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Dr. Hans-Jürgen Grasemann über das Unrecht in der ehemaligen DDR

34 000 Menschen freigekauft

Hameln. Den 17. Juni hat das Viktoria-Luise-Gymnasium zum Anlass genommen, in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer Stiftung an den Volksaufstand vor 61 Jahren in der ehemaligen DDR zu erinnern. Zahlreiche Bürger wurden in der Folgezeit Opfer der Willkürherrschaft. Die 1961 eingerichtete Zentrale Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen war für viele ein Ort der Hoffnung, weil dort ihr Schicksal aktenkundig gemacht wurde. Beispiele dieser Willkürherrschaft stellte der Braunschweiger Oberstaatsanwalt a.D., Dr. Hans-Jürgen Grasemann, von 1988 bis 1994 stellvertretender Leiter und Sprecher der Zentralen Erfassungsstelle Salzgitter, anschaulich dar und diskutierte weiterführende Fragen mit Schülern der Jahrgänge 10 und 11 des Viktoria-Luise-Gymnasiums.

Ausgehend vom Fall der Geschwister Michael Proksch und Dorothea Ebert, damals Musikstudenten aus Dresden, deren Fluchtversuch scheiterte und die 1984 vom Westen freigekauft wurden, interessierte Schüler die Frage, ob alle damaligen Verbrecher ihre Strafe erhalten hätten. Letztendlich wurden rund 100 000 Ermittlungsverfahren eingeleitet – jedoch nur rund 1700 Verurteilungen ausgesprochen; zahlreiche Verfahren mussten eingestellt werden. Häufig scheint das Strafmaß angesichts der Taten viel zu gering.

Insgesamt wurden rund 34 000 Personen freigekauft: Der Westen zahlte jeweils etwa 40 000 Mark – doch wie kam man auf diese Listen? Auch interessierte die Schüler die Frage, warum der 17. Juni kein nationaler Feiertag mehr sei. Bis zur Wiedervereinigung war dies schließlich der Fall – seitens der DDR natürlich ein Datum, das vorzugsweise aus dem Kalender „gestrichen“ wurde.

Grasemann unterstrich die Bedeutung demokratischer Werte: Eine Diktatur dürfe sich nicht wiederholen – wenn sie existiere, sei es umso schwerer, sie zu beenden. Die Wiedervereinigung ist für viele inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden, doch auch 25 Jahre nach dem Mauerfall gilt es, die „Freiheit“ weiter zu schützen.




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