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Afrikanische Schweinepest: Wie Jäger mit der Gefahr umgehen

BAD MÜNDER. Die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest wächst – die Jäger im Landkreis seien aber gut aufgestellt, sagt Kreisjägermeister Jürgen Ziegler. Aufgrund des hohen Bestands würden bereits seit Jahren vermehrt Wildschweine geschossen. „Derzeit feinjustieren wir, um die Bejagung noch zu intensivieren.“

Wildschweine werden auch hier im Landkreis verstärkt gejagt – die Jäger seien gut strukturiert und organisiert, sagt Kreisjägermeister Jürgen Ziegler. Foto: dpa
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Johanna Lindermann Redakteurin zur Autorenseite

In Niedersachsen könnte jederzeit die Afrikanische Schweinepest ausbrechen, befürchtet Barbara Otte-Kinast, die Niedersächsische Landwirtschaftsministerin. Die Seuche, die Wild-, aber auch Hausschweine befallen kann, rückt seit Jahren aus Osteuropa immer näher an Deutschland heran. Noch gab es in Niedersachsen zwar keinen Fall, der Präsident der Landesjägerschaft, Helmut Dammann-Tamke, hatte allerdings jüngst davor gewarnt, dass sich dies schnell ändern könnte: Bereits ein Wurstbrot, in Deutschland von einem aus Osteuropa kommenden Lkw-Fahrer weggeworfen, könnte für Infektionen hierzulande sorgen. Zur Prävention sollen daher nun Gelder in Millionenhöhe bereitgestellt werden. Otte-Kinast setzt außerdem auf eine verstärkte Bejagung von Wildschweinen. Wie gehen die Jäger in Bad Münder und im Landkreis mit der Situation um? Und wie schützen heimische Landwirte ihre Tiere vor der möglichen Gefahr? Wir haben mit ihnen gesprochen.

„Soweit es möglich ist, versuchen wir, mehr zu schießen“, sagt Hegeringleiter Rainer Klockemann. Denn eine Infektion im Landkreis und eine Übertragung auf Haustiere wäre „katastrophal“. Dabei ist das vermehrte Abschießen der Tiere gar nicht so einfach, etwa durch die momentan kurzen Tagen und die früh einsetzende Dunkelheit.

Als weiterer erschwerender Punkt komme noch hinzu, dass Muttertiere, die ihre Jungtiere noch säugten, geschützt seien und nicht abgeschossen werden dürften, erklärt Klockemann. Die Frischlinge selbst dürften jedoch geschossen werden, ebenso wie Jungtiere vom Vorjahr und ausgewachsene männliche Tiere. Bachen, die ihren Nachwuchs nicht mehr säugten, stünden zwar nicht unter Schutz, es sei aber auch durchaus möglich, dass eine Bache zweimal im Jahr Jungtiere bekomme, sagt der Hegeringleiter. Aufgrund des guten Nahrungsangebots und der milden Winter würden die Jungtiere zudem inzwischen früher zeugungsfähig und könnten bereits mit einem halben bis dreiviertel Jahr eigene Nachkommen zeugen.

Die Vermehrungsrate der Wildschweine sei tatsächlich sehr hoch, sagt Kreisjägermeister Jürgen Ziegler. Um 250 bis 300 Prozent vergrößere sich die Population jährlich im Vergleich zum Frühjahrsbestand. Zudem hätten sich die Tiere flächendeckend in Niedersachsen ausgebreitet, sodass es kaum mehr einen Landkreis ohne Wildschweine gebe. „Es ist deshalb schon seit Jahren unser Programm, mehr Wildschweine zu schießen“, so Ziegler. Auch jetzt habe er noch einmal alle Reviere im Landkreis diesbezüglich angeschrieben. „Es muss eine intensive Jagd zur Bestandsreduktion stattfinden“, sagt der Kreisjägermeister und fügt hinzu: „Die Jäger im Landkreis Hameln-Pyrmont sind sehr gut aufgestellt.“

Dennoch arbeite man immer daran, die Jagd noch zu verbessern. „Derzeit feinjustieren wir, um die Bejagung noch zu intensivieren“, sagt Ziegler. „Wir sind auf einem guten Weg.“ So würden etwa häufig revierübergreifende Jagden in der Region durchgeführt.

Die Gefahr, dass sich die Schweinepest durch an der A 2 weggeworfene Wurstbrote mit infiziertem Fleisch aus Osteuropa in Niedersachsen ausbreiten könnte, schätzt auch Bezirkslandwirt Wilhelm Heine als groß ein. Sollte die Seuche bei Wildschweinen hier in der Umgebung nachgewiesen werden, würde ein Sperrbezirk eingerichtet, in dem Hausschweine nicht mehr transportiert werden dürften. „Das wäre der Super-Gau“, meint der Bezirkslandwirt, der selbst Schweine hält. Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen gebe es in den Betrieben momentan aber nicht, da ohnehin bereits immer sehr auf Sicherheit geachtet werde. „Wir müssen nicht nur jetzt, sondern natürlich jeden Tag vorsichtig sein“, betont Heine. Um die Bestände zu schützen, würden beispielsweise betriebsfremde Personen nicht in die Schweineställe gelassen. Zudem gebe es am Eingang eine Art Schleuse, in der jeder, der den Stall betritt, seine Kleidung ablegen müsse. Dort lagerten Kleidungsstücke, die nur im Stall selbst getragen würden, um keine Keime von draußen zu übertragen. Nicht verhindern könne man allerdings, dass Mäuse in die Ställe gelangten. Darüber hinaus würden die Wagen, mit denen die Schweine transportiert würden, desinfiziert.

Das große Problem bei der Afrikanischen Schweinepest sei, dass sie „rigoroser als die normale Schweinepest“ sei, erklärt Ziegler. Während die gewöhnliche Schweinepest punktuell zu bekämpfen sei, könne die Afrikanische Variante ohne Vorwarnung jederzeit und überall auftreten. Das sei schon „eine große Sorge“, sagt Ziegler und fügt hinzu: „Dem Problem müssen wir uns nun stellen und als Jäger entsprechend reagieren. Wir sind aber strukturiert und organisiert.“

Ein Grund zur Panik für die Bevölkerung besteht allerdings nicht: Die Krankheit befällt nur Schweine und ist nicht auf den Menschen übertragbar.



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