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Exxonmobil forscht im Erdinneren / 100 Arbeiter und 50 Fahrzeuge im Schaumburger Land im Einsatz

Anklopfen und horchen - die Suche nach Gas

Samtgemeinde Niedernwöhren (gus). Das Unternehmen Exxonmobil hat in dieser Woche im Landkreis Schaumburg nach Erdgas gesucht. Sogenannte "Schieß-Trupps" zündeten zu dem Zweck entlang einer zehn Kilometer langen Linie zwischen Bad Hiddenserborn und Niedernholz 400 Sprengsätze. Gestern verhallten die letzten Sprengungen im Schaumburger Land.

Der Mineralölkonzern klopft gewissermaßen bei tief liegenden Gesteinsschichten an, ob sich dort Erdgaslagerstätten befinden. Allerdings erfolgt das Klopfen in Gestalt von Detonationen. Deren Widerhall soll die nötigen Informationen liefern. Das Erdinnere antwortet - um im Bild zu bleiben - im Idealfall mit "herein". Entlang der Messstrecke sind 5000 Geophone ausgelegt worden. Wenn eine Sprengladung detoniert, zeichnen jeweils zwölf Geophone die Resonanz der Schallwellen auf. Das Signal wird an einen Messwagen weitergeleitet, in dem ein Computer die Daten aufzeichnet. Der Messwagen, der zwischen Lauenhagen und Pollhagen platziert worden ist, gehört zu den 50 Fahrzeugen, die an der Suche beteiligt sind. 100 Arbeiter werden eingesetzt. Zwei Sprengtrupps sind an der Linie "Schaumburg 1" unterwegs. Ungefähr alle 15 Minuten erfolgt eine Sprengung. Was auf den ersten Eindruck hin simpel erscheint, ist der zwar entscheidende aber dennoch kleine Teil einer logistischen Großtat. Im Vorfeld mussten die 400 Sprengladungen jeweils 25 Meter voneinander entfernt acht bis neun Meter tief in den Boden versenkt werden. Ein Kabel verbindet alle diese Punkte miteinander. Zusätzlich sind im Abstand von etwas mehr als zwei Metern die Geophone postiert worden. Auch diese haben Kabelkontakt zur Messlinie. Diese muss möglichst gerade verlaufen, weil nur so exakte Ergebnisse zu ermitteln sind. Exxonmobil-Pressesprecher Wolfgang Hansen erklärt, dass jede Abweichung die Datenstreuung erhöhen würde. Deshalb müssen entlang der ausgewählten Strecke am Mittellandkanal einige Wohngebiete durchquert werden. Dort wird laut Hansen nicht gesprengt. "Wir gehen aber so nah wie möglich an die Wohnbebauung heran", sagt er. Niedernwöhren, Pollhagen und Niedernholz liegen entlang der Messstrecke. Einige Gärten und Grundstückseinfahrten sind von dem orangefarbenen Kabel durchzogen, denn die Messlinie darf während der gesamten Zeit nicht unterbrochen sein. Die jeweiligen Ortsdurchfahrten haben die Arbeitertrupps mit Metallkonstruktionen überspannt. Wo außerorts die Ackerflächen allzu üppig bewachsen sind, werden die Landwirte gebeten, eine Schneise zu schlagen, damit die Fahrzeuge der Gassucher freie Bahn haben. Am Donnerstag werden bei Niedernholz die ersten Sprengladungen gezündet. Völlig reibungslos verläuft dies nicht. Zur Mittagszeit erfährt Hansen von einem sogenannten "Line-Break", einer Unterbrechung der Messlinie. Schnell wird die defekte Stelle repariert. Dann das nächste Problem: Einige der Bohrungen für die Sprengladungen sind offenbar nicht fest genug verfüllt. Einige Meter hoch spritzt nach den Explosionen die Erde in die Luft. Diese Messungen, so Hansen, liefern keine sauberen Daten. Eigentlich soll von den Explosionen nicht mehr als ein Knall in Zimmerlautstärke zu hören sein. Von sichtbaren Auswirkungen ist nach Worten Hansens nicht auszugehen. Schließlich stehen die Arbeiter des sogenannten "Schießtrupps" nur rund 25 Meter vom Detonationspunkt entfernt - und gefährlich soll die gesamte Untersuchung schließlich nicht sein. Das dürften die "Schießtrupp-Arbeiter" gern hören. Immerhin verbinden diese das Zündkabel kurz vor jeder Explosion per Hand mit einer Apparatur, die einer der "Schießer" auf dem Rücken trägt. Zu dieser gehört ein Funkgerät, womit dem Messwagenpersonal die Freigabe jedes Sprengsatzes signalisiert wird. Die Zündung erfolgt per Funk vom Messwagen aus. Die Untersuchung ist Teil einer Kampagne, bei der auch das Erdreich im Emsland nahe Lingen, im Raum Damme im Landkreis Vechta und im Raum Minden-Lücke nach Gasvorkommen abgeklopft wird. Kostenpunkt: rund sechs Millionen Euro. Die Wahrscheinlichkeit, dass Erdgas gefunden wird, liegt laut Hansen bei 15 Prozent. Warum so viel Geld investieren, wenn nicht mal eine Erfolgsgarantie besteht? Hansen: "Eine Erdgasbohrung kostet zehn bis 15 Millionen Euro. Da will man sicher sein, dass auch etwas gefunden wird." Schließlich sei Niedersachsen das Bundesland Nummer eins in puncto Erdgasförderung. Von hier stammen 92 Prozent des in der Bundesrepublik produzierten Erdgases. Ob in Schaumburg Erdgas zu fördern ist, bleibt noch einige Zeit im Unklaren. Die ermittelten Daten werden von Experten bei Exxonmobil erst im Verlauf des Herbstes ausgewertet. Das Ergebnis wird nicht vor 2009 bekannt gegeben.




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