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Acht Prozent der münderschen Jäger sind Frauen

BAD MÜNDER. Früher war das Jagen reine Männersache. Doch eigentlich steht es sogar in der römischen Mythologie geschrieben: Die Göttin der Jagd ist eine Frau – namens Diana. Heute eifern ihr immer mehr Frauen nach.

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Autor:

Mira Colic und Diana Koschorreck

Waren vor etwa 30 Jahren nur knapp ein Prozent der Jagdscheinbesitzer in Deutschland Frauen, sind inzwischen acht Prozent der 140 Mitglieder des Hegerings Bad Münder weiblich.

Damit liegen die münderschen Jäger allerdings noch unter dem Bundesdurchschnitt mit zehn Prozent der 374 084 Jägerinnen und Jäger. Bei der Jägerschaft Hameln-Pyrmont liegt der weibliche Anteil sogar bei 13 Prozent. Auch wenn keine genauen Vergleichszahlen aus den Vorjahren vorliegen, so zeigt auch die Beobachtung im Vereinsalltag diese Entwicklung. „Mittlerweile sitzen in den Kursen für die Jägerprüfung bis zu 40 Prozent Frauen“, stellt Kreisjägermeister Jürgen Ziegler fest.

Woran die wachsende Begeisterung der Frauen für die Jagd liegt, kann Ziegler sich nicht ganz genau erklären. „Viele kommen auf jeden Fall über den Hund zur Jagd“, stellt er fest. Die Frauen begeisterten sich oft für des Menschen besten Freund, merkten dann, dass sie ihn auch gerne sinnvoll einsetzen wollen und bildeten ihn zum Jagdhund aus, so Ziegler.

So war es auch bei der Hachmühlerin Heide Rathing, die im März 2010 ihren Jagdschein gemacht hat. Durch ihre Jagdhündin Cara sei sie auf die Idee gekommen, den Lehrgang zu absolvieren. 2009 habe sie sich den Deutsch Drahthaar geholt und mit der Ausbildung der Hündin begonnen. „Und das hat mir total Spaß gemacht.“ Dazu gehöre aber auch die Schießfestigkeit des Hundes zu prüfen, „und heutzutage darf man seinen Hund nur bei der Prüfung führen, wenn man selbst im Besitz des Jagdscheines ist.“

Außerdem habe sie dieser Bereich, „mit dem man sonst keine Berührungspunkte hat“, gereizt. Beruflich sei sie nämlich „Zahlenverdreherin im Controlling“ und habe hier die Möglichkeit genutzt, sich ein anderes Wissensgebiet zu erschließen. Das sei ihr „Antrieb“ gewesen.

Die 52-Jährige kann über sich selbst lachen und gibt freimütig zu, den sechsmonatigen Lehrgang extra in Schaumburg gemacht zu haben, weil man dort die Schießprüfung wiederholen dürfe. Und prompt sei sie beim ersten Mal tatsächlich durchgefallen, bei den Tauben habe eine gefehlt. „Typisch, von den 25 Teilnehmern haben fünf nicht bestanden, alles Frauen.“ Glücklicherweise sei Schießen jedoch der kleinste Part der Ausbildung und des Lebens als Jäger – und beim zweiten Mal seien alle durchgekommen. Insgesamt habe es neun Frauen in der Gruppe gegeben, die alle bis zum Schluss bei der Stange geblieben seien.

Tatsächlich würden Frauen in der Jägerprüfung teilweise besser als ihre männlichen Mitstreiter abschneiden, weiß Kreisjägermeister Ziegler: „Das liegt daran, dass sie sich sehr interessieren und sich auch stark einsetzen.“

Ihrem Schießprüfer – wohl noch einer der alten Schule, der von Frauen bei der Jagd wenig halte – habe sie es gezeigt, erinnert sich Sophie Hahne lachend. Die 23-jährige Münderanerin hat bereits vor sieben Jahren ihre Jagdprüfung abgelegt. „Ich war damals wohl aber genauso wie alle anderen überrascht, dass ich die Schießprüfung auf Anhieb bestanden habe.“ Der Kommentar ihres Prüfers: „Man muss auch mal Glück haben.“

Hahne ist familiär geprägt, „bereits mein Opa war Jäger, mein Vater ist dabei und mein Bruder hat nach mir auch den Jagdschein gemacht“. Sie findet es persönlich sehr gut, dass es immer mehr Frauen in dieser einstigen Männerdomäne gibt, auch viele junge. „Ich folge bei Instagram vielen jungen Jägerinnen, die Bilder von sich mit einem erlegten Wildschwein oder so posten.“

In der Praxis sieht Rathing keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei der Jagd. „Wenn ein Mann ein 100 Kilogramm schweres Stück Wild erlegt, trägt er das auch nicht alleine. Gut, ich bin mit 30 Kilo schon fast überfordert.“ Auch die junge Jägerin Hahne will nie Einschränkungen erfahren haben. „Man wird nach der Leistung beurteilt.“

Warum sollte es auch anders sein, fragt sich Hegeringleiter Rainer Klockemann aus Nettelrede. Ihm sei es herzlich egal, ob Mann oder Frau – er freue sich einfach über jedes neue Mitglied. Und alle würden gleich behandelt. Schließlich verbinde auch alle eins: der Spaß an der Natur. „Morgens um 4 Uhr draußen zu sein, die Sonne aufgehen zu sehen und das Vogelgezwitscher zu hören – das ist schon imposant.“

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