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90-Jähriger veröffentlicht Buch über Rodenberger Braukunst

RODENBERG. Die Geschichte der Menschheit und jene des Bieres sind eng miteinander verknüpft. Sehr eng sogar, wie Experten sagen würden. Dies trifft insbesondere auf die Deisterstadt zu. Ein Buch zu diesem Thema hat der Rodenberger Hans Heinrich Hartmann veröffentlicht.

Autor:

Andrea Göttling

Einstmals brauten die 58 brauberechtigten Bürger von Rodenberg die unglaubliche Menge von zwei Millionen Litern Bier pro Jahr“, heißt es im Klappentext des Druckwerks „Kinkeldey-, Bock- und Weiberbier“. Die einstige wirtschaftliche Bedeutung der Deisterstadt sei ohne das Bierbrauen nicht denkbar gewesen, bewertete Hartmann.

Den Grundstein zu diesem Erfolg legte das Bierbann-Privileg, welches Graf Adolf von Schaumburg im Jahr 1322 aussprach. Kurz gesagt: In einem gewissen Umkreis durfte nur Bier aus Rodenberg verkauft werden, wer anderen Gerstensaft anbieten wollte, musste dafür ordentlich draufzahlen.

Als eine Folge des wirtschaftlichen Erfolgs bezeichnete Chronist Adolf Mithoff die „Trunksucht“, was Hartmann wiederum ebenfalls aufgriff. Um 1550 gehörte es demnach zum Stadtbild dazu, dass Männer die Volltrunkenen auf Karren in ihre Wohnungen oder in öffentliche Unterkünfte schafften – und zwar auf Kosten der Stadt. Als bemerkenswert empfindet es der Autor, dass die Volltrunkenheit rund 100 Jahre später nicht mehr gebilligt wurde. 1654 verschärfte der Rat die Sitten. Wer seinen Rausch auf der Straße ausschlafen wollte, verbrachte die Nacht stattdessen im Gefängnis. Die gesamte hiesige Gesellschaft sei von dem Bier-Thema durchdrungen gewesen, führte Hartmann während der Buchpräsentation aus.

Das Interesse an Geschichte begleitet den Autoren schon seit seiner Kindheit. Hartmann wird in wenigen Tagen 91 Jahre alt. Mit der Buchveröffentlichung gelang ihm wohl eine Besonderheit, wie Herausgeber Rudolf Zerries schmunzelnd bemerkte: „Wer hat schon ein Erstlingswerk mit 90 Jahren?“ Publiziert hat der Autor damit zwar zum ersten Mal, die historische Arbeit ist ihm indes keineswegs fremd. Der Rodenberger stellte bereits die Geschichte des Familienbetriebs Hartmann Bedachungen zusammen, die 1911 seinen Anfang nahm.

„Das Büchlein ist ausschließlich in der Pandemie entstanden“, sagt Zerries. Im Februar sei Hartmann mit einem Ordner auf ihn zugekommen. Die Informationen hatte der Autor zunächst nur für den Familienkreis zusammengestellt. Zerries habe dann die Idee gehabt, ein Buch zu erstellen und zu drucken. Den Rodenberg-Verlag hatte er 2019 aber abgemeldet. Geschäftsinhaber Lars Pasucha tritt deshalb als Verleger auf. Vertrieben wird das Buch über die Deisterbuchhandlung. Das Büchlein kostet 6,50 Euro. Es handelt sich um den fünften lokalhistorischen Band des Verlags, die älteren Werke sind noch erhältlich.göt




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