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Land soll Verkauf von Flächen in Ahnsen rückgängig machen

Als "Schnäppchen" im Netz: Tauziehen um Grundstücke

Ahnsen/Hannover (tw). Muss die "Zweitehandhaus GmbH", die seit dem Frühjahr zwei in der Gemarkung Ahnsen gelegene Grundstücke - darunter Eisenbahntunnel, Kohlebergwerk und Bunker - zum vermeintlichen "Schnäppchen"-Preis im Internet anbietet, die Flächen dem Land Niedersachsen zurückgeben? Soll die Gemeinde zumindest eines der Grundstücke selbst erwerben? Geht's nach Ahnsens Bürgermeister Heinz Grabbe (SPD), lautet die Antwort in beiden Fällen Ja. Denn für den Ort steht viel auf dem Spiel, wenn die GmbH mit Sitz in Schopsdorf (Sachsen-Anhalt) die Grundstücke weiter verkauft.

Steht für 24 900 Euro im Internet zum Verkauf: der Tunnel des Ei

"Ich hatte Anfang der Woche ein Gespräch mit Samtgemeindebürgermeister Bernd Schönemann", berichtet MdL Dr. Joachim Runkel auf Anfrage der Landes-Zeitung. Dabei sei vereinbart worden, dass der Christdemokrat das Problem des Grundstücks-Schachers im Niedersächsischen Finanzministerium zur Sprache bringt. "Auch dieses Gespräch habe ich inzwischen geführt", sagt Runkel. Das Ministerium sei sich der Problematik bewusst. "Man will mit ,Zweitehandhaus' Kontakt aufnehmen und eine gütliche Einigung suchen", sagt der MdL. Das jedoch könne noch dauern. Hintergrund: Das Landesstraßenbauamt hatte die zwischen der L 451 und der Aue gelegenen zwei Grundstücke, welche "Zweitehandhaus" jetzt im Internet unter den Hammer bringen will, Ende der 70er Jahre von Ahnsen gekauft. Absicht des Amts war es, besagte L 451 eines Tages zu verlegen. Dazu ist es bekanntlich nicht gekommen. Nachdem Jahrzehnte vergangen und - im Wortsinn - Grasüber die Sache gewachsen war, hatte das Land, wie fast immer in Finanznot, die Gesamtfläche kürzlich über die Norddeutsche Grundstücks-Auktions AG mit Sitz in Rostock zur Versteigerung angeboten. Die Zweitehandhaus GmbH erhielt für einen geringen vierstelligen Betrag den Zuschlag. Versucht seitdem das 8500 Quadratmeter große Grundstück um den Tunnel des Eilser Minchens für 24 900 Euro, den 1771 Quadratmeter großen Landschaftszipfel um die Wilhelmshöhe für 19 900 Euro weiter zu veräußern. Doch das Land hatte die Rechnung ohne den Ahnser Bürgermeister gemacht. Das Baugesetzbuch räumt nämlich den Kommunen bei Grundstücksgeschäften ein Vorkaufsrecht ein. Darauf sollte Ahnsen per Unterschrift verzichten. Das tat die Gemeinde aber nicht, denn: "Auf dem Gelände stehen eine Gasdruck-Regelstation der Stadtwerke, ein Teil der Haltebucht und ein Krötentunnel", weiß Grabbe. Die GmbH sei zwar augenblicklich Besitzer, nicht aber Eigentümer der Flächen. Ein feiner, aber entscheidender Unterschied. Wunsch-Szenario des Ahnser Bürgermeisters, falls Niedersachsen die Verträge mit "Zweitehandhaus" löst: "Den größten Gelände-Brocken, also den Bereich des Tunnels, soll das Land selbst in Besitz nehmen und behalten." Denn Ahnsen, denkt der Bürgermeister "laut", könne kein Interesse daran haben, die Bausicherung für das Objekt zu übernehmen und dessen Zustand alle zwei Jahre kontrollieren zu lassen - "das müssen wir uns nicht aufbürden." Anders sehe es mit dem Gelände um die Wilhelmshöhe und die Gasdruck-Regelstation aus. "Dieses - kleinere - Areal", meint Grabbe, "könnte die Gemeinde kaufen". Natürlich nicht zu dem "absurden" Preis von 19 900 Euro, den die Schopsdorfer derzeit forderten, sondern für jenen geringen vierstelligen Betrag, für den die GmbH die Fläche selbst erworben hatte. Das Thema soll auf der nächsten Zusammenkunft des Rates erörtert werden.

Heinz Grabbe
  • Heinz Grabbe
Soll 19 900 Euro bringen: der Landschaftszipfel um die Trümmerre
  • Soll 19 900 Euro bringen: der Landschaftszipfel um die Trümmerreste der Wilhelmshöhe.
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