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Flüchtlinge aus Notunterkünften werden im Kreiskrankenhaus untersucht

Abdullah übersetzt, wenn Rintelner Ärzte behandeln

Rinteln. Es war der 7. Oktober, ein Mittwoch, als Abdullah geflohen ist. Es war sein letzter Tag in seiner Heimat, dem Irak. Er spricht nicht viel über die Flucht, nur das, was alle erzählen: Es waren Schlepper, es hat viel Geld gekostet.

Abdullahs Mutter hatte ihm gesagt, dass er gehen müsse, weil er sonst sein Leben verlieren würde. Abdullah hatte als Dolmetscher für die US-Armee gearbeitet, ein Elternteil von ihm gehört dem christlichen Glauben an. Der Islamische Staat (IS) hatte die Stadt, in der er lebte, eingenommen. Er ist sich sicher, dass er auf ihrer Todesliste steht, wie alle, die den USA „geholfen“ haben und die nicht den „richtigen“ Glauben haben oder von deren nahen Verwandten einer nicht Moslem ist, denn Abdullah gehört dem muslimischen Glauben an.

Abdullah erzählt, dass er über Istanbul nach Deutschland, nach München, kam. 29 Tage war er unterwegs: In einem geschlossenen Van sei er mit anderen transportiert worden, in absoluter Dunkelheit seien sie durch Wälder geflohen.

Abdullah sagt, dass er in einem Van versteckt transportiert wurde. Er sagt auch, dass er tagelang marschiert ist und keine Ahnung hat, über welche Länder er nach Deutschland gekommen ist. Der junge Iraker weiß, dass ihm eventuell die Abschiebung droht, so wie auch allen anderen Flüchtlingen, die vor der Ankunft in Deutschland einen Fuß in ein anderes EU-Land gesetzt haben.

Viermal in der Woche geht er nun zum Deutschunterricht. „Ich möchte meine neue Heimat in Deutschland finden“, sagt der 27-Jährige in fließendem Englisch. „Für mich ist es deshalb selbstverständlich, dass ich so schnell wie möglich die deutsche Sprache lerne.“

In der Notunterkunft Prince Rupert School in Rinteln hilft er dem Deutschen Roten Kreuz als Dolmetscher. Er übersetzt vom Arabischen ins Englische.

Das Camp-Leben birgt unter anderem Konfliktherde: wenn das Essen mal nicht schmeckt; wenn der Wunsch nach einem eigenen Raum übermächtig zu werden droht, wenn die Hoffnungen und Erwartungen, die jeder Flüchtling mitgebracht hat, wenigstens erst einmal enttäuscht werden.

Momentan leben 407 Flüchtlinge in der ehemaligen britischen Schule – unter ihnen auch acht schwangere Frauen. Auch die medizinische Versorgung muss gewährleistet sein. Die Untersuchungen finden im Kreiskrankenhaus in Rinteln statt. Der Schaumburger DRK-Präsident Bernd Koller sagt: „Seit das DRK mit der Unterbringung, Verpflegung, Einkleidung und der Gewähr der Sicherheit der Flüchtlinge vom Landkreis Schaumburg betreut wurde, stehen wir in engem Kontakt mit Dr. Achim Rogge. Schon Anfang September hatte uns der Sprecher der Geschäftsführung der Krankenhausprojektgesellschaft Schaumburg angerufen und die Unterstützung angeboten.“ Auch die 70 Flüchtlinge aus Bückeburg würden in Rinteln untersucht.

„Wir haben uns bewusst, selbstverständlich in Abstimmung mit dem Chefarzt der Inneren Medizin in Rinteln, Dr. Hunnius, und dem dortigen Ärztlichen Direktor, Dr. Lüdemann, für den Standort Rinteln entschieden, um die Wege für die Flüchtlinge und das Deutsche Rote Kreuz kurz zu halten“, erklärt Krankenhauschef Rogge. Von montags bis donnerstags seien extra Sprechstunden nun in den „normalen“ Krankenhausalltag integriert.

Abdullah hilft beim Übersetzen. Er weiß, dass in anderen Notunterkünften im Land auch schon mal über 1000 Menschen in einem großen Raum zusammenleben müssen. „Das DRK macht hier einen tollen Job. Ich bin sehr dankbar dafür.“

Die Arbeit des DRK , der vielen ehrenamtlichen Helfer und der Ärzte im Krankenhaus wird so schnell auch nicht enden. Bernd Koller: „Beide Notunterkünfte in Bückeburg und in Rinteln erhalten im neuen Jahr sicher wieder ,Neuzugänge‘ und werden dann maximal ausgelastet sein, das heißt, dass insgesamt im Laufe des Jahres voraussichtlich 888 Flüchtlinge aufgenommen werden.“red

Kümmern sich um die medizinische Versorgung der Flüchtlinge: Mirko Fiedler, Betreuungshelfer des DRK (kniend), Dr. Christoph Hunnius (dahinter, v. l.), Dr. Christian Vielhauer, Abdullah, Eckhart Ilsemann (Leiter der DRK-Flüchtlingshilfe) und DRK-Präsident Bernd Koller.




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