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Vor 50 Jahren: Erste Blutspende beim DRK Lauenau

"Alles noch sehr primitiv"

Lauenau (nah). Wieder liegen etliche Spender auf den grauen Pritschen. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude von Casala ist Blutspendetermin. Die Fachleute vom in Springe ansässigen Unternehmen sorgen für den reibungslosen Ablauf; Helferinnen des DRK-Ortsvereins betreuen die Besucher und laden sie anschließend zum Imbiss ein. Kaum jemand denkt daran, dass die lebensrettende Abnahme des roten Safts vor genau 50 Jahren begonnen hat. Eine der Mitarbeiterinnen der ersten Stunde ist Erika Reimann gewesen.

Elli Möbius über die Anfänge der Blutspendetermine: "Das war all

Lebhaft erinnert sie sich noch daran, dass sie als junges Mädchen gerade die Rotkreuzhelferinnen-Prüfung abgelegt hatte. Nun bat der damalige Medizinaloberrat Dr. Richter sie um Mithilfe: "Wir haben noch die Glasflaschen hochhalten und regelmäßig schütteln müssen." Das sollte die Gerinnung des Blutes verhindern. Heute nimmt ein Kunststoffbeutel den roten Saft auf, bis er beim Springer Unternehmen binnen kurzer Zeit weiter verarbeitet wird. Auch Elli Möbius weiß noch eine Menge aus den Anfängen. Die 92-Jährige war 1962 Mitglied des DRK geworden und stieß schon bald darauf ebenfalls zum Trupp der Helferinnen: "Das war alles noch sehr primitiv", stellt sie den Vergleich zu später an. Sie muss es wissen: Denn Möbius war mehrere Jahre Vorsitzende des Ortsvereins und musste die regelmäßigen Termine organisieren. Sie selbst hat jedoch nur ein einziges Mal Blut gespendet: "Ich wurde doch abgelehnt", schmunzelt sie, "weil ich so blutarm war." Anfangs mussten die Helferinnen genau die Menge des abgenommenen Blutes kontrollieren. Waren die fälligen 500 Milliliter erreicht, riefen sie "Abnahme bitte". Dann eilten Rotkreuz-Mitarbeiter herbei, zogen die Nadel aus der Vene des Spenders und verschlossen die Flaschen. Ein Pflaster wurde auf die Einstichstelle geklebt: "Die Streifen", weiß Möbius noch heute, "mussten wir von einer langen Rolle zuschneiden." Eigenes Engagement war auch an anderer Stelle gefragt. Für die anschließende Bewirtung der Freiwilligen wurden Unmengen an Kaffee benötigt. Mangels Automaten mussten damals noch die gemahlenen Bohnen mit Filtern von Hand aufgebrüht werden. "Sogar die Platten für die belegten Brote brachten wir von zu Hause mit", erinnert sich die Seniorin an fehlendes Material. In den ersten Jahren fand die Blutspende im ehemaligen Hotel "Grönenhof" statt. Aber das habe sie nicht mehr erlebt. Sie kann sich nur noch an die ersten Jahre in der Mehrzweckhalle der Albert-Schweitzer-Schule und später in der dann neu gebauten Pausenhalle erinnern. Heute treffen sich Blutspender in den Räumen der DRK-Sozialstation. Erika Reimann, die viele Jahre pausierte und erst seit 1996 wieder zum Stamm der regelmäßigen Helferinnen gehört, berichtet auch vom Entgegenkommen ihres früheren Arbeitgebers an den Blutspende-Tagen: "Da hat der Chef mir immer freigegeben." Und Elli Möbius weiß noch, dass anfangs die Resonanz der Spender "recht zaghaft" gewesen sei. Erst im Lauf der Jahre sei das Interesse gewachsen. Das habe bestimmt an der Werbung gelegen, glaubt sie und blättert in ihrer Mappe: Zeitungsausschnitte befinden sich darin und alte DRK-Mitgliederlisten. Nur aus den Anfängen der Blutspendeaktionen ist nichts dabei: "Da hat doch damals keiner daran gedacht."

Mit Blumenüberraschen DRK-Vorsitzende Brigitte Berger (r.) Gebie
  • Mit Blumenüberraschen DRK-Vorsitzende Brigitte Berger (r.) Gebietsreferent Oliver Ziebolz die erste Helferin von 1957, Erika Reimann. Fotos: nah


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