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"Tag der Gnade" gefällt im Rathaussaal

Am Puls der Zeit

Bückeburg. Die Welt war nach dem New Yorker Attentat am 11. September 2001 im Umbruch - ein Ensemble vom "Deutschen Theater Göttingen" am Puls der Zeit, als es für den Kulturverein Neil Labutes Zwei-Personen-Stück "Tag der Gnade" im Rathaussaal gezeigt hat.

Autor:

Dietlind Beinßen

Das Melodram spielt am 12. September in einem New Yorker Apartment, in dem sich das Liebespaar Ben Harcourt und dessen Vorgesetzte Abby Prescott treffen. Durch Zufall haben der 30-jährige Familienvater und dessen genau kalkulierende, ledige Partnerin die Katastrophe überlebt, gelten jedoch als vermisst. Beide könnten unter anderem Namen eine gemeinsame Zukunft beginnen. Aber der "Tag der Gnade" bricht für das Duo nicht an, denn genauso romantisch schmeichelnd, wie kühl zwischen Beruf, Altersrente und Freiheit abwägend, dringt Abby darauf, dass Ben sich offiziell für sie entscheidet und seine Frau darüber sofort telefonisch informiert. Ben hingegen bevorzugt eine heimliche Liaison, um auf keinen Fall die beiden kleinen Töchter zu verlieren. So geht die Beziehungletztlich in die Brüche. Das Ganze ist eine fein konstruierte, vielschichtige Angelegenheit, ein Kunstwerk in der Verflechtung verschiedener Gefühlsstränge, das Nähe und Intimität verlangt. Deshalb wäre der Theaterabend eindringlicher sowie akustisch verständlicher in einem kleineren Raum "rübergekommen". Allerdings wurde in Mark Zurmühles dichter Inszenierung das Verhältnis von Ben und Abby auch im großen Saal zur packenden Parabel überanstrengter Beziehungen. Wie Renate Winkler und Andreas Kumpf ihre Parts in der nur mit einem Stuhl bestückten Guckkastenbühne 90 Minuten auskosteten, war sehenswert. Beide gefielen durch bewegendes Kammerspiel. Kein Wunder, Regisseur Mark Zurmühle ließ seinen Protagonisten viel Raum, schnürte sie nicht in das Korsett starker Vorgaben, sondern arbeitete mit Sorgfalt am Detail. Zum Finale gab es anhaltenden Applaus.



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