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Ernestinum-Gruppe reist trotzdem nach China / Patenschaft mit chinesischer Schule angebahnt

Absage nach Dalai-Lama-Besuch bei Merkel

Rinteln (wm). 24 Rintelner Gymnasiasten waren mit Schulleiter Reinhold Lüthen und Studienrat Ralf Kirstan vom 12. Oktober bis zum 3. November in China, um den Kontakt zu einem chinesischen Gymnasium aufzubauen. Die chinesischen Schüler kommen, wenn alles klappt, im nächsten Jahr. Ostern 2009 ist dann wieder ein Gegenbesuch in China geplant.

Abenteuerlich war nicht nur die Reise, sondern auch die Anbahnung der Schulpatenschaft, schilderten gestern Lüthen, Kirstan und einige Schüler. Seit rund sechs Monaten, berichtete Kirstan, habe man Kontakt zu einem College in China, die Reise sei schon perfekt organisiert gewesen, die Flugtickets im Wert von rund 24 000 Euro für die ganze Gruppe gekauft worden. Dann habe Bundeskanzlerin Angela Merkel den Dalai Lama empfangen. "Da hat uns der Rektor der Schule mitgeteilt, dass er unsere Gruppe aus politischen Gründen leider nicht mehr empfangen könnte, die Situation sei zu heikel." Für Lüthen wie Kirstan war klar, die Reise muss stattfinden - aber, so Lüthen, "nur als Touristen wollten wir auch nicht fliegen". Mit vereinten Bemühungen, auch dank Kirstans Ehefrau Liping Kirstan, die gebürtige Chinesin ist, gelang es, über Kontakte der Deutschen Botschaft wie des chinesischen Konsulats eine neue Partnerschule zu finden, dazu eine Universität, die für die Rintelner Gymnasiasten kurzfristig das Besuchs- und Veranstaltungsprogramm organisierte. Dann die Riesenüberraschung, als die Rintelner in China aus dem Flugzeug stiegen: Die Schüler der Schule, mit der sie zuerst Kontakt gehabt hatten und deren Rektor kurzfristig das Treffen abgesagt hatte, standen als "Empfangskomitee" am Flughafen. Mehr noch: Weil ein Besuch in der Schule in Chongqing offiziell nicht möglich war, boten die chinesischen Schüler Ausflüge und ein Kennenlernen auf privater Ebene an. Lüthen wie Kirstan betonten gestern gleich mehrmals: "Das war angesichts der offiziellen Absage durch die Schulleitung von den Schülern ungeheuer mutig." Abenteuerlich auch der Rest der Reise, während der die Gruppe rund 3000 Kilometer durch das riesige Land geflogen ist, bis zur vietnamesischen Grenze, irrwitzig die Radtour aufs Land: "Wir mussten durch einen unbeleuchteten Tunnel. Hinter uns Lastwagen, vor uns Lastwagen, alle nicht beleuchtet, alle haben ständig gehupt" (Steffen Rörtgen). "Und rote Ampeln sind in China nur eine Empfehlung" (Janchristoph Dreyer). Dann musste die Gruppe erkennen, dass sie sich hoffnungslos verfranst hatte. Kein Problem, ein Motorradfahrer lotste die Rintelner in die Stadt zurück. Weitere Erkenntnis der Schüler: Das chinesische Essen ist nicht vergleichbar mit dem, was in Deutschland in Chinarestaurants angeboten wird. "Einmal gab es Hühnerfüße und Taubenköpfe. Lecker, lecker, sagten die Gastgeber, trotzdem haben wir darauf verzichtet" (Janchristoph Dreyer). Dafür wurde eine Schüssel mit einerArt "Reis chips" aufgegessen. "Das schmeckte super, hinterher haben wir erfahren, es waren frittierte Maden" (Nora Schiffer). "Atemberaubend im wahrsten Sinne des Wortes der Smog in den Millionenstädten und überwältigend die Menschenmassen, und dass Peking trotzdem so sauber ist" (Nicklas Benito). "Überall Hinweise auf die Olympischen Spiele" (Uta Preil). "Und dass das Land kommunistisch ist, davon sieht man nichts, keine Parolen an den Wänden, Fahnen oder so was" (Lars Röwer). "Irritierend auch, da gab es supermoderner Häuser direkt neben Bretterverschlägen" (Janchristoph Dreyer). Schulunterricht genossen die Rintelner auch: In Kalligrafie, Knüpftechnik, Thai Chi und Papierschneidekunst. Auch am Ernestinum wird der China-Besuch voraussichtlich nicht ohne Folgen bleiben: Lüthen überlegt ernsthaft, ob man nicht Chinesisch als Kurs anbieten sollte. Kalligrafie wird ohnehin schon in Rinteln unterrichtet: von Liping Kirstan.

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