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Als Springe noch ein Kino hatte

SPRINGE. Es war eine glückliche Kindheit, die Bettina Bartke, heute Pastorin, in den 1970er Jahren in Springe verlebt hat: Abenteuer, Kino, Freibad, Gummitwist und Graubrot, in Springe gab es damals alles, um glückliche Stunden, Wochen, Jahre, zu verbringen.

Hat positive Erinnerungen an ihre Kindheit in Springe: Pastorin Bettina Bartke (57). FOTO: MISCHER
Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Eine besondere Erinnerung verbindet Bartke mit dem Friedhof an der Völksener Straße. Denn über den führte ihr Schulweg, den sie immer mit einer Gruppe Mitschüler ging. „Wir betraten ihn vom Handanger aus, unser Weg war immer ritualisiert“, erinnert sich die heute 57-Jährige. „Zuerst begrüßten wir eine inzwischen entfernte Engelsskulptur und bedachten sie mit Gänseblümchen, bevor wir dann das Lamm auf dem Grab eines Kindes mit Gras fütterten.“ Auch das Lamm ist inzwischen weg – und auf dem dem Grabstein, er erinnert an ein im Jahr 1838 verstorbenes Kind, ist heute ein kleiner Marmorengel.

Aber neben dem Lamm gab es auch sonst eine ganze Menge auf dem Friedhof zu entdecken: „Der Komposthaufen des Friedhofs barg so manche Schätze in sich.“ Einmal haben die Schüler alte Terrakotta-Blumentöpfe aus dem Kompost herausgeklaubt – und die dann vor einem Haus zertrümmert, in dem Polterabend gefeiert wurde. „Zu unserer Enttäuschung konnte sich das Brautpaar nicht darüber freuen, und die erhoffte Belohnung, etwas Süßes, blieb aus“, sagt Bartke und lacht.

Dann war da das Freibad, auch so ein Ort, in dem man damals Abenteuer erlebt hat. Bartke erinnert sich an Bademeister Will, der ihr das erste Cornetto ihres Lebens verkauft hat. Erdbeergeschmack, damals gab es das Eis für eine Mark. „Trotz blauer Lippen schmeckte dieses Eis so gut, wie sonst nur die Scheibe Mortadella, die uns der Fleischer beim Einkauf der Mutter über die Theke reichte.“

Während der Sommerferien waren die Kinder Dauergast im Freibad, „der Eintritt kostete damals 20 Pfennige, aber wir besaßen fast immer eine Familienjahreskarte“. Mit den Standards, was das Wasser angeht, war es damals aber wohl eher noch nicht ganz so eng genommen worden. Bartke: „Besonders geeignet war das zum Fangenspielen. Denn das Wasser wurde nur einmal im Jahr eingelassen und war dunkelgrün“: Man konnte wegtauchen, ohne gesehen zu werden.

Wenn das Freibad abends schloss, war für Bartke häufig Kino angesagt. In Springe. „Der erste Film im damaligen Kino Friese hieß „Susi und Strolch und beim Kauen der Katjes Lakritz verlor ich meine erste Zahnplombe aus Amalgam“, sagt Bartke. „Die Zebrafinken, die der Zahnarzt in seinem Wartezimmer in einem Käfig hielt, erinnern mich noch heute an das damalige Bohren, zu es selbstverständlich keine Spritze gab“.

Wenn das Wetter schlecht war und das Kino zu, waren Bartke und ihre Freunde meist in der Bücherei im Gebäude der Roten Schule, um neuen „Lesestoff“ zu holen, wie sie selbst sagt. „Die Stempel, die sich in unserem Leseausweis ansammelten, erfüllten uns mit Stolz und ließen uns mit anderen Kindern konkurrieren.“

Als Bartke älter wurde, war auch mal shoppen angesagt – nur hieß das damals noch anders, Einkaufsbummel, oder mal ein Treffen mit den Freundinnen. „Wir strickten die ersten Pullover für unseren Schwarm, machten Schaufensterbummel durch die Lange Straße und begutachteten die Auslagen in der Buchhandlung Bammler, beim Süßen Kaufhaus oder auch die Drogerieartikel beim Seifenpuls.“ Damals, sagt Bartke, habe man in Springe noch alles kaufen können. Wirklich alles.

„Es war eine insgesamt glückliche Kindheit und Jugend in einer Stadt, die mir durch Aktivitäten der Kirchengemeinde, des Schwimmvereins und des privaten Musikunterrichts sowie durch die S-Bahn-Anbindung nach Hannover viele Möglichkeiten zur sozialen Vernetzung und individuellen Entwicklung geboten hat“, resümiert Bartke, die heute Pfarrerin der St.-Petrus-Gemeinde ist.

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