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Kellermeier (65) ermöglicht Verjüngung / Erregte Debatte über SPD-Kurs: "Seeheimer zum Kotzen"

Andreas Riehl (26) führt SPD-Ortsverein

Stadthagen (ssr). Der Stadthäger SPD-Ortsverein hat an seiner Spitze eine drastische Verjüngung vorgenommen. Der 26-jährige Andreas Riehl übernahm den Vorsitz vom 65-jährigen Dieter Kellermeier, der in der Jahresversammlung nach sechs Jahren nicht erneut antrat. Bei dem dreistündigen Treffen gab es eine teils erregte Debatte über den grundlegenden Kurs der SPD und deren Erscheinungsbild auf Bundesebene.

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Kellermeier betonte vor den 40 anwesenden Mitgliedern im Stadtgartencafé, er wolle sein Amt bewusst für einen Jüngeren freimachen. Der scheidende Vorsitzende habe "in authentischer Weise die Stadthäger SPD geradezu verkörpert", würdigte Stadtverbandschef Karsten Becker Er sei "das ökologische und soziale Gewissen der Partei vor Ort" gewesen, fügte Bürgermeister Bernd Hellmann (SPD) hinzu, der einräumte, manches Mal andere Meinungen vertreten zu haben als Kellermeier. In seinem letzten Rechenschaftsbericht schrieb Kellermeier seinem Ortsverein einige aktuelle Stichworte ins Stammbuch: Bei den Plänen für die "Zehntscheune" dürfe "die Festhalle nicht vergessen werden". Für die Bau- und Gewerbegebiete gehöre "mehr Werbung gemacht" und der Hochwasserschutz beschleunigt. Riehl wurde einstimmig zum Nachfolger gewählt. Er nannte als vorrangiges Ziel, eventuelle Meinungsverschiedenheiten strikt intern auszutragen, zusammenzuführen und dann "nach außen auf dem Marktplatz sehr geschlossen aufzutreten" (siehe auch unten stehendes Interview). In den Vorstand gewählt wurde auch der 18-jährige Jan-Philipp Beck. In einer längeren Grundsatzdebatte wurde starker Unmut über die Zerrissenheit der SPD-Spitze auf Bundes- und Landesebene laut. Gleichzeitig gab es kontroverse Meinungen über den Kurs der Partei. Im Wahllokal Hüttenstraße habe die SPD vor Jahren bis zu 70 Prozent der Stimmen erreicht, sagte Siegfried Karge. Bei der jüngsten Landtagswahl habe dort bei einer Wahlbeteiligung von nur 36 Prozent aber die CDU gewonnen, auch die Linkspartei habe gut Stimmen eingeheimst. "Wenn wir uns hauptsächlich um Bürger mit Einkommen zwischen 100 000 und 300 000 Euro kümmern, verlassen uns die kleinen Leute, deren Partei wir doch sind", kritisierte Karge den Agenda 2010-Flügel der Partei. Dass die SPD "eine schlechte Sozialpolitik" gemacht habe und die einkommensschwächeren Schichten jetzt zu wenig am Aufschwung beteilige, wurde mehrfach geäußert. "Zum Kotzen" sei der "so genannte Reform-Kurs des Seeheimer Kreises" (des rechten Flügels der SPD-Bundestagsfraktion), war in einem Zwischenruf zu vernehmen. Becker verteidigte die Agenda-Politik, die nach seinen Worten massenhaft neue Arbeitsplätze gebracht hat. Zwar sei richtig, dass im jetzigen Aufschwung der soziale Akzent verstärkt werden müsse, was in der Großen Koalition schwerfalle, aber: "Wenn wir machen würden, was die Linken propagieren, dann werden wir nicht mehrheitsfähig", so Becker. Die Linkspartei, die "gnadenlosen Populismus" betreibe, sei "auch ein Sammelbecken derer die NPD gewählt haben", rief Becker.



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