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Abschied von einem Wahrzeichen

Bad Münder. Für viele, die sich aus Richtung Hameln der Stadt nähern, das erste sichtbare Wahrzeichen Bad Münders: Der Schornstein auf dem Haworth-Gelände. Doch dessen Tage sind gezählt – der Rückbau des markanten Bauwerks hat begonnen.

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50 Meter hoch über das Firmengelände erhebt sich der Schornstein, der auch weithin sichtbar auf die Geschichte des Unternehmens hinweist. „Dyes“ steht in großen Lettern auf dem Bauwerk und erinnert an eine Zeit, in der die Möbelindustrie im ganzen Deister-Sünteltal blühte. 1883 hatten die Gebrüder Banneitz auf dem heutigen Haworth-Areal erste Stühle produziert, ihnen folgten die Gebrüder Fredriksen, die den Sitz ihrer Möbelfabrik „Dyes & Co.“ 1934 an den Deisterbahnhof verlagerten. 1938 übernahmen die Gebrüder Schmidt die Fabrik, Martin Schmidt lenkte lange Jahre maßgeblich die Geschicke des Unternehmens und baute es aus. 1978 verkaufte er es an die DLW-Aktiengesellschaft. Im Mai 1999 übernahm der amerikanische Büromöbelhersteller Haworth das mündersche Unternehmen – bis heute prangt aber „Dyes“ am Schornstein.

Die Entscheidung, den Schornstein verschwinden zu lassen, sei nicht leicht gefallen, erklärt Unternehmenssprecher Sebastian Wolf Siebzehnruebl. Für Mitarbeiter wie ehemalige Kollegen gehörte der Schornstein zum Werk, doch der Zustand des Bauwerks habe sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert. Inzwischen gehe sogar Gefahr vom Schornstein aus – für Menschen auf dem Haworth-Gelände ebenso wie auf dem benachbarten Gelände des Friederikenstifts, weil Ziegel aus großer Höhe herabfallen.

Auf diesen Umstand weist auch Manfred Brandt, zuständig für die Instandhaltung der Gebäude, hin. Nach der Aufgabe des Kesselhauses – Haworth hatte vor rund drei Jahren auf eine moderne Heizungsanlage mit Verwertung der anfallenden Späne umgestellt – wird der Schornstein nicht mehr befeuert. Bis dahin herrschten im Schornstein perfekte Bedingungen für eine lange Lebensdauer: geringe Luftfeuchtigkeit und konstante Temperaturen. Als erste Ziegel herabfielen, wurde ein Schutzsystem auf die Produktionshallen aufgebracht. „Wir haben den Schornstein regelmäßig von Sachverständigen überprüfen lassen“, sagt Brandt. Inzwischen ist das Risiko, dass Menschen verletzt werden, den Verantwortlichen aber zu groß. Aufgrund der Position auf dem Firmengelände wird der Schornstein nicht mit Sprengstoff und einem großen Knall zu Fall gebracht: Stein für Stein bauen ihn Mitarbeiter einer Spezialfirma aus Hoyerswerda zurück. „Fast so, wie er einmal errichtet wurde“, sagt Brandt. In luftiger Höhe von fast 50 Metern haben sie ein Gerüst aufgebaut, Meter um Meter geht es nach unten. Drei Meter sind bereits geschafft. Der Schutt wird im Innern des Schornsteins abtransportiert, berichtet Brand – drei Wochen sind für den Rückbau angesetzt.jhr

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