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Jäger kommen nicht zum Schuss / Büttner: Frei laufende Hunde jagen das Wild auf die Straßen

A 2-Bauarbeiter retten Mufflons das Leben

Auetal (rnk). Gleich am ersten Tag haben sich die Mufflons den Arbeitern auf der Autobahngroßbaustelle vorgestellt: Gemächlich trabten die Tiere an den Neuen vorbei. Und bis heute haben sie sich kaum stören lassen von den Menschen und dem mit der Arbeit verbundenen Lärm. Sie haben sich vor allem im Heeßer Bereich eine oder zwei stille Ecken gesucht, in denen sie die letzten Wochen recht ungestört verbracht haben.

Ab und an unternimmt die Mufflon-Herde einen Ausflug von Heeßen

Allerdings gebe es ein kleines Problem, erklärt Lars Büttner als zuständiger Reviermitpächter. Denn die Herde ist über den Sommer gewachsen, neun Häupter zählt sie nun. Entsprechend fällt der Schaden aus, den die Tiere so im Raps und am Getreide verursachen. Doch alle Versuche, so erzählt Büttner durchaus mit einem Lächeln, die Herde um ein, zwei Tiere zu verkleinern, seien bisher gescheitert, weil gefahrlos nicht geschossen werden konnte. Und die Sicherheit, so Büttner, gehe natürlich vor. Viele Möglichkeiten, den Blattschuss anzubringen, hat er nicht: Nach oben hin ist die Autobahn, in Richtung Bernser Landwehr folgt die Wohnbebauung, im Wald sind eben die Bauarbeiter von der A 2. "Sie retten im Moment den Tieren das Leben", erklärt Büttner den Witz der Geschichte. Ganz so schlimm ist das aber nicht, denn von den Landwirten hält sich der Protest in recht engen Grenzen: Sie hätten, so Büttner gegenüber unserer Zeitung, überwiegend Verständnis. Ein Verständnis, das sich Büttner auch von anderen Mitmenschen wünschen würde. Von Hundehaltern vor allem, die im Auetal zurzeit zu einem Problem werden. Jedenfalls diejenigen, die ihre Hassos und Bellos in Rückzugs- oder Naturschutzgebieten frei durch das Dickicht laufen und stöbern lassen. Dort scheuchen sie dann das Wild auf, und das Ergebnis sei, so Büttner, oft auf den Straßen zu sehen: überfahrenes Wild. Rein statistisch seien die toten Tiere dann Opfer von Verkehrsunfällen, doch die direkte Ursache seien vor allem in der Dämmerung frei laufende Hunde, die die Tiere aufscheuchen und hetzen. Gegen Hunde, die auf freien Flächen oder Äckern ohne Leine herumlaufen, hat Büttner nichts, wie er mehrfach betont. Aber im Dickicht und in Gebüschen, etwa im Bernser Haarberg oder im Bereich der "Stillen Lanner", seien sie ein "Riesenproblem". Büttner berichtet von mehreren gerissenen Rehen und erzählt auch von einem Spaziergang in einem geschützten Gebiet, wo er sich urplötzlich von gleich fünf frei laufenden Hunden umringt sah. Drei Möglichkeiten haben Büttner und andere Jäger in derartigen Fällen. Erstens: Das nette, unverbindliche Gespräch mit Herrchen oder Frauchen, in dem freundlich, aber bestimmt auf die Problematik hingewiesen wird. Oftmals kann der Hundebesitzer nachvollziehen, was der Jäger meint, und bleibt künftig mit seinem angeleinten Tier auf dem rechten Wege. Zweitens: Der Jäger erstattet Anzeige, weil Hunde in vielen Rückzugsgebieten eben nicht ohne Leine laufen dürfen. Das sei unangenehm, "das macht man nicht gerne", so Büttner, aber zuweilen sei die Anzeige doch angebracht. Vor allem, wenn der Hundehalter nach dem vermeintlich klärenden Gespräch seinen Hund 50 Meter weiter wieder von der Leine lässt. Dritte Möglichkeit: Der Jäger schickt das streunende und damit wildernde Tier mit einem gezielten Schuss in den Hundehimmel. Das sei aber für einen echten Jäger keine wirklich diskutable Alternative, meint Büttner: "Das Tier kann doch nichts dafür, wenn der Mensch sich falsch verhält. Für die Dummheit der Besitzer will kein Jäger das Tier totschießen." Was er sich wünscht, wären nicht nur einsichtige Hundehalter, sondern Besitzer, die diese Einsicht auch weitertragen würden.

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