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TrotzÖlpreisbindung: Stadtwerke senken Gaspreise nicht / Gewinner sind die Heizölverbraucher

Ölpreis im freien Fall - Gaskunden gelackmeiert

Landkreis (crs). Der Rohölpreis befindet sich im freien Fall, Heizöl ist günstig wie lange nicht mehr - allein die Gaspreise stagnieren auf hohem Niveau. Und das ausgerechnet zum Beginn der Heizperiode. Argumentierten die Energieversorger bei den Preissteigerungen der vergangenen Monate mit von außen auferlegten Zwängen durch die Ölpreisbindung, sind es jetzt die langfristigen Abnehmerverträge, die eine schnelle - und damit verbraucherfreundliche - Reaktion auf den Markt verbieten: Frühestens zu Jahresbeginn 2009 wollen die Stadtwerke Rinteln über eine Senkung der Gaspreise nachdenken, die Stadtwerke Schaumburg-Lippe sehen gar vor dem 1. April keine Chance. Unterdessen können sich die Heizöllieferanten vor Anfragen kaum retten.

"Die Gaspreise können nur mit zeitlicher Verzögerung angepasst werden", verweist Jürgen Peterson als Geschäftsführer der Stadtwerke Rinteln auf das schwerfällig reagierende System der Ölpreisbindung. Was bedeutet: Die Stadtwerke wollen mit einer Preissenkung warten, bis ihre eigenen Bezugskosten gesunken sind. Wegen der langfristigen Vertragsgestaltung - die, so betont Peterson, bei steigenden Ölpreisen schließlich auch dem Verbraucher zugutegekommen sei - ist der nächste Anpassungstermin bei den Bezugspreisen erst für Januar angesetzt. Peterson verspricht: "Wenn die Entwicklung der Ölpreise so weitergeht, werden auch die Gaspreise sinken - so schnell wie möglich." Ähnlich sieht die Situation bei den Stadtwerken Schaumburg-Lippe aus. Der neue Geschäftsführer Eduard Hunker hatte zur Amtseinführung vor zwei Wochen stabile Preise versprochen - sinkende Preise aber sind für ihn vorerst ausgeschlossen: "Vor dem 1. April ist da nichts zu machen." Erst dann hätten die Stadtwerke Schaumburg-Lippe ihrerseits e ine Chance auf Senkung der Bezugskosten: "Wenn der Trend sich fortsetzt, geben wir das an den Verbraucher weiter." Aber erst zum Ende der Heizperiode. Von politischer Seite dürfen die Verbraucher auf wenig Druck hoffen: Die Aufsichtsräte beider Stadtwerke schließen sich dieser Argumentation an. "Ab Jahresende können wir eine Preissenkung diskutieren, alles andere wäre Populismus", verweist Rintelns Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz als Aufsichtsrats-Chef der Stadtwerke Rinteln darauf, dass diese wirtschaftlich arbeiten müssten. Auch Bückeburgs Bürgermeister Reiner Brombach bewertet das Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und Verbraucherfreundlichkeit als "schwierig", will die Gaspreise aber zum Gegenstand der nächsten Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke Schaumburg-Lippe machen: "Ich gehe davon aus, dass wir sehr schnell agieren können." Während die Gaskunden auf sinkende Preise allenfalls gegen Ende des Winters hoffen dürfen, können Heizölkunden schon jetzt von den niedrigen Weltmarktpreisen direkt profitieren. 72,23 Cent inklusive Steuern kostet der Liter Heizöl aktuell bei Michael Hattendorf in Lindhorst - eine entsprechend anstrengende Woche hat der Heizöllieferant hinter sich. Der Handel habe alle Aufträge mit in den Herbst genommen, wegen der hohen Heizölpreise im Sommer: "97 Cent konnte ja keiner zahlen." Mit der Drosselung der OPEC-Förderquote hatten etliche Kunden jetzt aber einen erheblichen Preissprung befürchtet: "Aufgescheucht und erschreckt" seien die Verbraucher, sagt der Inhaber der Otto Hattendorf GmbH, "dabei kann der Endverbraucher ganz ruhig und gelassen in den Winter gehen." Die geringere Fördermenge fange lediglich den deutlich geringeren Bedarf durch die Wirtschaftskrise in den USA auf, die Preise blieben stabil: "Was da von vielen reininterpretiert wird, ist unerträglich." Auch Sebastian Thiemann von der Raiffeisen-Warenabteilung der Volksbank in Schaumburg bestätigt eine "enorme" Nachfrage nach Heizöl: "So etwas habe ich hier noch nicht erlebt, mehr zu tun haben kann man gar nicht." Viele Kunden hätten lange mit der Order gewartet, entsprechend schnellen jetzt mit den Bestellungen auch die Lieferfristen nach oben: Bis zu acht Wochen müssen Volksbank-Kunden derzeit auf das Heizöl warten, das gestern pro Liter 71,34 Cent kostete.




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