren erhielt Anna Amalia eine umfangreiche Ausbildung. „Dazu gehörten Sprachen, Tanz, Musik, und wie man sich in der Gesellschaft bewegt“, erklärte Weitkamp. Aus rein dynastischen Gründen wurde die 18-Jährige mit dem jungen regierenden Herzog Ernst August II. Constantin von Sachsen-Weimar-Eisenach verheiratet. Eine Heirat, durch die die Erbfolge des Herzogtums gesichert werden sollte.

1757 wurde Anna Amalia, nach der auch die berühmte, 2004 durch einen Brand fast vollständig zerstörte Weimarer Bibliothek benannt ist, Mutter des Erbprinzen Carl August. Ihr Mann jedoch starb bereits nach zweijähriger Ehe, sodass Anna Amalia die Regentschaft des kleinen sächsischen Herzogtums zufiel. Obwohl nicht auf diese Aufgabe vorbereitet, führte Anna die Regentschaft umsichtig, wobei sie von Johann Wolfgang von Goethe als Minister tatkräftig unterstützt wurde.

Die Thesen des deutsch-italienischen Juristen Ettore Ghibellino – nach denen zwischen den Dichterfürsten und der Herzogin eine leidenschaftliche, fast zehnjährige Liebesbeziehung bestanden habe – mag Sibylle Weitkamp ebenso wenig teilen wie der Historiker Joachim Berger, der dem Autor vorwirft, er „reiße in den Briefen auftauchende Wörter aus dem Zeitzusammenhang und verkenne ihre historische Bedeutung“. Weitkamp: „In der damaligen Zeit hätte man eine solche Beziehung zudem ebenso wenig geheim halten können wie heute.“

Die Ereignisse des Siebenjährigen Krieges zogen das kleine Herzogtum in Mitleidenschaft. Das Schloss wurde beschädigt, blieb aber Zentrum des geistigen Lebens. Zu Anna Amalias berühmten „Tafelrunden“ trafen sich ab 1775 regelmäßig die „Großen der Geistesgeschichte“ wie Goethe, Wieland und Herder zum Gedankenaustausch.

Per Lichtbildervortrag stellte Sibylle Weitkamp eine Frauengestalt des Absolutismus vor, die sich trotz kleinstaatlicher Enge als schöngeistige Kosmopolitin erwies, und die dank eines Sparkurses ihre Regentschaft nahezu schuldenfrei vollendete.



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