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Michael Patrick Kelly rockt das ausverkaufte Aegi

Alte Ketten gelöst

Hannover. Die langen Haare sind ab, den Hippie-Look hat Michael Patrick Kelly abgelegt und auch die Kreisch-Attacken der Teenies zerreißen einem nicht mehr die Trommelfelle. Doch nicht alles hat der einstige Kelly-Family-Frontmann aus seiner früheren Zeit ad acta gelegt: Nach wie vor begeistert seine glasklare Stimme, und sein grandioses Songmaterial ist allererste Sahne. Auch die mehr als 1100 Konzertbesucher feierten den 37-Jährigen vorgestern euphorisch im restlos ausverkauften Theater am Aegi.

Lange war es ruhig um den Teenieschwarm, der liebevoll „Paddy“ von seinen Fans genannt wurde. Mit der Kelly Family verkaufte er mehr als 20 Millionen Platten, avancierte zum Superstar und erlebte zusammen mit der Großfamilie alle Höhe und Tiefen des Musikbusiness. Nach seinem Solo-Debüt „In Exile“ (2003) zog er sich komplett aus der Öffentlichkeit zurück und lebte in einem katholischen Kloster im französischen Burgund. Im November 2010 verließ er aus gesundheitlichen Gründen die Ordensgemeinschaft und widmete sich wieder vermehrt der Musik. Am 15. Mai dieses Jahres veröffentlichte der gebürtige Ire seinen neuen Longplayer „Human“, der von 0 auf 3 in die deutschen Charts einstieg.

Ähnlich wie bei früheren Kelly-Family-Konzerten gelingt es dem Multiins-trumentalisten von Beginn an, sein Publikum zu faszinieren. Das ist nicht schwer für den ehemaligen Klosterbruder, denn der Frauenanteil liegt an diesem Abend knapp unter der 100-Prozent-Grenze. Die deutliche Aufforderung eines weiblichen Fans, sich doch von einigen Kleidungsstücken zu trennen, ignoriert der passionierte Maler mit einem verschmitzten Grinsen. Die Songs des aktuellen Longplayers „Human“ ziehen sich wie ein roter Faden durch die Show. Dass er auch die Klassiker der Kelly Family auf seiner Setlist hat, versteht sich von selbst, denn die meisten stammen ja aus seiner Feder.

„Bitte schnippt mit den Fingern, wir spielen jetzt einen Titel, den ihr sicher kennt“, animiert Kelly die Fans und stimmt „I Fell In Love With An Alien“ an. Michael Patrick erzählt in seinen Liedern von den verschiedenen Facetten der Menschlichkeit – von „Little Giants“, den kleinen Helden des Alltags, bis hin zu „Renegade“, der dunklen Seite eines Rastlosen.

Das Licht geht aus und der Echo-Preisträger zeigt einmal mehr seine menschliche Seite: Fast verstohlen kramt er den Text von „Jokerman“ hervor. Der Song von Bob Dylan gehört zu den erklärten Lieblingssongs des Iren. „Ich bin leider noch immer sehr vergesslich, daher muss ich den Text vom Blatt ablesen“, grinst er.

Dennoch stehen im Zentrum die Nummern seiner neuen CD, wie „Beautiful Soul“, „Little Giants“, „Flag“ oder „Happiness“. Den Titel „Crises“ widmet er den Menschen, die zurzeit eine schwere Zeit durchmachen. Mit „Brother, Brother“, seiner ersten Solo-Single, unterstreicht er die tiefe Verbundenheit zu seinen Geschwistern und bereits verstorbenen Eltern. Beim Gute-Laune-Song „Ares Qui“ steht das Aegi Kopf – es wird mitgesungen und mitgetanzt. Kelly hängt sich die Bassgitarre um, spielt Schlagzeug und bearbeitet die Congas.

Fast 150 Minuten begeistert der wiederauferstandene Musiker das Publikum, singt über Liebe („Safe Hands“) und dem Suchen und Finden neuer Wege („Shake away“). Keine aufwendige Bühnenshow, kein Glitter, kein Tamtam – dafür gute Musik. Die hat er eigentlich schon immer gemacht. Doch jetzt ist er Alleinunterhalter, performt mit einer tollen Band, aber ohne weitere Familienmitglieder. Er hat alles richtig gemacht – der erwachsen gewordene „Angel“.

„Paddy“ bei „Beautiful Soul“.

„Ich verbinde viel mit Hannover. Gern erinnere ich mich an den Auftritt im früheren Niedersachsenstadion“, freut sich Michael Patrick Kelly und erntet für die Hannover-Liebkosung tosenden Applaus.

Text und Konzertfotos: Lars Andersen




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