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Abhauen ist Volkssport

Bad Münder. Schnell ist es passiert. Beim Ausparken auf dem Supermarkt-Parkplatz einen Moment nicht aufgepasst – bumms, das Nachbarauto hat eine Beule. Eigentlich keine große Sache, ein klassischer Versicherungsschaden. Doch anstatt auf den Fahrer des beschädigten Wagens zu warten oder die Polizei zu informieren, wählen viele den vermeintlich einfacheren Weg und machen sich aus dem Staub: Unfallflucht ist in Deutschland weit verbreitet. Auch in der Kurstadt hat die Abhau-Mentalität nach Verkehrsunfällen zugenommen.

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„Unfallflucht ist ein großes Thema“, konstatiert Manfred Homann, Leiter des Kommissariats Bad Münder. 128 Fälle von „unerlaubtem Entfernen vom Unfallort“, wie es juristisch korrekt heißt, haben er und seine Kollegen im vergangenen Jahr aufgenommen. Das sind zwölf mehr als im Jahr zuvor. Die Mehrzahl der Geschädigten bleibt auf den Kosten für die Reparatur sitzen. Und das können schnell mehrere Hundert Euro sein. „Für die Betroffenen ist Unfallflucht ein großes Ärgernis“, sagt Homann.

Deshalb setze die Polizei alles daran, die Verursacher im Nachhinein zu ermitteln. „Wir gehen jedem Fall nach“, erklärt Daniela Kempa, Leiterin des Einsatz- und Streifendienstes, „auch wenn der Schaden erst Tage später bemerkt wird“. Mit Erfolg: Lag die Aufklärungsquote 2011 noch bei knapp 38 Prozent, waren es im vergangenen Jahr schon fast 45 Prozent.

Bei ihren Ermittlungen sind die Beamten vor allem auf konkrete Hinweise von Zeugen angewiesen, zum Beispiel zum Fahrzeug oder Kennzeichen. „Zwar finden wir manchmal Lackspuren oder sogar Teile des Verursacherfahrzeugs, aber meistens steht und fällt die Aufklärung mit den Augenzeugen“, sagt Kempa.

Laut Auto Club Europa begehen pro Jahr bundesweit rund 500 000 Autofahrer Unfallflucht. Tendenz steigend. Dabei betont die Polizei immer wieder, dass es sich dabei um eine Verkehrsstraftat und kein Kavaliersdelikt handelt. Je nach Umständen und Schadenshöhe sieht das Gesetz sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor. Egal, ob Lack zerkratzt oder Außenspiegel abgefahren – wer das Weite sucht, riskiert eine Anzeige wegen Fahrerflucht. In jedem Fall müssen Unfallflüchtlinge dann mit einer zeitweisen Entziehung der Fahrerlaubnis und bis zu sieben Punkten in Flensburg rechnen.

ch



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