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Vor Gericht: Prozess gegen mutmaßlichen Kinderschänder geplatzt / Kammer braucht Gutachten

Angeklagter ein Fall für die Psychiatrie?

Bückeburg (ly). Am ersten Tag geplatzt ist vor dem Landgericht der Prozess gegen einen mutmaßlichen Kinderschänder aus Bückeburg. Zunächst soll jetzt ein Gutachten über den Geisteszustand des 59-Jährigen eingeholt werden. Danach kann die ausgesetzte Hauptverhandlung vor der 1. Großen Jugendkammer noch einmal von vorn beginnen.

Vorgeworfen wird dem Angeklagten, sich wiederholt an seiner anfangs siebenjährigen Tochter, die bei der Mutter lebt, sowie einmal an einer etwa gleichaltrigen Freundin des Kindes vergangen zu haben. Es geht um vier Fälle von sexuellem Missbrauch, in einem Fall schwer. Zum Auftakt des Prozesses legte der Bückeburger zwar ein umfangreiches Geständnis ab, erweckte jedochgleichzeitig den Eindruck, dass er das Unrecht der Taten möglicherweise nicht erkennen konnte, wie Juristen so etwas formulieren. Unter anderem vermochte der Rentner seine Motivation kaum zu erklären. "Vielleicht aus Blödsinn", sagte er. Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein beantragte daraufhin ein psychiatrisches Gutachten; das Gericht unter dem Vorsitz von Dr. Birgit Brüninghaus stimmte zu. Falls der Sachverständige den Angeklagten für unzurechnungsfähig erklärt und in ihm außerdem eine Gefahr für die Allgemeinheit sieht, stünde die Unterbringung in der geschlossenen Abteilung eines Landeskrankenhauses im Raum. Dann käme es wohl zu einem Sicherungsverfahren, das von vornherein dieses Ziel verfolgt. Schuldig gesprochen und bestraft werden könnte der Bückeburger nicht. Dass Alkoholmissbrauch bei dem 59-Jährigen zu einer Veränderung der Persönlichkeit geführt haben könnte, gilt offenbar nicht als ausgeschlossen. Noch zeigen muss sich, ob der Angeklagte ein Wiederholungstäter ist. Er selbst hatte angegeben, im Ausland bereits wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden zu sein. Nach einem weiteren Antrag der Staatsanwaltschaft soll dieser Behauptung jetzt nachgegangen werden. Das Opfer könnte eine andere Tochter des Rentners gewesen sein, die nun vor dem Landgericht als Zeugin aussagen soll. Hinter dem Antrag Rabe von Kühleweins steht "die Sorge, dass sich eine pädophile Neigung verfestigt hat". Dass die vier Bückeburger Taten aus den Jahren 2006 und 2007 rasch aufgeklärt werden konnten, ist aufmerksamen Eltern und Polizisten zu verdanken. In einem Fall hatte die Tochter des Angeklagten mit einer Freundin in der Wohnung des Mannes übernachtet. Am nächsten Morgen klagte die Freundin über Bauchschmerzen, worauf deren Mutter sofort zur Polizei ging. Die Beamten wurden misstrauisch und hakten auch im Fall der Tochter des 59-Jährigen nach. Wann der Prozess neu beginnt, steht noch nicht fest. Möglicherweise wird es dieses Jahr nichts mehr damit.




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