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Angler in Hachmühlen: Den letzten Köder ausgeworfen

HACHMÜHLEN. Damals war er einer der Jüngsten, heute ist Detlev Walter 68 Jahre alt. Stets hat er an den Treffen der Hachmühler Angler teilgenommen. Die nur noch aus drei Mann bestehende Truppe war sich nun einig: Gut 50 Jahre hatte sie gehalten, die Kameradschaft der Angler aus Hachmühlen, jetzt ist es vorbei.

Der Wanderpokal der Hachmühler Angler bleibt endgültig bei Detlev Walter. Foto: Honig

Autor

Gerhard Honig Reporter

Damit löst sich die stets inoffizielle Gruppierung innerhalb des großen Sportfischervereins Hameln und Umgegend auf.

In Zukunft gibt es also kein „Hachmühler Angeln“ mehr. Der Grund: viele Kameraden verstarben oder mussten aus Altersgründen das Handtuch werfen, Nachwuchs aus dem Dorf rückte nicht nach. Hinzu komme nach Ansicht des verbleibenden Trios ein zunehmendes Desinteresse an der Gemeinschaft insgesamt, oft auch als Vereinsmüdigkeit bezeichnet. So jedenfalls diskutierte der kleine Rest um den letzten Ausrichter und Pokalsieger Walter.

Dabei hatten die Hachmühler anfangs und über viele Jahre mehr als zwanzig Teilnehmer gehabt, wenn zum jährlich einmal organisierten Treffen mit der Angelrute am Wasser eingeladen wurde. Der Fischer mit dem besten Fang erhielt nicht nur den Wanderpokal, sondern war im kommenden Jahr selbst der Ausrichter des kleinen Wettstreits. Das wiederum bedeutete: er musste an eine von ihm auszuwählende Uferstrecke zum Fischen und anschließend zur Einkehr bei sich zu Hause einladen. Die Beute wurde stets direkt genutzt und geschmackvoll zubereitet, wenngleich nicht jeder Angler auch automatisch ein begeisterter Fischkoch sein musste.

Der Klub hatte im Dorf stets einen guten Ruf: die Angler wurden als Gruppe wahrgenommen, zum Bürgerschießen eingeladen, die lokalen Geschäfte und Hamelner Angelläden unterstützten wohlwollend die Petrijünger bei diversen Anlässen und die Kreditinstitute stifteten Pokale. Seinerzeit in den sechziger Jahren erfuhr, einhergehend mit zunehmender Freizeit und Mobilität, das Angeln als sinnvolle Freizeitbeschäftigung in der freien Natur einen regelrechten Boom. So legten auch viele Jungangler aus Hachmühlen die Fischerprüfung ab und traten dem Hamelner Angler-Verein bei.
Obwohl ja der Angler sonst eher als Individualist wahrgenommen wird, kam bei vielen Hachmühler Anglern irgendwann der Wunsch auf, sich quasi als Dorfgemeinschaft zumindest einmal jährlich im Angelrevier zu treffen. Diese Idee war die Keimzelle des inoffiziellen Vereins Ende der Sechziger Jahre – und mit dem letzten Treffen in diesem Jahr endete es nun.



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