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Als die Welt dann doch nicht unterging

Das Ende der Welt ist nah – darin sind sich Weltuntergangspropheten einig. Es fragt sich nur: wie nah? Wann ist denn nun wirklich der allerletzte aller Tage gekommen? Da gehen die Meinungen dann doch ein bisschen auseinander. Die Jahrtausendwende wäre ja ein schöner Termin gewesen, aber seitdem ist einige Zeit ins Land gegangen und die Erde dreht sich heute immer noch. Das war also nichts mit dem Weltuntergang. Nun stürzt sich die Gemeinde der Endzeitorakler zusammen mit Roland Emmerich auf den 21. Dezember 2012, sieht Hollywood doch das Ende des Maya-Kalenders kommen und mit ihm auch das der ganzen Welt.

Autor:

Christian Satorius

Das Ende der Welt ist nah – darin sind sich Weltuntergangspropheten einig. Es fragt sich nur: wie nah? Wann ist denn nun wirklich der allerletzte aller Tage gekommen? Da gehen die Meinungen dann doch ein bisschen auseinander. Die Jahrtausendwende wäre ja ein schöner Termin gewesen, aber seitdem ist einige Zeit ins Land gegangen und die Erde dreht sich heute immer noch. Das war also nichts mit dem Weltuntergang. Nun stürzt sich die Gemeinde der Endzeitorakler zusammen mit Roland Emmerich auf den 21. Dezember 2012, sieht Hollywood doch das Ende des Maya-Kalenders kommen und mit ihm auch das der ganzen Welt. Nun ist das aber so eine Sache mit dem amerikanischen Kino und den historischen Fakten, das ist jedem klar. Was viele aber dennoch gerne wissen würden: Ist das denn nun das Ende aller Tage?

Und vor allem: kommt danach vielleicht doch noch etwas? Na ja, sehr wahrscheinlich ganz einfach ein ganz normaler neuer Tag – warum auch nicht? Bisher war es schließlich immer so, dass Propheten die wildesten Weltuntergangszenarien anmahnten, die dann aber am Tag X doch noch ein bisschen verschoben werden mussten, weil die Erde sich ganz einfach weiterdrehte, ohne auf die Schwarzmalerei zu hören.

Dabei hat die Angst vor dem nahenden Weltuntergang eine lange Tradition. Anfangs war das auch noch eine durchaus ernste Sache: Selbst Papst Silvester II. rutschte das Herz in die Hose, als sich der 31. Dezember 999 näherte. Verständlich, so einen Jahrtausendwechsel erlebt man ja auch nicht alle Tage. Wer konnte schon wissen, ob da noch etwas kommt und wenn ja, was denn wohl? Im Jahr 2000 sah man dem Zeitenwechsel dann schon um einiges entspannter zu. Aber auch hier fiel der Weltuntergang wieder mal aus.

Viele Vorhersagen beziehen sich auf die Offenbarung des Johannes, ist dort doch die Rede von einem Tier mit sieben Köpfen und zehn Hörnern, das aus dem Meer steigt und die Heiligen überwindet: Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tiers, denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig. Klar, das sich somit das Jahr 1666 hervorragend für die Apokalypse eignete, eine Ansicht, die etwa Christoph Kolumbus vertrat.

Zahlenmystiker errechneten aus der Johannes-Apokalypse auch noch das Jahr 1998, denn 666 mal drei ist ja nun einmal 1998. Für viele standen die Zeichen des nahenden Untergangs aber auch ganz einfach in den Sternen. Der Sternenforscher Leonhard Reynmann sagte beispielsweise die Sintflut für das Jahr 1524 voraus. Die große Konjunktion einiger Planeten im Sternbild Fische brachte ihn auf die Idee, eigentlich logisch, oder? Auch der Halleysche Komet, der sich etwa alle 76 Jahre der Erde nähert, löste immer wieder handfeste Ängste aus. Besonders verstörend wirkten aber die großen Seuchenzüge der Vergangenheit auf viele unserer Vorfahren, half doch gegen Pest, Lepra, Pocken und Malaria weder der frommste Lebenswandel, ja noch nicht einmal das fleißigste Beten. Pest und Co. machten keinen Unterschied, sie holten wen immer sie wollten, so schien es.

Verständlich, dass viele Zeitgenossen das Ende aller Tage kommen sahen, als etwa die Pestepidemie in der Mitte des 14. Jahrhunderts mit über 20 Millionen Toten jeden dritten Europäer dahinraffte. Dabei ist der Gedanke an den Weltuntergang keineswegs auf den christlichen Kulturkreis beschränkt. Die Apokalyptik ist ebenso im Judentum verwurzelt wie auch in vielen anderen Religionen, ja selbst die Germanen haben mit ihrem Ragnarök eine ganz eigene Götterdämmerung.

Während sich die christlichen Heerscharen mit den Kräften des Bösen an einem Ort namens Armageddon ein letztes Gefecht liefern, so ruft Heimdall mit seinem Horn die germanischen Götter und ihre Verbündeten zur alles entscheidenden Schlacht gegen die Armee der Riesen auf. Dennoch: Mittendrin im Weltuntergang, inmitten des Chaos, der Zerstörung und Verwüstung, gibt es immer wieder ein kleines Fünkchen Hoffnung. Im Christentum etwa entsteht nach dem ganzen Gemetzel nämlich „ein neuer Himmel und eine neue Erde“, und auch das Ragnarök der Germanen kennt Überlebende, unter anderem das Menschenpaar Lif und Lifthrasir. Der Weltuntergang ist also am Ende doch nicht das Ende, irgendwer kommt immer durch. Wenn das kein Happy End ist …

Eine Auswahl von Weltuntergängen, die ausgefallen sind:

999 – am 31. Dezember 999 geht für Papst Sylvester II. die Welt unter.

1000 – in der Offenbarung des Johannes kommt im Jahr 1000 der Satan von seinen Ketten frei. Apokalypse ist angesagt.

1666 – 666, die Zahl des Tieres, plus 1000, das Jahr der Johannes-Apokalypse, gleich 1666.

1978 – Jim Jones, Guru der Volkstempler, treibt im Dschungel Guyanas, aus Angst vor dem Weltuntergang über 900 seiner Anhänger in den Tod.

1993 – David Koresh wehrt sich mit seinen Davidianern auf einer Farm in Waco/ Texas mit Waffengewalt gegen die Polizei, die die Farm stürmt. Viele Davidianer sterben. Für die Davidianer geht die Welt unter.

1997 – die „Unglückszahl 13“ vorwärts und noch einmal rückwärts gelesen (1331) plus die Zahl des Tieres (666) ergibt 1997.

1998 – die Zahl des Tieres der Johannes-Apokalypse 666 mal drei sind 1998.

2012 – am 21. Dezember 2012 endet laut Hollywood der Maya-Kalender. Mit ihm auch alle Zeit?




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