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"Historischer Ortsspaziergang" führt zu alter Messerschmiede, Orangerie und Eisenhämmern

300 000 Messer wurden in Exten hergestellt

Exten (clb). Diesmal führt der historische Ortsspaziergang in das 1111-Jahre alte Dorf Exten mit seiner romanischen Kirche, dem Adelshof und seinen zahlreichen Mühlen und Hammerwerken. Schon früh entwickelte sich Exten zu einem der einwohnerstärksten Dörfer in der Grafschaft Schaumburg. Seit mehr als 130 Jahren findet die im Rahmen des traditionellen Schützenfestes die "Schlacht im Exterfeld", der Kampf gegen Napoleon Bonaparte, statt. Heute prägt der industrielle Großbetrieb Wesergold das Dorf, wo rund drei bis vier Millionen Getränke-Einheiten tagtäglich hergestellt werden.

Im Jahre 1861, der Blütezeit der Extener Eisenwarenfabrikation,

Kirche: Die erste Station des historischen Rundganges ist die spätromanische Kirche an der Hohenroder Straße mit ihren gotischen Elementen. Die steinerne Inschrift über dem Portal verweist auf eine Renovierung des Turms und nennt in einer Mischung aus römischen und arabischen Zahlen das Jahr 1548. Edelhof: Der schlossartige Herrensitz war im Mittelalter Stammsitz der Familie von Eckersten, seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Gut im Besitz der Familie von Meien. Im Inneren des Gebäudes befinden sich mehrere im Rokokostil gestaltete Salons. Vierständerhaus: Das aufwändig renovierte Gebäude von 1777 an der Mittelstraße nennt in seinem Inschriftbalken keinen Erbauer, sondern ein geheimes Gebet. Kriegerdenkmal: Weiter geht es zum Ortsmittelpunkt, dem Anger. Dort erinnert das große Denkmal an den deutsch-französischen Krieg von 1870. Damals kämpften 17 Extener auf den Schlachtfeldern Ostfrankreichs, so dass Gemeinderat und Kriegerverein dieses Mal errichteten. Heimatstube: 1879 wurde auf dem Anger das Schulhaus gebaut, das seit 1973 als Heimatstube genutzt wird. Hier ist unter anderem das Dorfarchiv untergebracht. Exterwehr: Die Wehr am Unterlauf der Exter befindet sich ebenfalls im Dorfmittelpunkt. Die hier abgezweigte "Neue Exter" fließt durch das Exterfeld nach Rinteln. Schaumburger Mütze: Das Haus Gallenort 14 weist einen charakteristischen Rundwalm auf, der den Speicherraum des Dachbodens vergrößert und dem Eingang Wetterschutz bietet. Korbflechterei Meyer: Das Gebäude im Gallenort 3, auch "Millionen-Meyer" genannt, wurde um 1897 errichtet und diente bis etwa 1963 als Produktionsstätte. Waschplätze an der Exter: Am Gallenort befinden sich noch mehrere alte Waschplätze an der Mühlenexter, die über einige Stufen von der Straße aus zu erreichen sind. Messerschmiede Schade: Das Haus Gallenort 7 wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als Messerschmiede und -schleiferei errichtet. Die Wasserkraft der Mühlenexter wurde für den Betrieb der Hämmer und Schleifsteine benutzt. Orangerie: Das um 1810 errichtete Orangeriegebäude des Gutes beherbergte im 19. Jahrhundert eine berühmte Sammlung exotischer Pflanzen. Heute ist das Gebäude als Wohnhaus im Besitz der Familie von Blomberg. Pyramideneiche: Weiter befindet sich im Gallenort ein rund 30 Meter hoher Baum, der an den entscheidenen Siegüber Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig erinnert. Gutspark: Die im frühen 18. Jahrhundert als Barockgarten nach dem Vorbild Hannovers mit Graft, Hecken und Alleen gestaltete Anlage wurde um 1800 in einen Landschaftsgarten umgewandelt. Im Westbereich des Gartens befindet sich die Grabanlage der Familie von Meien mit einem hohen Sandsteinobelisken. Bogenbrücke: Die 1854 mit Bundsandstein gebaute Brücke über die Exter ersetzte ein Provisorium, dass nach dem Hochwasser von 1837 errichtet worden war. Im Jahre 2000 wurde sie saniert und als Baudenkmal eingetragen. Kreuzstein und Mooreiche: Kreuzsteine wurden häufig in Erinnerung an eine Mordtat gesetzt. Extens Stein stand jahrhundertelang in der westlichen Feldmark, 1965 wurde er in die Dorfmitte versetzt. Daneben befindet sich die nacheiszeitliche Mooreiche, die bei Arbeiten im "Kattenmeer" entdeckt wurde. Kochsche Mühle: Bei der denkmalgeschützten Mühle mit ihrem gotischen Steilgiebel handelt es sich um eine sogenannte Bannmühle. Das heißt, die Bewohner der Orte Exten, Strücken, Saarbeck, Hohenrode und Wennenkamp unterlagen einem Mühlenzwang und durften nur hier ihr Getreide mahlen. Bis in die 1950er Jahre war sie in Betrieb. Unterer Eisenhammer: Der Rundgang führt weiter zu den Extener Eisenhämmern, die um 1745 von der Regierung angelegt wurden. Das um 1900 als Backsteinbau neu errichtete Gebäude diente bis 2004 als Betriebsstätte der letzten Hammerschmiede Norddeutschlands. Extaler Quelle: Die Quelle am Oberen Eisenhammer wird seit 1970 durch die Firma Wesergold genutzt. Oberer Eisenhammer: Das noch bestehende Fachwerkgebäude, 1803 errichtet, ist in seiner Substanz vermutlich noch älter und seit seiner Stilllegung um 1970 im Erhalt gefährdet. Gasthaus Kehl: Von der Uchtdorfer Straße aus sieht man das ehemalige Gasthaus "Zum Kehl", das einst zum gleichnamigen Gehöft gehörte. Heute dient das Haus privaten Zwecken. Harrank: Der Dorfspaziergang endet nach 4,9 Kilometern beim "Harrank". Dieses Gehöft war lange Zeit in adeligem Besitz und wurde 1704 durch Braham Harenc erworben, der Hugenotte war und vor den Protestantenverfolgungen des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV fliehen musste.

Der Rundgang führt zu den historisch bedeutendsten Flecken von E
  • Der Rundgang führt zu den historisch bedeutendsten Flecken von Exten.
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