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Geldstrafe und Führerscheinsperre

79-Jähriger mit Alkohol am Steuer - Fahrerflucht

Stadthagen (menz). Mit fast 80 Jahren hat ein Stadthäger zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Strafgericht gemacht. Der Rentner wurde am Amtsgericht wegen Fahrerflucht im Zusammenhang mit Alkohol am Steuer zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt. Außerdem wurde er mit einer Führerscheinsperre von vier Monaten belegt.

Der 79-Jährige hatte sich im März 2006 beim Einparken in eine enge Parklücke gehörig verschätzt und war an einem anderen Fahrzeug entlanggeschrammt. Er verursachte dabei einen Schaden von rund 1200 Euro, wie ein Gutachter später schätzte. Einen Zeugen, der den Autofahrer auf die Macken im fremden Wagen hinwies, hatte der Mann kurzerhand stehen lassen und war davongefahren. Der zufällige Beobachter informierte die Polizei, die von dem Rentner mit einer Alkoholfahne empfangen wurde. Nachtrunk, erklärte der Mann dazu. Eine Behauptung, die der Gutachter in der Gerichtsverhandlung relativierte. Der Gerichtsmediziner hatte errechnet, dass der Senior bei der Kollision einen Blutalkoholwert von mindestens 0,6 Promille gehabt haben muss. Nebenbei äußerte der Fachmann Bedenken, ob der alte Herr noch fahrtüchtig sei, "unabhängig ob alkoholisiert oder nicht". Der Rentner hatte an der Verhandlung nicht teilgenommen und ein Attest seines Arztes vorgelegt, das diverse gesundheitliche Einschränkungen aufzählte. Verteidiger Dieter Wissgott legte "großen Wert" darauf, dass das Gericht nicht "das Forum" sei, das über die generelle Fahrtüchtigkeit seines Mandanten zu befinden habe. "Auf die Persönlichkeitsstruktur kommt es an" rückte der Rechtsanwalt gesundheitliche Aspekte in den Hintergrund und beschrieb seinen Mandanten als "vitalen Mann,der mit beiden Beinen im Leben steht". Auch von einer relativen Fahruntüchtigkeit mit 0,6 Promille wollte Wissgott nichts wissen, bei dem Vorfall habe "das Alter eine gewisse Rolle gespielt, nicht der Alkohol". Weder die Fahrweise lasse nicht "zwingend auf Alkohol schließen", noch das Verhalten nach der Kollision. Sein Mandant habe den Stoß gar nicht bemerkt, argumentierte Wissgott und stellte sogar den Beweisantrag, dazu einen Gutachter zu hören. Dass der Rentner auf die Ansprache des Zeugen nicht eingegangen war, erklärte der Anwalt mit "Altersstarrsinn". Der ältere Herr sei uneinsichtig gewesen, weil er sich subjektiv komplett unschuldig gefühlt habe. Einzig ein Verstoß gegen das Straßenverkehrsgesetz mochte der Anwalt am Ende gelten lassen, der mit 500 Euro zu ahnden sei. Strafrichterin Gönna Freifrau von Blomberg hat der Rechtsanwalt mit seinem Plädoyer nicht überzeugen können. Alter, gesundheitliche Probleme, und Medikamente sah die Richterin als Faktoren, die die "generelle Leistungsfähigkeit" beeinträchtigten. Sie hatte unter diesen Vorzeichen keinen Zweifel, dass der Mann "alkoholbedingt" nicht fahrtüchtig war. Sie war sicher, dass der Autofahrer die Kollision bemerkt hatte und gerade deshalb nach kurzem Stopp auf dem Parkplatz gleich weitergefahren sei. "Wie es (nach Ablauf der Sperrfrist) mit dem Führerschein weitergeht, muss ich hier nicht entscheiden", schloss die Richterin die Verhandlung. Für die Wiedererteilung der Fahrlizenz ist der Landkreis zuständig und man kann annehmen, dass die Behörde zuvor ein ärztliches Gutachten einfordern wird. Falls der Autofahrer nicht sowieso freiwillig auf den Führerschein verzichtet.

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