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Jürgen Pleitner organisiert das letzte Fest - und blickt zurück

Altstadtfest: "Der Besucher weiß, was ihn hier erwartet"

Rinteln (wm). Heute Abend um 19 Uhr beginnt das 31. Altstadtfest, das sich aus einer Veranstaltung des Verschönerungsvereins entwickelt hat. 21 Altstadtfeste hat Marktmeister Jürgen Pleitner organisiert - dieses wird sein letztes sein, er will in den Ruhestand gehen. Ein Nachfolger steht bereit: Daniel Jakschik, der bei 12 Altstadtfeten mit dabei war, und - wie Pleitner scherzt - "alle Fehler schon gesehen hat, die man machen kann". In einem kurzen Gespräch auf dem Kirchplatz, während er nebenbei Schausteller einweist, blickt Pleitner zurück.

Was macht eigentlich die Faszination des Rintelner Altstadtfestes aus, das sogar Gäste aus Hannover und Düsseldorf anlockt? Die Kontinuität. Bei uns weiß der Besucher, was ihn erwartet, wir bedienen ein Musikspektrum, das es so konsequent auf anderen Festen längst nicht mehr gibt: Oldies, Folklore, Hits von Hans Albers über Tina Tuner bis hin zu den aktuellen Top-Ten. Wir bedienen Freitag den Geschmack der N-Joy-, Samstag den der NDR 2- und Sonntag den der NDR-1-Hörer. Ist das ein Konzept, das sich im Laufe der Jahre entwickelt hat? So kann man es sagen und es funktioniert. Die Leute stimmen mit den Füßen ab. Denken Sie an Tomcat, die sind seit 20 Jahren im Geschäft und jedes Mal ist der Platz voll. Die Profimusiker von Vital aus Erfurt sind seit der Wende dabei. Die Mehrheit sind die Generation 40 plus, die kommen nicht mit dem Herforder-Bier-Träger im Rucksack zum Altstadtfest, das ist jaauch so gewollt. Und am Sonntag sind alle da, das Enkelkind und die Großmutter. Rufen denn Leute bei Ihnen an, kriegen Sie ein Feedback, wie man neudeutsch sagt? Aber sicher, deshalb sind diesmal die Keltics dabei. Die Leute waren beim Irish-Folk- Festival in Möllenbeck so begeistert, die wollten sie wiederhören beim Altstadtfest. Wir erfüllen die Erwartungen der Menschen, die kommen. Und die ganz junge Generation? Wird selbstverständlich auch bedient, aber dominiert eben nicht das Fest. Denken Sie an Scream jetzt auf der Sparkassen-Bühne, die Hit-Radio-Show oder Re-Play auf der Hannöversch-Bühne. Ihre größten Pannen? Wir hatten mal eine Band verpflichtet, die ist nicht gekommen. Es war ein Riesenproblem kurzfristig Ersatz zu finden und der Notnagel war grottenschlecht - zum Glück hat es kaum jemand bemerkt. Heute ist das kein Thema mehr, wir haben so viele Kontakte. Dann war da vor rund zehn Jahren Harry Welling auf der Marktplatzbühne und spielte um Mitternacht immer noch, es wurde ein Uhr morgens, halb zwei. Die Leute standen bis zu den Schaufenstern, da konnte niemand durchgehen, das war eine Bombenstimmung. Ich habe immer wieder das Signal gegeben, hört doch auf. Ich hatte eine Stunde die Wahl, den Stecker rauszuziehen oder das Konzert sanft auslaufen zu lassen. Gut, dass ich mich für die letzte Möglichkeit entschieden habe. Die Besucher waren dankbar undwerden dieses Konzert wohl auch nie vergessen. Anfangs gab es zwei Bühnen, später sogar vier... Jetzt drei Bühnen, weil wir einen Rundlauf um Marktplatz und Kirchplatz wollten. Die vierte Bühne am Glasbläserbrunnen, das hat nicht funktioniert und wurde zu teuer, deshalb gibt es sie nicht mehr. Im Laufe der Jahre ist so eine Art dritte Messe aus dem Altstadtfest geworden, war das Absicht oder hat es sich einfach so entwickelt? Das ist eine Frage der Re-Finanzierung. Das Altstadtfest kostet etwasüber 30 000 Euro, davon muss der Steuerzahler keinen Euro bezahlen. Wir sind stolz darauf, dass sich das Fest selbst trägt. Das geht dank der Sponsoren und durch die Standgelder. Ein Getränkestand kostet 600 Euro, ein Imbissstand 515 Euro. Und die Schausteller und Bands kommen? Aber ja doch, das Altstadtfest in Rinteln hat einen Namen in der Szene. Die Skydogs hätten auch in Rostock jetzt spielen können, sind aber nach Rinteln gekommen. Das bedeutet natürlich auch, sie müssen schon im Januar die Weichen stellen. Und vergessen Sie nicht, in vielen Städten ist der Sonntag als Veranstaltungstag längst gestrichen. In Rinteln läuft er gegen den Trend noch ganz gut. Was hat sich denn im Laufe der Jahre geändert? Positiv ist, dass die Fußgängerzone sozusagen das I-Tüpfelchen für das Fest ist. Das Volumen hat sich in den 20 Jahren praktisch verzehnfacht. Schwieriger ist es für Schausteller geworden, die Luft ist heute dünner, es gibt einen härteren Konkurrenzkampf.




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