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Glänzender Soloauftritt von Christiane Hess im Kurtheater / Spendenaktion für ökumenisches Besuchsprojekt

Als die Hexen noch zur Ricklinger Teufelskuhle flogen

Bad Eilsen (sig). Eine Frau, die es schafft, die Zuschauer im Kurtheater zwei Stunden in ihren Bann zu ziehen, muss besondere Qualitäten haben. Christiane Hess hat sie. Die 38-Jährige kommt aus Hannover, hat eine internationale Schauspielausbildung hinter sich und leitet seit fünf Jahren das "theater am barg" in der Landeshauptstadt.

Paris und London waren wichtige Stationen ihres beruflichen Werdeganges. Erst nach sechsjährigem Auslandsaufenthalt kam sie nach Deutschland zurück. Bekannt geworden ist sie auch durch ihre Arbeit als Theaterpädagogin am Hamelner Stadttheater. Dort übte sie Stücke mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und sogar mit geistig Behinderten ein. Nach Bad Eilsen kam Hess auf Einladung einer regionalen Gruppierung von "Ladies Circle". Derüberparteilichen und auch konfessionell nicht gebundenen Gemeinschaft gehören Frauen bis zum 45. Lebensjahr an, die sich für soziale Hilfsprojekte im In- und Ausland einsetzen. Jeder dieser bis zu 25 Mitglieder umfassenden Clubs bildet sich außerdem durch Vorträge, Besichtigungen und Diskussionsabende weiter. Der Erlös des Theatergastspiels in Bad Eilsen ist für ein Projekt der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Hess. Oldendorf bestimmt. Am 31. Oktober wird dort mit einem "Tag der offenen Tür" eine Senioren-Wohngemeinschaft eröffnet. Mitglieder des "Ladies`Circle" stellten die Inhalte und Ziele ihrer Förderung vor. Anschließend gehörte die Bühne einer einzigen Frau, deren Programm sich mit Sagen und Legenden jenseits des Leinetals befasste. Der genaue Titel lautete: "Hexen, Heiden, Heilige." Was nicht besagte, dass damit alle Figuren erfasst worden wären. Auch der Teufel und der Rattenfänger kamen schließlich in den Szenen vor. Eine Bühnenausstattung brauchte die Schauspielerin nicht. Drei Requisiten reichten ihr: ein Spazierstock, eine Feder und ein nicht mehr ganz unversehrtes Buch. Mucksmäuschenstill wurde es, als Hess plötzlich als Hexe mitten im Raum stand. Die starre wächserne Maske ließ nichts Gutes ahnen. Herrisch ihre Gesten, als sie einen Zuschauer auf die Bühne holte, der ihr Schuhe und Socken ausziehen musste. Dann entspannte sich die Situation, als die Schauspielerinihr wahres Gesicht zeigte. Aber jetzt sorgten ihre ausdrucksstarke Mimik, ihre präzise zu den Szenen passenden Bewegungen und ihre akzentuierte Stimme für Spannung. Da war es gleichgültig, ob von den Hexen die Rede war, die bei der Ricklinger Teufelskuhle ein- oder ausflogen, oder ob am Exterstein auf dem Deister (nicht zu verwechseln mit den Externsteinen) zur Götzenanbetung Menschen und Tiere geopfert wurden - drastischer und dramatischer ging es nicht. Hess erzählte und gestaltete diese makabren Sagen und Legenden auf eine faszinierende Art und Weise. Der Spannungsbogen spitzte sich immer mehr zu, bis der Höhepunkt erreicht wurde. So manche Geste ersetzte viele Worte. Das war Schauspielkunst auf einem hohen Niveau! Hess schlug sich auf die Seite der Nagetiere, die plötzlich aus dunklen Kellerlöchern krochen, weil ein Spielmann so fürchterlich unnatürliche Hochfrequenztöne anstimmte. Niemand weiß, ob sie wirklich in Siebenbürgen gelandet sind. Aber die Schauspielerin ist sich sicher, dass ihre Nachkommen wiederkommen werden, falls sie nicht schon da sind.




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