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„Auf den Spuren der Skulpturen“: Kurt Lehmanns „Kind mit Zeitung“ im Bürgergarten

Als Vorbild diente die Tochter des Künstlers

Hameln. Sie stehen im Bürgergarten, an der Weser, in der Fußgängerzone: Skulpturen gibt es in Hameln nahezu überall. Woher kommen sie? Weshalb zieren sie den jeweiligen Standort? Und wie lange schon? Julia Marre hat sich umgesehen. Die Ergebnisse dieser Spurensuche stellen wir in loser Folge vor. Heute: „Kind mit Zeitung“ von Kurt Lehmann.

Hameln. Sie stehen im Bürgergarten, an der Weser, in der Fußgängerzone: Skulpturen gibt es in Hameln nahezu überall. Woher kommen sie? Weshalb zieren sie den jeweiligen Standort? Und wie lange schon? Julia Marre hat sich umgesehen. Die Ergebnisse dieser Spurensuche stellen wir in loser Folge vor. Heute: „Kind mit Zeitung“ von Kurt Lehmann.

Sein Name steht in einer Reihe mit Kurt Schwitters, Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger, Otto Dix, Joan Miró oder Georges Braque. Neben all ihnen nämlich stellte Kurt Lehmann 1955 bei der „documenta 1“ in Kassel aus. Es war die erste große Ausstellung moderner Kunst im Deutschland der Nachkriegszeit. Den Weg ins Fridericianum fanden damals 130 000 Besucher – wohl auch, weil nur wenige Hundert Meter weiter zur selben Zeit die Bundesgartenschau stattfand.

Lehmann war zu dem Zeitpunkt 50 Jahre alt. In Hannover hatte er seit einem Jahr den Lehrstuhl für Modellieren in der Architektur-Abteilung der Technischen Hochschule inne. Als renommiert und sympathisch galt der vielfach ausgezeichnete Bildhauer, der 2000 im Alter von 94 Jahren in Hannover starb. Nach dem Studium an der Kasseler Akademie hatte Lehmann sich in der Villa Massimo in Rom aufgehalten, später lebte er in Berlin, im Breisgau und auch im Ausland.

Im Hamelner Bürgergarten wurde sein „Kind mit Zeitung“ im Jahr 1983 aufgestellt. Die Skulptur aus Bronze hat übrigens auch eine Zwillingsschwester: In der Calenberger Neustadt in Hannover ist sie auf einem Spielplatz im Rosmarinhof zu sehen und heißt „Mädchen im Regen“.

Wie die Skulptur entstanden ist? Das weiß Heide Friedrich aus Osterwald. Im Jahr 1999 besuchte sie Professor Lehmann. Dabei berichtete er von der Idee für diese Skulptur. Als er in seinem Atelier in Hannover arbeitete, sei seine Tochter während eines Regenschauers zu ihm gelaufen. Als Schutz vor dem Regen soll sie sich eine Zeitung über ihren Kopf gehalten haben. „Dieses Bild war, wie er mir sagte, sofort als Plastik vor seinen Augen“, erzählt Heide Friedrich, die während ihres Besuchs ein weiteres Exemplar dieser Plastik auf dem Balkon des Bildhauers entdeckte.

Wer aufmerksam durch Hannover spaziert, wird heute noch viele von Lehmanns Werken wiedererkennen. So hat er beispielsweise 1950 die Türgrifffiguren am Opernhaus gestaltet. 1964 schuf er die „Speerwerfer“ an der heutigen AWD-Arena. Oder etwa den knienden Hirten namens „Demut“ an der Aegidienkirche. Allein rund 40 Werke sind in der Landeshauptstadt zu sehen. Sie stehen unter anderem im Innenhof des Landtags, im Foyer des Schauspielhauses oder am Funkhaus des NDR.

In Staufen im Breisgau, Lehmanns letzter Heimat, kümmert sich die Stiftung Kurt Lehmann um das Werk des Bildhauers.

Informationen im Internet: www.kurt-lehmann.org.




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