×
Kritik vom Kooperationsverbund

AEG oder IGS? „Eine unnötige Diskussion“

Hameln (red). „IGS oder AEG? Eine unnötige Diskussion“, meint Markus Kluba, Koordinator des Kooperationsverbundes für Hochbegabungsförderung Hameln-Pyrmont und ehemaliger stellvertretender Leiter der IGS-Planungsgruppe. Die Debatte werde immer mehr von der Angst dominiert, die IGS könnte das Albert-Einstein-Gymnasium verdrängen und damit eine Schule gefährden, die für die Schullandschaft der Rattenfängerstadt wichtig sei. „Dabei sind diese Ängste völlig unbegründet und von einseitiger Sichtweise geprägt. Sie blockieren sogar eine sinnvolle Diskussion über Entwicklungsmöglichkeiten der Schullandschaft Hamelns“, sagt der Studienrat am Schiller-Gymnasium.

Besonders zeige sich diese einseitige Sichtweise in der Stellungnahme des Stadtelternratsvorsitzenden Dr. Volker Schöpe (wir berichteten). Dass nur knapp zehn Prozent der jetzigen IGS-Schüler eine Gymnasialempfehlung haben, bezeichnet Kluba als „nicht ungewöhnlich“. Diese Quote ließe sich darauf zurückführen, dass die IGS Hameln noch keine Oberstufe hat. „Eltern von Kindern mit Gymnasialempfehlung entscheiden sich verständlicherweise nicht für eine Schule, von der sie noch nicht wissen, ob sie das Abitur überhaupt anbieten wird“, begründet Kluba und nennt einen zweiten Grund: „Die Empfehlungen können in Bezug auf den tatsächlichen schulischen Erfolg nur bedingt aussagekräftig sein. Das liegt auch daran, dass sie zu einem sehr frühen Zeitpunkt erstellt werden.“ Erhebungen gingen davon aus, dass bis zu 50 Prozent der Empfehlungen nicht dem Leistungspotenzial der Jugendlichen entsprechen. Abweichungen nach oben, also ein besserer Schulabschluss als empfohlen, kämen dabei häufiger vor, als Abweichungen nach unten. Diese Einschätzung werde von der Entwicklung anderer integrierter Gesamtschulen mit Oberstufe bestätigt. „Viele Gesamtschulen mit Oberstufe erhalten sogar überdurchschnittlich viele Anmeldungen ausschließlich für die Oberstufe“, so Kluba.

Dass die IGS häufig einen höheren Bildungsabschluss ermögliche, als von der Grundschule prognostiziert, sei darauf zurückzuführen, dass sich die IGS an der individuellen Lernentwicklung des Kindes orientiere. „Begabung wird so also auch für die Kinder optimal gefördert, die nicht schon in der Grundschule ihr Potenzial zeigen“, erklärt der Studienrat. Die Zustimmung der Eltern zeige sich auch in der steigenden Anmeldezahl in Hameln und der Initiative in Hessisch Oldendorf zur Gründung einer weiteren IGS mit Oberstufe. Auch glaubt Kluba, dass Schöpe nicht für die gesamte Elternschaft der Region spricht: „Nach meiner Kenntnis hat keine Sitzung des Stadtelternrates stattgefunden, auf der beschlossen wurde, eine IGS ohne Oberstufe zu fordern.“ Auch meldet Kluba Bedenken gegen die Zusammensetzung des Stadtelternrates an: „Drei der sechs Vorstandsmitglieder kommen aus den Gymnasien der Stadt, allein zwei sind im AEG verwurzelt. Ob Dr. Schöpe also eher die Meinung des Vorstandes vertritt oder die des gesamten Stadtelternrates bzw. der Elternschaft, darf angezweifelt werden.“

Vor allem aber sei die Diskussion um eine Abschaffung des AEG einseitig und unbegründet. Eine IGS mit gymnasialer Oberstufe habe nach Meinung Klubas nicht zwangsläufig die Abschaffung des AEG zur Folge. Vielmehr werde Schülern der Weg zum Abitur und anderen höheren Bildungsabschlüssen erleichtert, die sonst Umwege über Schulwechsel gehen müssten. Der Anteil der Schüler mit Abitur steige seit Jahren und werde weiter steigen. Kluba: „Man kann also davon ausgehen, dass es lediglich zu einer Umverteilung zwischen Schulformen kommt. Diese wird vor allem die Haupt- und Oberschulen betreffen und könnte sich unter anderem auch auf die beruflichen Gymnasien auswirken. Die aber verzeichnen derzeit eher zu viele als zu wenige Anmeldungen.“

Als Alternative regt Kluba eine Gesamtschule mit Oberstufe in gemeinsamer Trägerschaft mit dem Landkreis an, selbst wenn dann der Standort neu diskutiert werden müsse. Kluba: „Was spräche denn gegen ein Schulzentrum, das insgesamt als Albert-Einstein-Gesamtschule aufträte? Es könnte in hohem Maße von der Kompetenz zweier etablierter und innovativer Schulen profitieren. Der Namensgeber Albert Einstein hatte bekanntlich seine Schwierigkeiten mit dem herkömmlichen Schulsystem und hätte bestimmt nichts dagegen.“




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt