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Rintelner Jugendliche lernen mit Pastor Stephan Lorenz Sibirien kennen / Nächstes Jahr Gegenbesuch

5000-Kilometer-Reise in die Heimat der Eltern

Rinteln (sb/wm). Es war eine Idee, die Michael Cantzler, Generalkonsul in Nowosibirsk, genauso begeistert hat wie den Bildungsminister der Oblast Omsk: Einmal Jugendlichen aus Rinteln, die als Kleinkinder mit ihren Eltern Sibirien verlassen haben oder gar erst in Rinteln geboren worden sind, ihre Heimat und die Heimat ihrer Eltern zu zeigen. So reiste im Juli der Todenmanner Pastor Stephan Lorenz mit einer Gruppe Jugendlicher 5000 Kilometer weit in die Hauptstadt der Oblast, nach Omsk. Ein Projekt, das der Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg, die Landeskirche Hannover, das Diakonische Werk, der Rotary Club Bückeburg und andere Institutionen unterstützen und das weitergehen soll: Im nächsten Jahr werden russische Jugendliche in Rinteln erwartet.

Für den Todenmanner Pastor Stephan Lorenz nur die konsequente Fortsetzung seines bisherigen Engagements in Russland. Der Parlamentarische Staatssekretär Horst Waffenschmidt, der zehn Jahre lang, von 1988 bis 1998, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen war und sich damit den Titel "Apostel der Russlanddeutschen" verdient hat, hatte das Parlament bewegt, in Omsk ein Gemeinde- und Kulturzentrum aufzubauen - mit dem Ziel, die Russlanddeutschen zu motivieren, in ihrer Heimat zu bleiben. Stephan Lorenz, der bereits seit 2000 als Dozent in Petersburg tätig war, ging für dreizehn Monate im Auftrag der Hannoverschen Kirche an dieses neue Kulturzentrum nach Omsk. Damit lag für Lorenz nach seiner Rückkehr im November 2006 die Idee nahe, in Rinteln und Hessisch Oldendorf lebenden deutschrussischen Jugendlichen einmal Sibirien zu zeigen. "Denn sie alle", so erklärt Lorenz, "sprechen zwar Russisch, das Wissen über die Heimat ist jedoch längst verblasst und beschränkt sich auf die Erzählungen ihrer Eltern." Am 11. Juli war es dann so weit: Sieben Jugendliche im Alter von zwölf bis 20 Jahren, drei von ihnen in Omsk geboren, flogen zunächst nach Moskau, begleitet von Pastor Lorenz und einer Lehrerin, die vorab die Russischkenntnisse der Jugendlichen noch etwas aufgefrischt hatte. Von Moskau aus brachte die transsibirische Eisenbahn die Rintelner Gruppe nach Omsk, untergebracht wurden sie in der dortigen Caritas. Am nächsten Tag trafen die Rintelner auf eine Gruppe von russischen Kindern und Jugendlichen aus einem Kinderheim in Asowo, 40 Kilometer von Omsk entfernt. Zunächst standen ein Kennenlernen und ein Stadtrundgang in Omsk auf dem Programm. Für die Jugendlichen des Kinderheims aus Asowo bedeutete das Treffen mit den Rintelner Jugendlichen vor allem, den Heimalltag hinter sich zu lassen und neue Eindrücke zu gewinnen - auch als Motivation für ihren eigenen Lebensweg. "Generell", so betont Lorenz, "soll der Austausch helfen, mit Vorurteilen und Stereotypen aufzuräumen." Denn die Vorstellung vieler Deutscher von Sibirien beschränke sich auf Armut und Kälte. Überrascht gewesen seien die Rintelner Jugendlichen daher in vielerlei Hinsicht, "denn in Omsk", erklärt Lorenz "scheint von Mai bis September die Sonne und die Jugendlichen konnten bei strahlendem Sonnenschein im Irtysch baden gehen". Neben verschiedenen Workshops, in denen die Teilnehmer sichüber ihren Alltag austauschen konnten, verbrachte die Gruppe die letzten Tage gemeinsam im Sommerlager in Asowo. Was Lorenz auch begeistert hat: Vor Ort hatten Omsker Studenten das Programm mit gestaltet. Erfreut war Lorenz auch von der offiziellen Unterstützung in Sibirien, denn dort, berichtet er "gibt es mittlerweile auch einen Mittelstand, der sich mit seinem Geld sozial engagiert, statt sich einen dritten Mercedes zu kaufen". Die Reaktion der Rintelner Jugendlichen, die mit in Sibirien waren, hat ihn dagegen nicht überrascht: "Die meisten sind jetzt ganz überzeugte Bundesdeutsche." Nur einer habe überlegt, vielleicht in Sibirien zu studieren.




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