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Sonntagsausflug zwölf Kilometer lang

Über sieben Hügel musst du geh’n… – bis zum Vogler

Zwei ungleiche Brüder sind die beiden Gebirge, die gemeinsam den Naturpark Solling-Vogler bilden: Behäbig wirkt das Gewölbe des flächenmäßig viel größeren Sollings, geradezu bizarr gefaltet mit breiten und schmalen Höhenrücken, sanft oder steil eingeschnittenen Tälern und immer wieder wechselnden Landschaftsbildern dagegen der Vogler. Und doch bestehen sie beide aus dem gleichen Gestein, dem vor 200 Millionen Jahren zu Beginn des Erdmittelalters in wüstenähnlicher Landschaft gebildeten Buntsandstein. Nachdem dieses Gestein im Solling schon lange nicht mehr gebrochen wird, wurde auch am Nordostrand des Voglers in Kirchbrak der letzte Sandsteinbruch aufgelassen.

Weit schweift der Blick vom Ebersnackenturm ins Land.

Autor:

Ingeborg Müller

Aus dem heimischen Material besteht auch die rund 1000 Jahre alte Michaeliskirche von Kirchbrak. Mit ihren dicken Mauern wurde sie einst als Wehrkirche erbaut, die den Dorfbewohnern als letzter Zufluchtsort vor marodierenden Banden diente. Vieles wurde im Verlauf der Jahrhunderte verändert, Fensteröffnungen eingeschlagen, ein Gewölbe eingezogen, Orgel und Altar eingebaut. Als besonders wertvoll gelten die erst in der Mitte des vorigen Jahrhunderts freigelegten Fresken.

Legenden ranken sich um die Kirche; und in jüngerer Zeit gilt das Interesse dem Altarbild, das eine Abendmahlsszene darstellt. Da auf ihm dreizehn Jünger zu sehen sind, von denen einer ziemlich eindeutig eine Frau ist, wird es in Verbindung gebracht zu dem Bestseller „Sakrileg“ von Dan Brown. Der vertritt darin die These, dass zwischen Jesus und Maria Magdalena eine Partnerschaft bestanden habe. Davon könnte auch der Maler des Gemäldes ausgegangen sein. Doch das ist mit Sicherheit nicht der Grund dafür, dass der Pilgerweg von Loccum in Niedersachsen nach Volkenroda in Thüringen auch zur Kirche in Kirchbrak führt.

Der Vogler, dessen Kamm das Ziel dieser Rundwanderung sein soll, wird im Nordosten durch die Lenne begrenzt, die in Bodenwerder in die Weser mündet. Im Lennetal, von Bodenwerder oder von der die Münchhausenstadt umgehenden Bundesstraße 240 kommend, gelangt der Autofahrer nach Kirchbrak. Der Ort liegt am Eingang der unbewaldeten Voglermulde, in der die Dörfer Breitenkamp und Heinrichs-hagen liegen. Jeweils von beiden aus könnten wir zum Kamm gelangen. Doch wir wollen mit Auf- und Abstieg die Voglermulde umwandern und starten deshalb bereits in Kirchbrak. Dort hält der Bus der Linie 523 Bodenwerder – Stadtoldendorf der Regiobus Braunschweig GmbH, Geschäftsstelle Holzminden. Die beiden Endpunkte sind mit mehreren Linien zu erreichen. Autofahrer biegen in Kirchbrak gegenüber der Kirche in die Lehnstraße ein und durchfahren den Ort bis zu einem Platz mit Bank und einem Sandsteinblock mit einem weißen Kreuzsymbol.

Über den Vogler führt auch der Pilgerweg Loccum-Völkenroda.
  • Über den Vogler führt auch der Pilgerweg Loccum-Völkenroda.
Auch diesen Grenzstein passieren wir beim Sonntagsausflug.
  • Auch diesen Grenzstein passieren wir beim Sonntagsausflug.
Der hölzerne Aussichtsturm steht auf der höchsten Erhebung des V
  • Der hölzerne Aussichtsturm steht auf der höchsten Erhebung des Voglers. Fotos: i-r
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Über den Vogler führt auch der Pilgerweg Loccum-Völkenroda.
Auch diesen Grenzstein passieren wir beim Sonntagsausflug.
Der hölzerne Aussichtsturm steht auf der höchsten Erhebung des V
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Über den Vogler führt auch ein Pilgerweg

Ein Schild weist nach links zu einem Wanderparkplatz, der an einem parallel zur Fahrstraße in unserer bisherigen Fahrtrichtung zum Kamm führenden Forstweg an der rechten Seite liegt. Über den Vogler führt auch der Pilgerweg Loccum-Völkenroda. Diesen Weg benutzen wir jedoch nicht, sondern gehen bis zu jenem Platz zurück und wandern auf der rechts neben dem Monument ansteigenden Straße Mauseberg zu den hoch gelegenen Häusern des Ortes und an ihnen entlang bis zum Grasweg, auf dem wir nach rechts abbiegen und zum Waldrand ansteigen. Von hier aus bietet sich uns eine beeindruckende Sicht über das Lennetal bis zum Ith.

Dann führt unser Weg in den Wald in eine bewegte Landschaft mit kleinen alten Steinbrüchen, Tälern und Halden, aber auch mit Blumen und Beeren im abwechslungsreichen Mischwald. Wegweiser zum Ebersnacken, unserem ersten Ziel, begleiten uns ebenso zuverlässig wie die Beschilderung des hier ver- laufenden Pilgerwegs mit dem Zisterzienserkreuz. Unter uns liegt links das Sülpketal, das wir am Talschluss nach links umlaufen. Dann verlassen wir die Forststraße und folgen der Beschilderung auf den geradeaus führenden Weg. Jenseits des von Fichten bestandenen Hirtenbergs stoßen wir nacheinander auf zwei Kreuzungen, bei denen wir weiter geradeaus laufen.

Nach der zweiten Kreuzung, von der es nach links in das Wabachtal gegangen wäre, gabelt sich unser Wanderweg zweimal nacheinander. Wir halten uns jeweils rechts und steigen zum Görtsberg an mit einem schönen Blick über das Wabachtal.

Wieder wird uns die eigenwillige Topografie des Gebirges vorgeführt. Die Markierungen führen uns schließlich, häufig steil ansteigend, auf den Voglerkamm in unmittelbarer Nähe des links von uns liegenden Ebersnackenturms. Hier, auf der mit 460 Metern höchsten Erhebung des Gebirges, kann man sich auf den zahlreichen Sitzplätzen vom Anstieg erholen, vor allem aber vom 29 Meter hohen Holzturm, der 1990 als der bereits vierte seiner Art in einer spektakulären Hubschrauberaktion aufgestellt wurde, das auf einer Bronzetafel erklärte Panorama genießen.

Zu dem fast vier Kilometer weiter nordwestlich auf dem Kamm stehenden Bodoturm gehen wir zunächst zurück auf den Kammweg und dann auf diesem weiter – bergauf und bergab. Peter Maffays Lied fällt uns ein, auch wenn wir nicht über sieben Brücken, so doch vermutlich über sieben Hügel gehen müssen. Einige dieser „Hügel“ haben eine beachtliche Höhe, so der Hammershüttenkopf mit 430 Meter und der Schnippkopf, den wir allerdings links liegen lassen, mit 437 Meter Höhe.

Hier ändert der Kammweg die Richtung und verläuft jetzt nach Norden. Nun zweigen Abstiegswege nach links in Richtung Rühle und nach rechts in Richtung Breitenkamp ab, während wir weiter auf dem Hauptweg bleiben. Nach einer Schutzhütte gabelt sich unser Weg, wir halten uns rechts. So gelangen wir schließlich zum Bodoturm auf dem 412 Meter hohen Zimmertalskopf. Der Name des Gitterturms erinnert an Bodo von Homburg, der sich im 13. Jahrhundert um Bodenwerder (= Insel des Bodo) verdient gemacht hat. Der Blick auf seine Stadt vom Turm aus ist sehr reizvoll, deshalb sollte auch er bestiegen werden.

Beim Abstieg hinunter nach Kirchbrak können wir uns an Wegweisern orientieren. Zweimal halten wir uns bei Gabelungen rechts, dann überqueren wir eine Forststraße und erreichen die sogenannte Sausuhle, die wir gegebenenfalls rechts umgehen können. Über den Breitenkamper Berg erreichen wir den Waldrand oberhalb von Kirchbrak und sehen jetzt unter uns links das Rittergut Westerbrak mit seinen Gebäuden aus rotem Sandstein und rechts Kirchbrak liegen. Bei einer Gabelung führen Wege zu beiden Orten. Ein anrührender Gedenkstein erinnert an die Gefallenen von 1813. Lohnend ist von hier aus noch einmal der Blick über das Lennetal. In Kirchbrak gehen wir auf der Straße Schiefe Halbe nach links und biegen jenseits der Voglerstraße nach rechts in den Fußgängerweg ein, der uns direkt zur Lehnstraße und dort noch einmal nach rechts zurück zum Parkplatz bringt.

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