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7200 Euro für mündersche Ärzte

BAD MÜNDER. 7200 Euro haben mündersche Ärzte und Kliniken im vergangenen Jahr von der Pharmaindustrie erhalten. Nachzulesen ist dies im Internet.

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Autor:

Mira Colic

Der Essener Rechercheverbund Correctiv hat dort die Daten von mehr als 20 000 Ärzten, die ihre Zustimmung zur Veröffentlichung gegeben haben, zusammengestellt. Auf einer interaktiven Karte können Interessierte nachschauen, welcher Arzt oder welche Klinik in ihrer Umgebung Geld bekommen hat.

Der Eimbeckhäuser Allgemeinmediziner Henning Stolte, der außerdem Vorsitzender des Ärztenetzwerks Bad Münder ist, setzt auf Transparenz: „Ich habe nichts zu verstecken.“ Deswegen habe er sich auch mit der Veröffentlichung seiner Daten einverstanden erklärt. Die aufgeführten 309 Euro seien Reisekosten gewesen, die er ebenso wie einer seiner Kollegen für die Teilnahme an einem großen Hausarztkongress erhalten habe. Eine Reihe von Fortbildungen, die von der Ärztekammer zertifiziert sind, werde nun mal von Pharmafirmen angeboten. „Würden diese Veranstaltungen wegfallen, wäre dies ein großer Verlust. Niedergelassene Ärzte seien verpflichtet, jährlich an einer gewissen Anzahl von Fortbildungen teilzunehmen.“

Auch drei Mitarbeiter der Deutschen Klinik Bad Münder tauchen auf der Liste im Internet auf. 5400 Euro für Reisekosten, Honorare und Spesen haben die Ärzte demnach im vergangenen Jahr erhalten. Dr. Elmar Breitbach, Leiter der Einrichtung in Hannover, findet die Offenlegung der Daten grundsätzlich positiv, die Verfahrensweise aber „unbefriedigend“. Ihm wäre eine Auflistung aller Ärzte lieber. Dabei sollten auch die aufgeführt werden, die kein Geld bekommen haben. „Das ist keine Auszeichnung, aber ich tauche in der Liste nicht auf, weil ich zufällig im vergangenen Jahr kein Geld bekommen habe.“ Nur knapp 30 Prozent der Ärzte haben den 54 Pharmaunternehmen ihr Einverständnis gegeben, dass ihre Vortrags- und Beratungshonorare, Tagungsgebühren und Reisespesen veröffentlicht werden dürfen.

Allein die Auflistung des Geldes sage nichts darüber aus, wofür das Geld geflossen sei, kritisiert Breitbach: „Wenn ein Arzt 200 000 Euro für eine Studie bekommt und von dem Geld Mitarbeiter bezahlt, dann ist da nichts Anrüchiges dran.“ Tatsächlich ist ein Mediziner aus Essen mit dieser Summe Spitzenreiter unter den bekannten Geldempfängern.

Erst vor Kurzem habe es für die medizinischen Fachangestellten der Klinik eine Fortbildung gegeben, erklärt Breitbach. „Natürlich kann man sich fragen, warum wir das nicht selbst bezahlen.“ Aber ihm gehe es darum, klarzustellen, dass das Geld nicht verschleudert werde. Auch Stolte würde sich ein einheitliches System wünschen. Beide Ärzte warnen davor, jetzt alle Kollegen, die nicht auftauchen, unter Generalverdacht zu stellen.

Auf der Liste taucht auch die Deister-Süntel-Klinik auf – dort sind 567 Euro für Sponsoring und Honorare geflossen, eine Ärztin der Einrichtung hat Reisekosten in Höhe von 659 Euro erhalten. „Wir haben im vergangenen Jahr unsere ,Herzwochen‘ von einem Unternehmen sponsern lassen“, erklärt Dr. Peter Mäckel die Sponsorengelder. Ansonsten lasse sich die Klinik keine Fortbildungen für das Personal bezahlen. „Wenn ich aber für das Ärztenetzwerk Bad Münder vier Mal im Jahr Fortbildungen organisiere, versuche ich Firmen zu gewinnen, die sich an den Kosten für den Referenten beteiligen“, sagt Mäckel, der im Vorstand der Vereinigung sitzt. Dabei achte er jedoch strikt darauf, sich von den Unternehmen keine Themen vorgeben zu lassen.

575 Millionen Euro sollen der Liste nach 2015 an mehr als 71 000 Ärzte und Apotheker sowie 6200 medizinische Einrichtungen gegangen sein.

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