weather-image
28°
Partnerkirchenkreis im Rintelner Rathaus / Aids beherrscht das Land nach wie vor

40 Prozent Südafrikaner arbeitslos - darunter 99 Prozent Schwarze

Rinteln (clb). Sie haben zuerst einen recht irritierten Eindruck gemacht, die fünf Südafrikaner des Partnerkirchenkreises Devhula-Leboa, die seit letzter Woche zu Besuch im Landkreis Schaumburg sind und gestern Vormittag, auf Einladung von Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz, den Weg ins Rintelner Rathaus gefunden haben. In diesem Jahr besteht die Partnerschaft 30 Jahre.

0000488376.jpg

I m Rahmen einer großen Sitzungsrunde, an der auch Superintendent Andreas Kühne-Glaser sowie einige Mitglieder des Partnerschaftsausschusses teilgenommen haben, konnten die von weit her angereisten Gäste Fragen stellen. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen sowohl die kulturellen als auch die sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Deutschland und Südafrika. Buchholz gab zunächst einen kurzen Einblick in die Historie Rintelns: Die Weserstadt, die 1974 mit ihren 18 Ortsteilen zusammengeschlossen wurde, bekam im Jahr 1239 offiziell die Stadtrechte. Früher hätten Ackerbürger und Handwerker das Bild der Stadt geprägt - 1870 folgte mit dem Bau der Glashütte der ersteSchritt zur Industrialisierung. Die Arbeitslosigkeit im Schaumburger Land sei inzwischen auf 9,6 Prozent gesunken, sagte Buchholz- eine Zahl, die die afrikanischen Gäste stutzig machte: In Devhula-Leboa, das sich unmittelbar an der Grenze zu Simbabwe befindet, liege die offizielle Arbeitslosenquote bei 30 und die inoffizielle bei 40 Prozent, klärte einer der Afrikaner die Rintelner Gastgeber auf. Auchüber die vergleichsweise geringe Inflationsrate von rund 2,8 Prozent konnten die Gäste nur staunen: Bei ihnen sei diese mit 12,5 Prozent mehr als vier Mal so hoch. Dass die Arbeitslosigkeit die Menschen in Südafrika fest im Griff hat, erklärte Superintendent Andreas Kühne-Glaser: "Das Problem sind die hohen Energiepreise und die immer weiter steigenden Nahrungsmittelpreise." Viele Menschen müssten auf andere Berufsfelder ausweichen, in denen sie immerhin so viel Geld verdienen können, um ihre Familie zu ernähren - sogar die Pastoren. 99 Prozent der Arbeitslosen in Südafrika sind Schwarze, für die eine berufliche Qualifizierung in den Zeiten der Apartheid fast unmöglich war. Und mit diesen Folgen haben sie heute noch zu kämpfen: Ein Großteil der Jugendlichen rutscht von der Schulbank direkt in die Arbeitslosigkeit. Und hinzu kommt, dass unzählige und viel besser ausgebildete Fachkräfte ins Land kommen, die den Einheimischen auch noch die letzten Stellen wegschnappen, wie eine der beiden weiblichen Gäste erzählte: "Für uns ist es besonders schwer zu sehen, dass die Leute von außerhalb in unser Land kommen und sofort einen Job kriegen und wir nach Jahren immer noch auf der Suche sind." Hinzu kommt eine hohe Rate an HIV-Infizierten sowie Aids-Erkrankten - auch in diesem Punkt schienen die Südafrikaner mehr als überrascht zu sein von der verhältnismäßig geringen Zahl in Deutschland, die weder der Superintendent noch der Bürgermeister genau benennen konnten. Nach der Gesprächsrunde im Rathaussaal ging es dann weiter ins Haus der Diakonie, wo in erster Linie die kirchlichen Unterschiede und Arbeitsaufgaben verglichen wurden. Noch eine Woche bleiben die Gäste des Partnerkirchenkreises in Schaumburg, am 5. Juni geht es zurück nach Südafrika.

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare