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Die Autobahn lässt die Kriminalitätszahlen für Rinteln steigen / Mit 60 Prozent hohe Aufklärungsquote

2007: Totschlag, Brandstiftung, Diebstähle

Rinteln (wm). Eigentlich könnte das Polizeikommissariat Rinteln (auch zuständig für das Auetal) mit blendenden Zahlen in der Statistik für das Jahr 2007 aufwarten: Im Landesvergleich geringe Kriminalität (2336 Straftaten, 196 weniger als im Jahr 2006), dafür eine hohe Aufklärungsquote (60 Prozent) - gebe es da nicht die Autobahn, die das eigentlich positive Bild der Statistik trübt. Denn die kriminellen Aktivitäten an der Autobahnraststätte Auetal - rund 200 Fälle im Vorjahr, meist Tankbetrügereien und Diebstahl - tauchen in der Rintelner Statistik auf, obwohl eigentlich die Autobahnpolizei zuständig ist.

Rintelns Kommissariatsleiter Gerhard Bogorinsky und Uwe Steding, Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes, machten im Vorjahr mehrere Trends aus - positive wie negative. Das Positive zuerst: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist zurückgegangen, ebenso die Zahl der Autoaufbrüche. Bogorinsky vermutet, für das bisher gängige Diebesgut, nämlich Musikanlagen, gebe es einfach keinen Markt mehr. Dafür hielten die Autoknacker jetzt nach Navigationsgeräten Ausschau, aber die seien noch relativ selten in Fahrzeugen zu finden. Negativ sei den Polizeibeamten aufgefallen, so Bogorinsky und Steding, dass sich die "Qualität" bei den Rohheitsdelikten geändert habe (239 Fälle im Vorjahr). Bogorinsky: "Es wird brutaler zugeschlagen, die Hemmschwelle sinkt, die Verletzungen der Opfer sind erheblicher als früher." Steding wünschte sich hier auch ein konsequenteres Reagieren der Justiz, um solchen Personen deutlich zu machen: "So geht das nicht weiter." Die Jugendsachbearbeiter klärten Fälle in 10 Tagen auf - leider folge selten sofort eine Sanktion der Straftat durch die Justiz. Auch die Zahl der Jugendlichen, die im Rausch prügeln, sei gestiegen. Hier will der Rintelner Präventionsrat mit einer Aktion ansetzen (wir werden darüber noch berichten). Wer schwierig es sei, aus einer Statistik auf eine konkrete Entwicklung im Kriminalitätsgeschehen zu schließen, ohne die Hintergründe zu kennen, machten Bogorinsky und Steding an einem Beispiel deutlich: So hatte 2006 eine einzige Person die Zahl bei den Betrügereien in die Höhe getrieben: Der Mann hatte in über 300 Fällen Plagiate von Markenparfüms und Lederwaren im Internet vertrieben. Der Fall ist inzwischen geklärt, damit sind die Vermögensdelikte schlagartig um 28 Prozent gesunken. Betrügereien im Internet seien aber leider auch künftig ein Thema. Steding: "Man kann kaum glauben, mit welcher Naivität Leute ihre PIN und TAN auf Anforderung in dubiosen E-Mailsmitteilen." Der kurioseste Kriminalfall ereignete sich im Vorjahr am 5. Dezember: Polizeibeamte waren während des Weihnachtsmarktes auf den Marktplatz gerufen worden, weil ein Betrunkener in einem Lokal randalierte. Gleichzeitig versuchte in Unbekannter den Streifenwagen anzuzünden, der auf dem Marktplatz geparkt stand - Schaden 2500 Euro. Ein Journalist, berichtete Bogorinsky, habe sogar angefragt, ob die Beamten vielleicht auf dem Weihnachtsmarkt zu stark dem Glühwein zugesprochen hätten. Der unglaublichste Fall beschäftigte die Polizei im Juni: Bei den Bauarbeiten für das neue Wesergold-Lager kippte ein tonnenschwerer, 20 Meter hoher Stahlträger um und zertrümmerte einen Wohnwagen. In diesem Wohnwagen saßen gerade vier Bauarbeiter. Bogorinsky: "Keinem ist auch nur ein Haar gekrümmt worden. Uns wurde erzählt, die haben nach dem Crash einfach weiter gearbeitet, also ob nicht groß was passiert sei". Ein dramatischer Fall hielt die Kriminalpolizei im Februar in Atem: Ein 54-jähriger Familienvater erschlug in Hohenrode seine Ehefrau mit der Axt. Bei einer Fahndungsaktion mit einem Hubschrauber wurde der Flüchtige im Wald entdeckt. Der Mann ist inzwichen zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Tragisch der Tod einer Mitarbeiterin eines Jugendheims im Januar in der Weser. Die Kriminalpolizei stufte den Tod der jungen Frau als Selbstmord ein - Zweifel an dieser These sind aus dem Bekanntenkreis der jungen Frau bis heute nicht verstummt. Spektakulär der Brand im März im "Lindenkrug" in Engern. Der Brandstifter ist bisher nicht gefasst worden. Steding: "Wir haben einen konkreten Verdacht, konnten dem Mann die Tat aber nicht nachweisen." Es gibt noch andere bösen Buben, die frei herumlaufen: Ungeklärt die Einbrüche in einer Tischlerei im Auetal. Steding tippt auf "reisende Täter", die von der Autobahn abgebogen sind und sich auf Werkzeugdiebstahl spezialisiert haben. Nach wie ist auch vor unbekannt, wer im August in das Kinderbekleidungsgeschäft in der Klosterstraße eingebrochen ist. In vielen Fällen, bedauert Bogorinsy, würde die Polizei zu spät informiert, obwohl Bürger etwas gehört oder gesehen hätten. So habe jüngst ein Anwohner beobachtet, wie ein Mann eine Schaufensterscheibe eingeschlagen und mit einem Flachbildschirm sei, aber erst "nach einiger Zeit" die Polizei gerufen: "Hätte der Mann sofort zum Telefon gegriffen, wir hätten den Einbrecher erwischt." Deshalb die Bitte beider Polizeibeamten, sofort anrufen: "Es entsteht niemand ein Nachteil, wenn sich die Sache dann in Luft auflösen sollte."




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