×
Polizeibeamte klären Motorradfahrer beim Sonntagsfrühstück in Bikertreffs über Risiken auf

"200 Sachen - ruckzuck, das ist ein Gucken!"

Extertal (wm). Die meisten Motorradfahrer betrachten die "Grün-Weißen" offensichtlich keineswegs als ihr natürliches Feindbild: In den Biker-Treffpunkten "3er's- Eck" in Fütig und "Günter's Kurve" in Silixen im benachbarten Extertal klärten Polizeibeamte am Sonntagmorgen Motorradfahrer über Risiken auf, die sie "vermutlich längst kennen, aber eben viel zu häufig ignorieren", wie Kommissar Holger Kraus sagt - was auch die Unfallstatistik beweise. Und die Biker kamen in Scharen.

Die meisten der eingesetzten Beamten fuhren selbstverständlich an diesem Morgen mit dem Motorrad vor und wussten daher, wovon sie sprachen. Beispielsweise davon, dass es zwei klassische Unfalltypen gebe: Den Biker, der sich überschätzt und allein "den Abflug macht". Das ist oft ein Anfänger, dem in der Kurve die Leitplanke zu nahe kommt und der dann aus Angst die Bremse zieht, statt noch tiefer zu gehen nach dem Motto: "Die Maschine hat Reserven, der Fahrer meist nicht." Positiv: Alkohol sei da selten im Spiel - "die puscht schon das Adrenalin!" Kollidiert ein Zweirad mit einem vierrädrigen Verkehrsteilnehmer, trägt dagegen nicht selten derAutofahrer die Hauptschuld. Motorradfahrer würden aufgrund ihrer schmalen Silhouette oft zu spät wahrgenommen, ihre Geschwindigkeit unterschätzt, schilderte Polizeiobermeisterin Tanja Menze. Motorradfahrer wiederum neigten dazu, ein bisschen schneller unterwegs zu sein, als die Straßenverkehrsordnung erlaubt. Die Entwicklung der Motorradtechnik ist daran nicht unschuldig: "Bei 190 PS hast du 200 Sachen ruckzuck drauf, das ist ein Gucken", erzählt Axel Schwekendiek, Motorradhändler aus Hameln, "dazu ist der Gruppendruck groß, wenn mehrere unterwegs sind." Schwekendiek gibt daher seinen Käufern mit auf den Weg: "Fahr für dich alleine, sammle erst Erfahrungen, das ist die halbe Miete." Es seien oft Details, die das Leben retten: "Steht die Sonne tief, Gas weg. Wächst das Gras an einer Einmündung hoch, Vorsicht - denn Motorradfahrer übersieht man schnell." 70 Prozent aller Motorradfahrer seienüber 40, schätzt Schwekendiek. Unter Motorradhelmen entdecke mal viel graue Haare und Glatzen und das aus einem einfachen Grund: Eine BMW plus Systemkleidung kann sich ein Azubi kaum leisten - die fahren meist Roller und sind "in Badelatschen und T-Shirt unterwegs". Für Polizeikommissar Karl-Heinz Kanne ein großes Problem: "Im Kombi mit Protektoren übersteht man fünfzig Meter Schleifspur auf dem Asphalt, aber im T-Shirt?" MichaelÖlwich, von Beruf Fahrlehrer, in der Freizeit Motorradsicherheitstrainer, empfahl daher allen, einmal im Jahr ein Sicherheitstraining zu absolvieren. Hanna Beyer, Chefin von "Günter's Kurve", die einen klasse Kaffee braut, wie alle Biker loben, und ihre Kollegen Anke und Rainer Dreier im "3er's-Eck" sind sich in einem einig: "Einmal Biker, immer Biker!" Viele verschwänden von der Bildfläche, wenn das Haus abgezahlt, das Studium für den Nachwuchs finanziert werden muss, "aber kaum sind die Kinder aus dem Haus, kommen sie wieder - mit einer neuen, dicken Maschine."




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt