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Frischer Wind g auf dem Campingplatz an der Weser

Alles auf Anfang

Hameln. Aus dem in Verruf geratenen „Campingplatz zum Fährhaus“ wird der „Campingplatz An der Weser“. Mitten in der Tourismussaison räumt der neue Betreiber, der das Areal Anfang Mai übernommen hat, kräftig auf. Sein Team hat noch einen ganzen Berg an Aufgaben vor sich. Die ersten, die merken, ob ein frischer Wind weht, sind die Gäste.

Kerstin Hasewinkel

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Kerstin Hasewinkel Ressortleiterin zur Autorenseite
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Hameln. Aus dem in Verruf geratenen „Campingplatz zum Fährhaus“ wird der „Campingplatz An der Weser“. Mitten in der Tourismussaison räumt der neue Betreiber, der das Areal Anfang Mai übernommen hat, kräftig auf. Sein Team hat noch einen ganzen Berg an Aufgaben vor sich. Die ersten, die merken, ob ein frischer Wind weht, sind die Gäste.

Monat für Monat habe man zusehen können, wie es abwärts geht – „jetzt geht es Woche für Woche aufwärts“: So beschreibt Thorsten Schulze die Situation auf dem Campingplatz an der Weser. Der 60-Jährige ist Dauercamper. Als Dozent an der Technischen Akademie ist der Bremer immer wieder für ein paar Tage in Hameln. Weil der Diplom-Ingenieur Maschinenbau keine Lust auf ein Hotel hatte, wohnt er seit vier Jahren jeweils für die Zeit seiner Vorträge in seinem Wohnwagen – gemeinsam mit Ehefrau und Hund. Als „Dauergast“ kann er den Vergleich „vorher – nachher“ ziehen und beurteilen, was sich seit dem Betreiberwechsel getan hat.

Ibrahim („Manush“) Gerbeshi hat wie berichtet den Platz – der unter der Regie seines Vorgängers wiederholt wegen seines schlechten Zustands im Fokus der Kritik stand – übernommen. Gerbeshi räumt auf. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. „Ich habe 340 Kubikmeter Müll abgefahren“, erklärt der „Mann vor Ort“, wie er sich selbst nennt.

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Ibrahim Gerbeshi begrüßt Neuankömmlinge: Helga und Volker Bräutigam aus Taufkirchen (München). Er hat vor 40 Jahren bei AEG gelernt.

Betreiberin ist offiziell seine Ehefrau Nicole. Man könnte Gerbeshi auch „Mädchen für alles“ nennen. Es fängt damit an, dass er die Gäste in Empfang nimmt und sie bis zu ihrem Stellplatz geleitet. Bislang gab es 100 Parzellen, durch die Neustrukturierung werden es am Ende 65 bis 70 sein. Denn eine der Vorgaben, um möglichst viele Sterne („Ziel sind vier oder fünf“) zu erlangen, ist die Größe einer Stellfläche von 100 Quadratmetern.

„Von gefühlt minus 3 auf plus 2“ habe sich die Lage auf dem Platz verbessert. Wäre das nicht so gewesen, sagt Hans-Joachim Laabs, „meine Frau wäre nicht mehr mitgekommen“. Der gebürtige Hamelner, der heute in Detmold lebt, verbringt seine Freizeit bei passendem Wetter gerne in der alten Heimat. Seit 15 Jahren ist er Dauercamper an der Weser. Die Stimmung ist gut. Seine Frau Heidi komme jetzt wieder gerne mit nach Hameln, sagt der Inhaber der Spedition Ewald in Lage.

Helga und Volker Bräutigam aus Taufkirchen bei München sind eben mit ihrem Wohnmobil angekommen. Eine Reise in die Vergangenheit: Er hat vor 40 Jahren bei AEG in Hameln gelernt und kehrt jetzt zum ersten Mal nach Hameln zurück, ist auf der Durchreise. Dass Gerbeshi sie mit Handschlag begrüßt, freut das Paar. Der freundliche Ton kann die Gäste darüber hinwegsehen lassen, dass die sanitären Anlagen noch nicht optimal sind. Gerbeshi lässt gerade das Sanitärhaus, das sein Vorgänger als Rohbau hinterlassen hat, ausbauen. Die bisherige WC-Anlage hat den Charme der 50er-Jahre, die Deckenhöhe ist viel zu niedrig, so dass manch einer beim Betreten den Kopf einziehen muss. Aber immerhin ist der Bereich jetzt wenigstens sauber, denn auch das war von Gästen in der Vergangenheit immer wieder ein Kritikpunkt.

Wenn Gerbeshi nicht gerade Gäste begrüßt, werkelt er irgendwo. Thorsten Schulze, der Dauercamper aus Bremen, beobachtet nicht nur, dass Gerbeshi – selbst handwerklich begabt – und sein Team die Ärmel hochkrempeln und in die Hände spucken, es herrsche auch ein anderer Ton: „Professionell, friedlich, hilfsbereit. Das hat vorher nur teilweise geklappt.“

Für Meike Schumacher und Oliver Metje aus Osterholz-Scharmbeck war die unfreundliche Art, die sie nach eigener Aussage in Halvestorf erlebten, der Grund, dem dortigen Campingplatz den Rücken zu kehren und nach Hameln an die Weser zu fahren: „Hier ist es superfreundlich.“

Wer auf der Klütstraße stadtauswärts fährt, wird als Campingplatz-suchender Tourist ausgerechnet am Abzweig Breslauer Allee nicht nach rechts geleitet, sondern auf den Platz in Halvestorf verwiesen. Die Beschilderung ist dem Team um Gerbeshi ein Dorn im Auge, sagt Jochen Schäfer, der als Innenarchitekt mit Bauerfahrung beratend zur Seite steht, der alle Zufahrtstraßen abgefahren und Fotos gemacht hat. „Ich bin mit der Stadt im Gespräch“, Ziel sei eine vernünftige Beschilderung für den „Campingplatz an der Weser“.

250 000 Euro will Gerbeshi, der über den Kaufpreis schweigt, allein in diesem Jahr investieren. Der Müll ist weggeräumt, die Bäume sind größtenteils beschnitten, die Beleuchtung komplett mit LED versehen, die Plätze sollen noch begradigt, der Zaun und die Wege erneuert werden, im Sanitärhaus geht’s voran. Geplant ist, den Uferstreifen zu pachten und einen Bootsanleger direkt vor dem Platz einzurichten. Die sogenannte Beach Bar am Pool, zurzeit verpachtet, soll wieder angegliedert werden. Und vor allem wird noch ein Betreiber für das Lokal gesucht. Interesse signalisiert die Fischer-Familie Meyer. Sie sind unmittelbare Nachbarn und haben „ein fertiges Konzept in der Schublade“ für ein Restaurant, das den Schwerpunkt auf Fischspezialitäten setzt. „Der Campingplatz ist eine Option“, sagt Alexander Meyer auf Anfrage.

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