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Meierhof in Achum ist beim "Tag des offenen Denkmals" einer der zahlreichen Publikumsmagneten

600 Jahre alte Eichen tragen eine schwere Last

Achum (jaj). Was sagt uns das Baujahr eines Gebäudes? Zum einen sicherlich den Zeitpunkt der Errichtung, doch es gibt uns auch Auskünfte über die verwendeten Baustoffe. Und dass diese häufig viel älter sind als das Haus an sich, zeigt der Meierhof in Achum. Die Dielenbalken des Haupthauses sind ungewöhnlich groß und aus Eichenholz gefertigt. Um Balken in dieser Größe zu bekommen, müssen die Bäume bei der Verarbeitung etwa 200 Jahre alt sein. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die betreffenden Eichen bereits Mitte des 15. Jahrhunderts angefangen haben müssen zu wachsen. Und immer noch tun sie ihren Dienst und tragen eine tonnenschwere Dachlast.

Das Haupthaus des Hofes wurde 1649 errichtet, nachdem der Hof zuvor bei einem Feuer zerstört worden war. Dies ist einem Schreiben der Amtsverwaltung Bückeburg vom 20. Mai 1639 zu entnehmen, in welchem es heißt, "Der Meyer (sei) abgebrannt". Der Hof ist dann 1649 in den Besitz der Familie Schütte übergegangen, in welchem es sich seither befindet. Renate und Heinrich Schütte haben das Gebäude in den Jahren 2002 und 2003 umfangreich saniert. Den Ausschlag für diese Sanierung gab eigentlich der Tag des offenen Denkmals 2001. Schon damals wurde die Familie gefragt, ob sie ihr - noch - unsaniertes Haus nicht auch für Interessierte öffnen wolle. Sie wollte nicht. Aber das Interesse am Denkmalschutz war geweckt. Doch wozu solch ein großes Haus renovieren? "Wir wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie wir es nutzen würden. Fest stand nur, dass es kein Wohnraum wird", erinnert sich Renate Schütte. Und so begann die Familie dann mit Unterstützung des Ingenieurbüros Wehmeyer mit der Sanierung des Gebäudes. Es stellte sich heraus, dass erstaunlich viel Originalsubstanz die letzten 350 Jahre überstanden hatte. Die Wände waren alle noch an der ursprünglichen Stelle erhalten, das Kammerfach in erstaunlich gutem Zustand. Nur an der Westseite mussten Balken erneuert werden. Da das Gebäude im Laufe der Jahre durch den schwachen Untergrund ungleichmäßig abgesackt war, wurde es nahezu vollständig entkernt und dann hydraulisch um bis zu 20 Zentimeter angehoben. Seit dem Abschluss der Sanierung betreibt die Familie in ihrem Haus ein Dielencafé. Die Diele bietet dazu genug Platz. Sie zählt mit etwa 220 Quadratmetern Grundfläche sicherlich zu den größten ihrer Art. Ein genauerer Blick zeigt, wie gut man die ursprünglichen Gegebenheiten für neue Zwecke nutzen kann. In dem Vorsprung des heutigen Barbereichs war früher der Pferdeknecht untergebracht. In dem ehemaligen Kuhstall befindet sich heute "Omas Ecke", eine gemütliche Sitzgruppe. Die ursprüngliche Nutzung durch das Vieh ist dort noch durch einige Scheuerstellen im Fachwerk erkennbar. Und auch Hinweise auf den alten Pferdestall gibt es: Zum Schutz des Bodens sind an der Ost- und Südseite, dort wo der Stall früher untergebracht war, Brüstungsbohlen in den Wänden erkennbar, die das Fachwerk unterbrechen. Dass so eine Renovierung immer wieder auchÜberraschungen bringt, zeigt der alte Schriftbalken, der heute über der Bar angebracht ist. Er wurde während der Arbeiten versteckt in einem anderen Teil des Hauses gefunden und dann aufgearbeitet. Probleme, die mit dem Denkmalschutz des Gebäudes zusammenhängen, gab es während der Sanierung nicht. "Wir hatten eine super Verbindung mit der zuständigen Behörde. Es wurden immer Kompromisse gefunden, mit der beide Seiten zufrieden waren", beschreibt Renate Schütte das Verhältnis. Die Qualität der Sanierung zeigt auch die Ehrenplakette, die der Familie 2005 vom Schaumburg-Lippischen Heimatverein verliehen wurde. Termin: Am "Tag des offenen Denkmals" am Sonntag, 14. September, ist der Meierhof von 10 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet. Schautafeln zeigen und beschreiben die Schritte der Sanierung. Ein Mitarbeiter des Ingenieurbüros steht für Erläuterungen zur Verfügung. Mittags wird herzhaftes Essen angeboten, um 12 und 15 Uhr gibt es Gitarrenmusik. Da das Dielencafé am selben Tag sein fünfjähriges Bestehen feiert, wird um 15.30 Uhr zusätzlich zum umfangreichen Torten- und Kuchenangebot eine große Geburtstagstorte angeschnitten und zum Jubiläumspreis angeboten. Weitere Informationen über den "Tag des offenen Denkmals" erhalten Sie im Internet unter www.SchaumburgerLandschaft.de




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