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Bad Pyrmont und Polle sprechen über Problemlösungen

Über Grenzen hinweg: Eine Schule für die Hochebene?

Bad Pyrmont (uk). Grundschulen sind für Eltern wichtig. Ihr Vorhandensein kann darüber entscheiden, ob sich eine Familie an einem Ort niederlässt. Wird die Schule geschlossen, fällt damit auch ein wichtiges Kriterium für diese Entscheidung weg, die Proteste sind vorprogrammiert. Doch in Zeiten zurückgehender Schülerzahlen stehen die Städte und Gemeinden als Schulträger in vielen Orten vor der Frage, wie es mit kleinen Schulen weitergeht. Die Stadt Bad Pyrmont und die Samtgemeinde Polle suchen zurzeit gemeinsam nach einer Lösung, wie sie ihre Schulen in Baarsen und in Ottenstein erhalten können, getreu dem Grundsatz: „Kurze Beine, kurze Wege.“

Willi Bost, Samtgemeindebürgermeister in Polle, weiß, dass die Schule in Ottenstein mittelfristig zum Problemfall wird. Noch ist sie einzügig, mehr als 65 Schüler aus Ottenstein, Lichtenhagen und Glesse sorgen für vier Schulklassen mit fünf Lehrern. „Im Jahr 2016 haben wir nach den Prognosen aber nur noch 40 Schüler, und das reicht dann für die Einzügigkeit nicht mehr aus“, so Bost.

Zurzeit werden 50 Schüler aus Kleinenberg, Großenberg, Neersen, Baarsen und Eichenborn per städtischem Fahrdienst nach Baarsen gebracht und dort von vier Lehrern in vier Klassen unterrichtet. Doch schon gibt es laut Bürgermeisterin Elke Christina Roeder dort Kombiklassen, und in den nächsten Jahren würden die Zahlen „grenzwertig“. Das Schuljahr 2013/14 ist mit 22 Einschulung noch einmal ein Ausreißer, aber für das Jahr darauf werden nur noch 8 Einschulungen prognostiziert. Auch dort sei die Einzügigkeit gefährdet, so Roeder.

Noch ist nichts entschieden, die Gespräche aber laufen. Die Lösung könnte eine gemeinde- und kreisübergreifende Lösung sein, die auf eine Schule für die gesamt Ottensteiner Hochebene mit nur noch einem Schulleiter hinaus läuft, denn für so eine Schule gäbe es genügend Kinder. „Ziel ist es, den Schulstandort für die Hochebene insgesamt zu erhalten, wie immer diese Schule auch gestaltet sein wird“, betont Roeder. Ein Jahrgang könnte zum Beispiel in Baarsen, der nächste in Ottenstein eingeschult werden, so wie es schon in Thal und Löwensen praktiziert wird.

... und Ottenstein. Fotos: ubo

Eine Möglichkeit dafür wäre eine gemeinsame Schulträgerschaft. Das niedersächsische Schulgesetz sieht das nicht zuletzt vor den Notwendigkeiten des demografischen Wandels ausdrücklich vor. „Dafür müssten die beiden Kommunen einen Zweckverband gründen“, so Dr. Christian Zachlod von der Niedersächsischen Landesschulbehörde. „Die Entscheidung über einen Schulstandort ist ausschließlich eine Angelegenheit der Schulträger“, betont er. „Wir greifen grundsätzlich erst ein, wenn die Schülerzahl einer gesamten Schule unter 15 sinkt.“ Der Wunsch der Eltern, ihre Kinder im eigenen Dorf unterrichten zu lassen, sei zwar verständlich, aber auch zweischneidig. „Arbeitsgemeinschaften oder bestimmte Kurse können in zu kleinen Schulen nicht mehr stattfinden“, so Dr. Zachlod.

Ein anderer möglicher Weg wäre es, den Schulbezirk so zu gestalten, dass er beide Schulstandorte umfasst. Dann könnte eine Kommune als Schulträger fungieren. Doch wie immer entschieden wird – vorher soll die Elternmeinung eingeholt werden. „Was ist Elternwille und was ist sinnvoll für die Kinder?“ bringen sowohl Roeder als auch Bost ihren Ansatz auf den Punkt. Dass Bost noch in diesem Jahr eine grundsätzliche Entscheidung will, begrüßt seine Kollegin in Bad Pyrmont ausdrücklich. „Wir müssen wissen, woran wir sind!“

Doch auch wenn Bost ebenfalls eine Lösung für die ganze Hochebene möchte, so hat er doch noch eine weitere Option: Er denkt vor dem Hintergrund der zum Jahreswechsel anstehenden Fusion seiner Samtgemeinde mit der Samtgemeinde Bodenwerder auch über eine kommunale Binnenlösung nach – eine Kooperation mit der Grundschule Hehlen.

Im Fall von Bad Pyrmont und Polle ist der Gedanke, die interkulturelle Zusammenarbeit auch auf schulischem Gebiet ins Auge zu fassen, durch die einstige „Argarstrukturelle Entwicklungsplanung Ottensteiner Hochebene“ entstanden – und zwar schon vor längerer Zeit. „Wir dürfen nicht bis zum letzten Tag warten bis die Not groß ist, sondern schon früh nach einer vernünftigen Lösung suchen“, betont Bost. Das dürfte für alle Probleme des demografischen Wandels gelten.




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