weather-image
26°
Bevor es vor den Kadi geht: Schiedsleute regeln aus dem Ruder gelaufene Nachbarschaftsstreitigkeiten

Überstehende Äste, lästige Blätter, laute Musik

Bad Münder (st). Die Gründe, aus denen sie angerufen werden, sind so banal wie häufig: über die Grundstücksgrenze stehende Äste, eine Gartenlaube, die dem Nachbarn das Sonnenlicht raubt oder zu laute Musik der benachbarten Teenie-Tochter. Bevor Fälle mit nichtiger Ursache, aber verhärteten Fronten vor den Kadi gehen, greifen Schiedsleute ein und bitten die Parteien zur Verhandlung – Ergebnis ist häufig ein Vergleich, der es den Streithähnen ermöglicht, ihr Gesicht zu wahren. Dazu ist eine Menge Fingerspitzengefühl nötig, wie die beiden neuen Schiedsleute für Bad Münder, Volker Nagel und Monica Gräfin Adelmann, gegenüber der NDZ berichten. Seit einem halben Jahr sind sie jetzt im Amt und haben schon den einen oder anderen Fall als erledigt zu den Akten legen können.


„Eine offizielle Verhandlung habe ich bereits geleitet – dazu kommen drei oder vier sogenannte Tür-und-Angel-Gespräche“, erzählt Nagel. Bei den Tür-und-Angel-Gesprächen handelt sich um inoffizielle Schlichtungen auf dem kurzen Dienstweg. „Oft genügt ein kurzer Hinweis oder ein Anruf und die Sache ist gegessen“, erklärt Nagel. Die Verhandlung, bei der sich die eine Partei einen Anwalt als Unterstützung mitgebracht hatte, habe er mit einem für beide Seiten akzeptablen Vergleich abgeschlossen. „Man muss sich da schon entsprechend vorbereiten“, sagt Nagel.

Und: „Zum Ergebnis der Verhandlung muss man als Schiedsperson ohne Rücksicht auf rechtliche Voraussetzungen kommen. Das muss sich aus den Personen heraus entwickeln“, ergänzt Adelmann. Schließlich laute der Leitspruch der Schiedsleute: Schlichten statt richten.

Auch sie hat in der kommenden Woche ihre erste offizielle Verhandlung zu leiten. Auch hierbei geht es wie meist um Nachbarschaftsstreitigkeiten. Wer in welchem Fall als Schiedsperson agiert, entscheidet in Bad Münder der Ort des Geschehens. Im Norden des Stadtgebietes ist der Nienstedter Nagel, im Süden die Hasperderin Adelmann zuständig. „Das funktioniert super“, sagt Nagel. Was auch wunderbar klappe, sei die Unterstützung durch Verbände wie den Bund Deutscher Schiedsmänner und -frauen (BDS). „Der sieht allerdings die Streitschlichtung im Tür-und-Angel-Gespräch gar nicht gern, weil das in keiner Statistik auftaucht“, so Nagel.

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare