×
Die St.-Aegidien-Kirche hat Tradition

Als Fischbecker in Holtensen beigesetzt wurden

Holtensen (roh). Bereits Ende des 11. Jahrhunderts hat es in Holtensen eine sehr aktive christliche Gemeinde gegeben, weiß Elke Struck. Die Studienrätin und Historikerin hat sich intensiv mit der Geschichte der Holtenser Kirche beschäftigt und dabei interessante Begebenheiten zutage gefördert. „Während die Reformation im Jahre 1540 Holtensen erreichte, brauchte sie bis Fischbeck 19 Jahre länger“, erzählt sie.

Autor:

Matthias Rohde

Holtensen (roh). Bereits Ende des 11. Jahrhunderts hat es in Holtensen eine sehr aktive christliche Gemeinde gegeben, weiß Elke Struck. Die Studienrätin und Historikerin hat sich intensiv mit der Geschichte der Holtenser Kirche beschäftigt und dabei interessante Begebenheiten zutage gefördert. „Während die Reformation im Jahre 1540 Holtensen erreichte, brauchte sie bis Fischbeck 19 Jahre länger“, erzählt sie. So kam es, dass während dieser Übergangszeit die verstorbenen Protestanten aus Fischbeck und den Dörfern des Wesertals in Holtensen beigesetzt wurden, führt Struck aus und fügt an: „Noch heute ist ein Weg oberhalb der Kirche sowohl bei der Dorfbevölkerung als auch im Katasteramt als ‚Totenweg‘ bekannt.“

Wann die Kirche erbaut wurde ist nicht genau überliefert, wohl aber, dass das komplette Kirchenschiff 1908 neu errichtet wurde. Im vorigen Jahr wurde, das 100-jährige Jubiläum des Wiederaufbaus mit zahlreichen Gästen gefeiert, unter anderem mit Landesbischöfin Margot Käßmann. Pastorin Konstanze Lange erzählt aus der Geschichte des Gotteshauses: „Den Altar und die Kanzel hat die Äbtissin von Fischbeck gestiftet, und von der Kaiserin Auguste Viktoria haben wir eine heilige Bibel bekommen.“ Der Altar allerdings macht den Verantwortlichen Sorgen: Das in der Mitte befindliche Bild der Himmelfahrt von Jesus ist stark beschädigt und muss restauriert werden. Lange bemerkt, dass eine so aufwendige Erneuerung ohne Spenden kaum zu realisieren ist und hofft auf entsprechende Unterstützung. Das Innere der Kirche ist nach den Renovierungsarbeiten in den 1960er und 70er Jahren schadlos. Rankenartigen Zeichnungen an Decke und Wänden sowie die an vielen Stellen zu findende grüne Farbe verleiht dem Raum eine harmonische Atmosphäre. Pastorin Lange verweist darauf, dass die Holtenser Kirche in Kreisen von Kirchenkunstsachverständigen wegen ihrer einheitlichen Gestaltung gelobt wird.

Historikerin Struck hat bei ihren Recherchen einige Geschichten über die Pastoren der Gemeinde ausgegraben. Einer sei während des Dreißigjährigen Krieges von Tillys Soldaten nackt durchs Dorf getrieben worden. Ein anderer Pastor habe sich durch seine Güte einen Namen gemacht. Lange berichtet: „Er hatte ein Herz für Mütter unehelicher Kinder.“ Wurden diese Frauen vor seiner Amtszeit noch sonntags im Chorraum, gekleidet in einem weißen Büßerlaken, der Gemeinde präsentiert, so machte der Pastor Schluss mit dieser Sitte. Zudem habe er auch nichts gegen eine zünftige Wette gehabt, so die Pastorin weiter. „Einmal verlor er beim Kartenspielen. Sein Wetteinsatz war, in der nächsten Predigt dreimal das Wort ‚Trumpf‘ zu erwähnen.“ Seine nächste Predigt hätte demzufolge das Thema ‚Kartenspielen‘ gehabt, sagt Lange und zitiert den Pastor mit den Worten: „Da wird die Karte auf den Tisch gehauen und sie rufen Trumpf und nochmal Trumpf und zum dritten Mal Trumpf!“ Heute ist die Gemeindearbeit geprägt von musikalischen Akzenten, die durch die Konfirmanden in nahezu jedem Gottesdienst gesetzt werden. Zudem werden auch Kinder mit schwerster geistiger Behinderung in den Konfirmandenunterricht einbezogen. Der Holtenser Gottesdienst mit Medizinern ist in der gesamten Landeskirche vor dem Hintergrund gesundheitsethischer Fragen ein Unikum. Nach dem Motto „Wie viel Gesundheit braucht der Mensch?“ berichten Hamelner Mediziner aus ihrem Alltag und diskutieren miteinander in einem laut Lange ganz normalen Gottesdienst.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt