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Angeklagter soll Jungen (9) in Wohnung missbraucht haben

72-jährigem Stadthäger droht hohe Haftstrafe

Stadthagen (ly). Um eine hohe Haftstrafe für einen mutmaßlichen Kinderschänder geht es in einem Missbrauchsprozess, der vor der 1. Großen Jugendkammer am Bückeburger Landgericht begonnen hat. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft erscheint zudem Sicherungsverwahrung denkbar. Angeklagt ist ein 72-Jähriger aus Stadthagen. Auf schweren sexuellen Missbrauch von Kindern steht bis zu 15 Jahre Haft.

Im Sommer 2003 soll der Mann einen damals neun Jahre alten Jungen in seine Wohnung gelockt haben. Dort, so heißt es in der Anklageschrift von Staatsanwalt Malte Rabe von Kühlewein weiter, sei das Kind zunächst von hinten umfasst und festgehalten worden, "dass es kaum noch Luft bekam". Was er vorhabe, "wird nicht schlimm", soll der Stadthäger dem Schüler erklärt haben. Dessen Lage sei angesichts der leeren Nachbarwohnung aussichtslos gewesen, weshalb der Junge sich ruhig verhalten habe. Zu einem Eindringen in den Körper kam es nach Erkenntnissen der Ermittler nicht. "Der Angeklagte handelte aus einem pädophilen Hang", glaubt Rabe von Kühlewein. Fest steht, dass der 72-Jährige wegen sexuellen Missbrauchs bereits viermal rechtskräftig zu längeren Freiheitsstrafen verurteilt worden ist, zum ersten Mal 1979, zuletzt im Jahr 1997. Deshalb könnte der Stadthäger jetzt bei einem erneuten Schuldspruch zum Fall für die Sicherungsverwahrung werden. In Untersuchungshaft sitzt er seit August vergangenen Jahres. Zu den Vorwürfen äußert sich der Angeklagte bisher nicht. Beim Prozessauftakt hat das Gericht dieÖffentlichkeit gestern nach der Verlesung der Anklageschrift ausgeschlossen. Auch der mutmaßliche Täter musste den Saal verlassen, bevor der Junge vernommen wurde. Sonst sei zu befürchten, dass dieser nicht die Wahrheit sage, wie es in einer von Richterin Birgit Brüninghaus verlesenen Begründung hieß. Nach der Vernehmung gab Brüninghaus in öffentlicher Sitzung bekannt, dass der Zeuge den Vorwurf bestätigt habe. Im Vorfeld des Prozesses hatte der heute 14-Jährige angekündigt, in Anwesenheit des alten Mannes schweigen zu wollen. Eine Psychologin, die ein Gutachten über die Glaubwürdigkeit des Jungen erstellen soll, beschreibt diesen als "in sich verschlossen". Teilweise habe er kein Wort herausgebracht. Vor dem Angeklagten habe der Jugendliche bisheute "große Angst"'. Als zweiter Prozessgutachter soll ein Psychiater offenbar vor allem beurteilen, ob von dem 72-Jährigen, der wiederholt rückfällig geworden ist, eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht. Sicherungsverwahrung dient dem Schutz der Bevölkerung vor gemeingefährlichen Straftätern. Grundsätzlich ist diese Maßregel unbefristet. Mindestens alle zwei Jahre muss aber geprüft werden, ob weiterhin die Gefahr rechtswidriger Taten besteht. Sicherungsverwahrung beginnt nach der Haft.



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