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Jörg Schröder: Verwaltung denkt noch nicht über Abschaffung nach / Ursula Helmhold: Nicht zeitgemäß

Ärgernis Brenntag - Bürger beschweren sich

Rinteln (wm). Der letzte Brenntag für dieses Frühjahr war am vergangenen Sonnabend, und viele Rintelner atmen jetzt auf. Denn die Brenntage sind für viele inzwischen ein Ärgernis, wie Telefonanrufe in der Redaktion dokumentieren. Auch Jörg Schröder, Erster Stadtrat in der Stadtverwaltung, bestätigte, in der Verwaltung seien ebenfalls - vor allem am ersten Brenntag in diesem Jahr - Beschwerden, meist von Nachbarn, eingegangen.

EinÄrgernis, das gleich mehrere Gründe hat: Viele Gartenbesitzer halten sich nicht an die Auflagen, vor allem nicht an den geforderten Mindestabstand zu den nächsten Häusern, wenn sie ein Feuer anstecken. Und viele wissen offensichtlich gar nicht mehr, wie man so etwas fachmännisch anstellt. Mit der Folge, dass komplette Dörfer stundenlang hinter dichten Rauchschwaden verschwinden. Obwohl das Verbrennen von Müll in den Gartenfeuern verboten ist, verrät manche Rauchfahne, dass es nicht nur Heckenschnitt ist, der in den Flammen schmurgelt. In Engern wurde ein Grundeigentümer beobachtet, der ein altes Sofas "heiß" entsorgte, in Hohenrode verwertete ein Grundeigentümer diverses Bauholz "thermisch". Am ersten Brenntag in diesem Jahr wurde gekokelt, obwohl es am Vortag geregnet hatte - und wenn nasses Holz glimmt, ist das alles andere als umweltfreundlich. Für viele Bürger unverständlich, weil gerade, um das zu vermeiden, mehrere Brenntage eingerichtet worden sind. Weil sich diese Probleme landauf, landab gleichermaßen stellen, haben viele Gemeinden inzwischen begonnen, über ein Verbot der Brenntage nachzudenken - wie man auch im Internet nachlesen kann. In Springe beispielsweise hat der Bürgermeister die Initiative ergriffen und will das Thema auf die Tagesordnung setzen. Die Gemeinde Wedemark hat bereitsein grundsätzliches Qualm-Verbot ausgesprochen. Auch in anderen Bundesländern ein Thema: So tritt die SPD-Abgeordnete Bianka Kachel in Halle für ein generelles landesweites Brennverbot ein. In Rinteln, erläuterte Jörg Schröder, sei es noch nicht soweit. Es gebe zurzeit keine entsprechende Ratsvorlage oder Verwaltungsinitiative. Ursula Helmhold, Ratsdame der Grünen wie Landtagsabgeordnete, betonte, bei ihr "renne jeder offene Türen ein", der sich für ein Verbot der Brenntage einsetzen würde. Denn Brenntage passten nicht mehr in unsere Zeit. Niemand sei angesichts der Angebote vom Kompostplatz bis hin zur großen Biotonne tatsächlich darauf angewiesen, seinen Grünschnitt abzufackeln. Viele Gartenbesitzer haben sich längst Häcksler angeschafft und stellen selber Mulch her. Nicht ohne Ironie: Die Tage mit der höchsten Feinstaubbelastung in Rinteln, die die Bürgerinitiative gegen eine Müllverbrennung im Kraftwerk Veltheim eigentlich dem Kraftwerk anlasten wollte, sind nachweislich die Tage, an denen in Rinteln "gebrannt" wird - und die Ostertage, wegen der Osterfeuer.

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