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Pastor Dirk Gniesemer: "Ich will Begegnungen mit Menschen, die in einer Gemeinde leben"

Über die Liebe zur Orgelmusik in die Kirche gekommen

Oft, wenn man Pastoren fragt, wie sie den Weg in ihren Beruf gefunden haben, erzählen sie davon, dass sie bereits als Jugendliche intensiv am Leben ihrer Gemeinde teilnahmen, den Bibelkreis besuchten, Kindergottesdienste vorbereiteten. Für Dirk Gniesemer (45), neuer Pastor im Johannes-Kirchzentrum, war es vor allem die Liebe zur Klavier- und Orgelmusik, die ihn mit der Kirche verband.

Autor:

Cornelia Kurth

"Ich wollte unbedingt Orgel spielen lernen", sagt er. "Und die Orgel steht nun mal in der Kirche!" Bald schon durfte der begabte Junge die Gottesdienste musikalisch begleiten und es blieb nicht aus, dass er sich mit dem Pastor immer häufiger über religiöse Fragen unterhielt. "Am meisten aber hat mich der tolle Religionsunterricht an unserer Schule beeindruckt!" Mit dem Religionslehrer war es möglich, offen über all die Fragen diskutieren, wo sture, festgefahrene Antworten aufkeimendes Interesse schnell erschlagen können. Wie wörtlich muss man die Wundergeschichten der Bibel nehmen? War Jesus Christus eine historisch auffindbare Person? Kann man überhaupt nach den Worten der Bergpredigt leben? "In dieser Zeit ist in mir die Neigung gewachsen, mich intensiv mit der Bibel zu beschäftigen, mit der Art, wie man sie lesen und verstehen kann. Was es überhaupt bedeutet, zu glauben." Gleich nach dem Abitur, das er in Ahlfeld machte, belegte Dirk Gniesemer Ferienkurse in den alten Sprachen Griechisch, Latein und Hebäisch, und ging dann gut vorbereitet für zwei Jahre an die Kirchliche Hochschule Bethel, bevor er sein Theologiestudium an der Universität Marburg fortführte. Wenn er von dieser Zeit erzählt, spürt man sofort, wie intensiv alles für ihn gewesen muss, nicht nur die immer weiter fortgeführte Auseinandersetzung mit der Frage, wie man das "Wort Gottes" angemessen auslegen kann, sondern auch die Einmischung der Theologen in politische Fragen. Seine Studienjahre waren ja die frühen80-er Jahre mit der Anti-Atomkraftbewegung, der Nachrüstungsdebatte, der kirchlichen Friedensbewegung. "Wir lasen die Propheten und das ?Schwerter zu Pflugscharen', wir nahmen uns auch den Koran vor. Wir wollten die Bibel als ein Buch sehen, das mit unserem Alltag zu tun hat." Seine Doktorarbeithatte einen geradezu literaturwisschaftlichen Charakter, ging es doch um die Interpretation der Art und Weise, wie der Evangelist Johannes die Geschichte rund um den Prozess gegen Jesus erzählt, wie er das Geschehen "inszeniert". "Ich habe das nicht als einen historischen Text gelesen, sondern eher wie einen literarischen, rhetorischen, politischen Text: ?Was soll Johannes Erzählung beim Leser bewirken, was für eine Intention steht dahinter?'" Kein Wunder, dass Dirk Gniesemer ernsthaft mit dem Gedanken spielte, an der Universität zu bleiben, und tatsächlich, nach seinem Vikariat in Hameln, kehrte er noch einmal für fünf Jahre als Dozent nach Marburg zurück. "Und doch, die Arbeit für die Gemeinde in Hameln hat mir sehr zugesagt", meint er. "Hauptberuflich an der Uni? Nein - ich hatte keine Lust, nur Spezialfragen für Spezialisten zu beantworten. Ich will Begegnungen mit Menschen, die in einer Gemeinde leben." Und so war er erst Pastor in Garbsen und kam dann im Dezember 2007, eine Woche vor Weihnachten, als Nachfolger des Ehepaares Sander nach Rinteln, zusammen mit seiner Frau, der Musikpädagogin Anke Gniesemer-Kaspari, und den drei Kindern der Familie und stürzte sich gleich mit viel Elan in die Gemeindearbeit. "Was mich auch freut ist, dass hier eine gute Chance für die Zusammenarbeit der Rintelner Kirchengemeinden besteht", sagt er. "Wir Pastoren sind ja alle relativ neu hierund ungefähr gleich alt." Seine Hobbys, das Sammeln von Briefmarken mit theologischen Motiven, aber auch das Auffinden von Orchideen in den heimischen Wäldern, die müssen wohl noch ein bisschen warten, bis er sie wieder mit gewohnter Energie aufnehmen kann. "Die Zeit in Rinteln ist bisher wie im Flug vergangen", meint er. "Ich muss erst mal dazu kommen, die letzten Bücherkisten auszupacken." Wenn das geschafft ist, dann ist er wirklich angekommen.




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